Ex-Olympus-Boss wittert neue Chance auf Chefsessel

26. November 2011, 12:56
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Nicht alle sehen Michael Woodford als geeigneten "Retter"

Michael Woodford hatte am Freitag seinen großen Tag. Auf den Tag genau sechs Wochen, nachdem der Olympus-Vorstand ihn handstreichartig vom Chef zum einfachen Vorstandsmitglied ohne Büro, Dienstauto und Gehalt degradiert hatte (und schließlich feuerte), strichen seine Gegner geschlossen die Segel.

Vorstand zum Rückzug bereit

Wie von Woodford gefordert, kündete der gesamte Konzernvorstand an, zu einem noch nicht genannten Zeitpunkt geschlossen zurücktreten zu wollen. Bereits am Donnerstag hatten die drei Hauptverdächtigen im größten Bilanzskandal der japanischen Nachkriegsgeschichte - Ex-Vorstandsvorsitzender Tsuyoshi Kikukawa, der frühere Vize-Präsidenten Hisashi Mori und Ex-Bilanzprüfer Hideo Yamada - nach ihren Ämtern auch ihre Vorstandsmandate abgeben.

Chefsessel frei

Damit wird in einem für Japan beispiellosen Machtkampf um die Konzernspitze wenigstens theoretisch der Weg für Woodford zurück in den Chefsessel frei. Dementsprechend redselig und gnädig gestimmt war Woodford, als er nach der Vorstandssitzung vor einer großen Reporterschar eine Selbstdarstellung vom Feinsten bot. "Die Sitzung ist überraschend konstruktiv gewesen", sagte der Brite, der seit 31 Jahren für Olympus in Großbritannien arbeitet. Wenn die Aktionäre ihn wollten, würde er gerne wieder die Firmenführung übernehmen.

Überzeugungsarbeit

Offen ist allerdings noch, ob es er die Anleger davon überzeugen kann, der richtige Mann für die Rettung des Traditionskonzerns zu sein. Olympus droht wie berichtet wegen Bilanztricksereien die Höchststrafe für eine börsennotierte Aktiengesellschaft: der Ausschluss vom Börsenhandel. Ein Untersuchungsausschuss hat dem Konzern bereits grundsätzlich nachgewiesen, für mindestens 1,5 Milliarden Dollar Firmen überteuert gekauft und grotesk überhöhte Beraterhonorare bezahlt zu haben, um versteckte Verluste aus Aktienbesitz heimlich abzuschreiben.

Kritik an Führungsstil

Woodford stellt sich nun als der selbstlose Aufklärer dar, der ohne Rücksicht auf seine Karriere dunkle Machenschaften aufgeklärt hat. Doch ihm schlägt auch harte Kritik an seinem ergebnisorientierten Führungsstil entgegen. Mitarbeiter in Japan werfen ihm vor, sich im Hauptquartier rargemacht zu haben. Auch soll er als Konzernchef die Feiern zum 92. Jahrestag des Unternehmens geschwänzt haben, nicht nur in Japan ein Affront. Deutsche Mitarbeiter bezeichnen ihn als hart, skrupellos und berechnend.

"Kein Problem mit der Belegschaft"

Doch Woodford wischte kritische Fragen in Tokio beiseite. Er habe mehr als 40 Prozent seiner Zeit in Japan verbracht, widerspricht er den Vorwürfen. "Ich glaube nicht, dass es ein Problem mit der Belegschaft geben wird", sagte Woodford, "ganz im Gegenteil". Die Schlammschlacht um die Konzernspitze ist eröffnet. (Martin Kölling aus Tokio, 26.11.2011)

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    Schaute nicht weg, sondern brachte den wohl größten Bilanzskandal der japanischen Nachkriegsgeschichte ins Rollen: Der geschasste Ex-Chef des Kameraherstellers Olympus, Michael Woodford.

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