Zeit der unüberlegten Käufe

27. November 2011, 17:41
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Schuldnerberater haben nach dem Fest Hochsaison

Der Katzenjammer beginnt im Jänner, sagt Alexander Maly. Dann, wenn das Konto leer ist, das nächste Urlaubsgeld in weiter Ferne und die ersten Jahresabrechnungen eintrudeln. Für den Wiener Schuldnerberater ist Weihnachten die Zeit der unüberlegten Käufe. Nach dem Fest wisse er nicht wohin mit all den Anfragen der Österreicher, die Auswege aus ihrer Finanznot suchen, der hohe Andrang währe bis April.

Ins Verderben führe nicht eine Torheit, sagt Maly, sondern eine Kette an Fehlentscheidungen. Zu Weihnachten gebe es dafür freilich mehr Gelegenheiten als sonst. Er zieht auch den Handel zur Verantwortung. "Die Zeigefinger nur auf jene zu richten, die jung, unerfahren und schlecht ausgebildet sind, das ist zu billig." Aus seiner Sicht schöpften potenzielle Gläubiger die Möglichkeiten, die Bonität der Kunden für Konsumkredite zu prüfen, bei weitem nicht aus. "Denn das interessiert keinen, das Geschäft steht im Vordergrund."

Was die Branche so nicht gelten lässt. Da gehöre schon die Kirche im Dorf gelassen, sagt Handelsverbandspräsident Stephan Mayer-Heinisch. "Der Handel hat keine Kontrollfunktion, sondern die des Verteilers." Dass die Betriebe die Bonität ihrer Kunden überprüfen sollten, sei praktisch unmöglich.

55 Prozent der Schuldner sind Männer. Knapp die Hälfte hat nur Pflichtschulabschluss. Ein Drittel sind frühere Selbstständige, die zumeist mit einer Ich-AG scheiterten, sagt Maly. Mehr als 60 Prozent jener, die um Rat ansuchten, haben migrantischen Hintergrund.

Die Banken hätten Konsumkredite heuer wieder lockerer vergeben, glaubt er. Bedingt durch das harte Umfeld stünden sie jedoch bald wieder auf der Bremse.

Fallende Hemmschwellen

Einkaufsrummel nichts abgewinnen kann auch Karl Kollmann, Konsumökonom der Arbeiterkammer. Er sieht zu Weihnachten Hemmschwellen fallen, die ansonsten die Kaufsucht noch zügelten. 27 Prozent der Österreicher zeigten ein problematisches Einkaufsverhalten, zeigt eine Studie aus dem Vorjahr. Acht Prozent seien kaufsuchtgefährdet. (vk, DER STANDARD, Printausgabe, 28.11.2011)

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