Rekord-Blockade des Castor-Transports

27. November 2011, 19:41
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Polizei nahm 1300 Anti-Atom-Aktivisten in "Unterbindungsgewahrsam"

Gorleben - Berlin/Wien - Nach einer Rekord-Blockade am Wochenende konnte der Castor-Transport mit hoch radioaktivem Atommüll aus Frankreich erst am Sonntagnachmittag weiter durch Deutschland rollen.

Mit weiteren Verzögerungen war zu rechnen: Der Polizei gelang es nicht, alle Blockade-Aktionen auf der 60 Kilometer langen Schienenstrecke zwischen Lüneburg und der Umladestation Dannenberg zu beenden. An mindestens zwei weiteren Stellen hatten sich Anti-Atom-Demonstranten an die Gleise gekettet. "Da bei der Lösung dieser Blockaden die Sicherheit und Gesundheit der Protestler im Vordergrund steht, werden diese Maßnahmen noch einige Zeit dauern", hieß es bei der Polizei.

"Unterbindungsgewahrsam"

Zuvor mussten in einem unübersichtlichen Waldstück nahe Harlingen nach einer rund 15-stündigen Sitzblockade von rund 3000 Atomgegnern rund 1300 Personen von der Polizei vom Gleis getragen werden. Sie befinden sich seither in "Unterbindungsgewahrsam" in einer Sammelstelle unter freiem Himmel. Die Demonstranten kündigten Klagen gegen den Einsatz an.

Außerdem sammelten sich am Sonntag immer mehr Atomkraftgegner auch an der abschließenden 19 Kilometer langen Straßenstrecke ins Zwischenlager Gorleben.

Erstmals in der Geschichte könnte auch starker Wind das Umladen der Castor-Behälter von der Schiene auf Lastwagen in Dannenberg verzögern. Meteorologen sagten heftige Windböen voraus. Der Kran, mit dem die Castor-Behälter auf Lastwagen umgeladen werden, wird nur bis Windstärke 6 eingesetzt. Sollte diese Stärke überschritten werden, werde das Verladen der rund sechs Meter langen und 120 Tonnen schweren Behälter eingestellt, teilte der Zwischenlagerbetreiber, die Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS), mit. Je länger der Transport dauert, desto teurer wird er. Im Vorjahr musste Niedersachsen 36,5 Millionen Euro für den Castor-Transport bezahlen.

Auch die Umwelt- und Anti-Atom-Sprecherin der heimischen Grünen, Christiane Brunner, war bei den Protesten dabei. Sie fordert ein Atomstrom-Importverbot für Österreich. (red, DER STANDARD Printausgabe, 28.11.2011)

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    Acht Greenpeace-Mitglieder ketteten sich an die Gleise an.

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    Castor-Transport mit Atommüll nahe Saarbrücken

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    Nach Angaben von Augenzeugen setzte die Polizei Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Dabei habe es Verletzte gegeben.

  • Tausende Sitzaktivisten wurden von den Gleisen weggetragen
    foto: ep/charisius

    Tausende Sitzaktivisten wurden von den Gleisen weggetragen

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