Bitte rettet den Euro!

Blog26. November 2011, 16:23
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Ein Appell an alle, die den Kollaps der Gemeinschaftswährung noch aufhalten können

Das, was sich bisher nur die wenigsten vorstellen konnten, könnte bald eintreffen: Der Zerfall der europäischen Währungsunion.

Die Finanzmärkte haben den Glauben an den Euro verloren und Anleger verkaufen Staatspapiere von allen Euroländern mit hohen Schulden und unsicheren wirtschaftlichen Aussichten. Wenn die Zinsen in der kommenden Woche weiter steigen, dann haben wir zu Weihnachten keinen Euro mehr – zumindest nicht als europäische Gemeinschaftswährung.

Das lässt sich verhindern – nicht durch die Schaffung von Eurobonds, was viel zu lange dauern würde, sondern durch eine knappe Erklärung der Europäischen Zentralbank, dass sie nunmehr bereit ist, ohne Limit Staatsanleihen von Eurostaaten aufzukaufen. Sie müsste zum "Lender of Last Resort“ werden, zum Kreditgeber in der Not.

Dann hätten die Märkte keinen Grund mehr, italienische, spanische oder auch österreichische Anleihen zu meiden, dann würde sich die Panik in den Märkten legen und die Renditen würden wieder fallen.

Jedes moderne Finanzsystem braucht einen solchen Kreditgeber in der Not. Ohne ihn sind katastrophale Finanzkrisen unvermeidbar.

Deshalb ist es völlig unverständlich, ja sogar verantwortungslos, dass die deutsche Bundesregierung und die Deutsche Bundesbank dies dezidiert ablehnen. Es stimmt, dass diese Rolle nicht in den Maastricht-Verträgen steht, aber das war ein Fehler dieser Verträge, der nun rasch korrigiert gehört.

Der britische Economist, der ein solches Vorgehen vehement einfordert, vermutet, dass Angela Merkel die Krise dazu nutzen will, um in den Schuldnerstaaten des Südens ein Umdenken einzuleiten. Aber das ist schon gelungen. In allen betroffenen Ländern sitzen nun Konservative oder Technokraten, die sich voll dem Sparen verpflichtet haben. Aber Sparen nützt nichts, wenn die Märkte der Währung nicht mehr vertrauen. Die EZB muss eingreifen – und das sofort. Was dafür fehlt, ist ein klares Wort aus Berlin.

Deshalb bitte, Angela Merkel, lassen Sie nicht den Untergang des Euro zu, auch wenn die Rettung innenpolitisch unpopulär wäre. Aber der Kollaps der Währungsunion verbunden mit einer weltweiten Depression, die sich diesmal nicht mehr wie 2008 durch hohe Staatsausgaben verhindern ließe, würde der CDU und ihrem Ruf noch viel mehr schaden.  

Bitte, EZB-Präsident Mario Draghi, sprechen Sie aus, was jeder vernünftige Ökonom heute weiß: dass der Widerstand gegen eine massive EZB-Intervention wirtschaftspolitischer Wahnsinn ist. Wenn Sie erklären, dass sie jetzt die Anleihen aufkaufen, also de facto die Druckerpresse anwerfen, aber weiterhin keine Inflation zulassen werden, dann werden Ihnen das die Märkte glauben.

Bitte, Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, hören Sie auf, sich über die Glaubwürdigkeit der EZB Sorgen zu machen, wenn diese Bank bald keine Währung mehr haben wird, für die sie verantwortlich ist. Natürlich könnte Deutschland zur D-Mark zurückkehren – oder einen Nord-Euro aus den Ruinen der Gemeinschaftswährung retten – aber der Preis wäre horrend.

Bitte, Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny, sprechen Sie laut aus, was Sie sich denken, brechen sie die Solidarität des Schweigens und fordern sie öffentlich eine Intervention der EZB. Vielleicht schließen sich daraufhin genügend andere Notenbanker an, um einen Umschwung auszulösen.

Bitte, Finanzministerin Maria Fekter, sie reden ja auch sonst so gerne Klartext. Distanzieren Sie sich von ihrem deutschen Kollegen Wolfgang Schäuble und kritisieren Sie offen die Berliner Politik. Österreich hat als traditionelles Hartwährungsland eine gewisse Glaubwürdigkeit in den Finanzmärkten. Auch ein Wort von Ihnen zugunsten einer EZB-Intervention könnte etwas nützen.

Wenn nichts passiert, wenn alles so weitergeht wie bisher, wenn von imaginären Vertragsänderungen geredet wird, die ohnehin nicht durchgehen werden, weil etwa die Iren dagegen stimmen, wenn die Renditen auf italienische Staatsanleihen auf über zehn Prozent klettern und die österreichischen auf über vier Prozent  - dann wird es den Euro bald nicht mehr geben, mit unabsehbaren wirtschaftlichen und politischen Folgen.

Dann ist vielleicht auch die EU am Ende. Dann hat der neueste "March of Folly“ sein Ziel erreicht. Bitte, wendet diesen Wahnsinn ab.

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