Fanpost aus Parteien keine Seltenheit

27. November 2011, 18:18
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Wien - Parteien versuchen offenbar immer wieder, mit gefälschten Leserbriefen in heimischen Tageszeitungen unterzukommen. Auch Qualitätszeitungen bleiben von dieser unerbetenen Fanpost, die nicht nur aus der SPÖ-Parteizentrale kommt, nicht verschont, wie Otto Ranftl, Leserbeauftragter des STANDARD, berichtet.

Auch die "Kleine Zeitung" und die "Salzburger Nachrichten" wissen von als Lesebriefe getarnten, selbst erstellten Lobeshymnen zu berichten, die aber so gut wie keine Chance auf Veröffentlichung haben, wie "SN"-Chefredakteur Manfred Perterer versichert.

Alle drei Zeitungen betonen, dass es "Kampfschreiber" nicht nur in der SPÖ, sondern auch "für die ÖVP und im politisch rechten Eck" gibt, so Ranftl. "Dass Parteien bei gewissen politischen Themen ihre Anhänger mobilisieren, Leserbriefe zu schreiben, ist bekannt und nicht zu verhindern. Aber das tun sämtliche Parteien, SPÖ wie auch ÖVP, auch von der einen oder anderen Oppositionspartei ist derlei bekannt", berichtet Christian Weniger, Chef vom Dienst in der "Kleinen Zeitung".

"Es gibt keine Spezialisten unter den Fälschern, sie sind immer und überall zu finden. Aber sie haben bei uns keine Chance", meint "SN"-Chefredakteur Perterer. Denn politische Fake-Leserbriefe ließen sich rasch ausmachen und seien schon an der Diktion erkennbar: "Agentur-Leute und Partei-Mitarbeiter schreiben anders als 'normale' Menschen. Sie verraten sich durch eine aufgeblähte, nichtssagende Bla-Bla-Sprache, die wir ja auch aus der Politik kennen", so Perterer.

Auch in den "Standard" suchen politisch gesteuerte Leserbriefe immer wieder ihren Weg, werden aber ebenfalls nicht veröffentlicht. Sowohl die "Kleine Zeitung", als auch "Standard" und "SN" machen sich außerdem die Mühe, Leserbriefe zu beantworten. Ist das Rückmail unzustellbar, unterbleibt jede Veröffentlichung. "Wir überprüfen einzelne Absender. Am einfachsten geht das mit einer Rückmail und einer Frage. Kommt darauf keine Antwort, kann man getrost von einer Fälschung ausgehen", sagt Perterer. (APA)

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