Konkurrenz belebt das Geschäft

27. November 2011, 17:28
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Das Duell zwischen Markus Rogan und Dinko Jukic war herausragend beim Meeting in Wiener Neustadt - im und außerhalb des Beckens

Wiener Neustadt - Beste Freunde, oder besser gesagt Freunde, werden Markus Rogan und Dinko Jukic in diesem Leben wohl nicht mehr. Anders als bei früheren Gelegenheiten gingen sich die beiden Schwimm-Stars am Wochenende beim Meeting in Wiener Neustadt aber professionell aus dem Weg. Nach dem direkten Duell im Becken am Samstag über 200 Meter Lagen waren die beiden gar voll des Lobes über den jeweiligen Gegner. Sie mussten dazu aber getrennt voneinander befragt werden.

"Sportlich habe ich höchsten Respekt vor den Leistungen von Markus", sagte Jukic nach seinem zweiten Platz. Rogan hatte den 21-jährigen Wiener auf seiner neuen Paradestrecke in 1:55,07 Minuten um fast zwei Sekunden geschlagen. Die Niederlage hatte Jukic einkalkuliert, er spezialisiert sich eher auf die 200 m Delfin. Rogan bezeichnete Jukic nachher als "fantastischen Athleten. Ich habe noch nie ein Rennen derart genossen. Es ist großartig, dass ich in Österreich so schnell schwimmen muss, um zu siegen." Im Europa-Vergleich ist Rogan mit dieser Zeit aktuell die Nummer zwei, Jukic ist Fünfter.

Ganz ohne Friktionen ist die Begegnung der beiden selbstbewussten Sportler freilich nicht abgelaufen. Am Freitag hatte Jukic auf das Duell über 400 m Lagen kurzfristig verzichtet, Rogan zeigte sich enttäuscht. Jukic: "Er hat nicht das Recht, das gut oder schlecht zu finden. Diese ganze Duell-Geschichte hat nur er hochstilisiert. Außerhalb des Beckens muss ich nichts mit ihm zu tun haben."

London steht am Plan

Die Konkurrenz von Rogan und Jukic belebt jedenfalls das Geschäft. Im Sog der beiden unterboten über 200 m Lagen mit Dominik Dür und Jakub Maly zwei weitere Athleten das Limit für die Kurzbahn-EM ab 8. Dezember im polnischen Stettin. Das gab es in einem Rennen in Österreich noch nie. Die einzige Chance, sich für das kleinste Großereignis der Schwimmer zu qualifizieren, nützten gleich 19 Aktive.

Überraschend schaffte auch der 33-jährige Maxim Podoprigora über 200 m Brust das Limit. Der erste Österreicher, der bei einer Schwimm-WM eine Medaille gewann (2001 Silber in Fukuoka), wollte seine Karriere im Vorjahr beenden. Jetzt soll es sogar zu den Olympischen Spielen 2012 nach London gehen. "Da will ich im Finale stehen", sagt Podoprigora.

Davor kommt aber noch die Kurzbahn-EM in Stettin. Und dort werden nur Rogan und Jukic Medaillenchancen eingeräumt. Rogan hatte die jüngste Kurzbahn-EM im Vorjahr in Eindhoven ausgelassen, Jukic hat Gold (200 m Delfin) und Bronze (200 m Lagen) zu verteidigen. Jukic: "Über Delfin will ich wieder vorne dabei sein."

Die unmittelbare EM-Vorbereitung wollte Jukic eigentlich in Wien absolvieren. Stattdessen geht es für den Sportstudenten wohl wieder nach Rijeka. "Wir haben beim Landesschwimmverband Wien um ein Trainingsbecken angesucht", sagt Jukic. "Das Angebot war, dass wir ein Becken zweimal pro Woche für genau eineinhalb Stunden nützen können. Damit lässt sich als regierender Europameister aber kein Training durchziehen."

Rogan wurmt vor allem die Tatsache, heuer noch ohne Medaille geblieben zu sein. Seit 2001 ist der 28-jährige Ausnahmesportler, der in Los Angeles lebt, in jedem Jahr zumindest bei einem Großereignis auf dem Podest gestanden. "Das ist sonst nur Michael Phelps gelungen", merkt er an.

Weihnachten fällt flach

Über allem steht aber die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele. Nach einem Start bei den Dutch Open in Eindhoven (2. bis 4. Dezember) folgt nach der Kurzbahn-EM in Stettin am 16. Dezember in Atlanta der Schwimmländerkampf zwischen Europa und den USA - zu dem neben Rogan auch Jukic eingeladen wurde. "Nach einem Tag Pause geht es am 19. Dezember schon zum Trainingslager nach Hawaii. Weihnachten fällt für mich heuer aus", sagt Rogan. (DER STANDARD Printausgabe, 28. November 2011)

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    Markus Rogan hat "noch nie ein Rennen derart genossen". Kein Wunder: Das direkte Duell mit Dinko Jukic über 200 m Lagen entschied Rogan mit 1,93 Sekunden Vorsprung für sich.

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    Dinko Jukic hat die Niederlage verkraftet. "Diese ganze Duell-Geschichte hat nur Markus hochstilisiert." Für die Kurzbahn-EM in Stettin hat Jukic noch genug Luft nach oben.

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