Taskforce Black Friday

Blog | Solmaz Khorsand, 26. November 2011, 09:27
  • Trish Eugene (l.) und Patrick Drakes (m.) im Shoppingrausch - es ist Black Friday!
    foto: khorsand

    Trish Eugene (l.) und Patrick Drakes (m.) im Shoppingrausch - es ist Black Friday!

Die Schlacht um den letzten Mixer hat begonnen

Nach einem klassischem Thanksgiving Dinner, mit Preiselbeersauce, demütigenden Lebensevaluierungen und angewiderten Diskussionen um die amerikanische "Delikatesse" Turducken (Truthahn gefüllt mit Ente, gefüllt mit Hähnchen), mache ich mich auf dem Weg zu meiner nächsten Ur-Amerikanischen Erfahrung: Der Schnäppchenjagd am Black Friday.

Es ist der Tag nach Thanksgiving, an dem die Geschäfte schwarze Zahlen schreiben, wenn Millionen Amerikaner beim Ausverkauf zuschlagen. Begann Black Friday in der Regel erst in den frühen Morgenstunden am Freitag, startet er seit zwei Jahren bereits Donnerstagabend. Familien verbringen ihren Feiertag in den Warteschlangen von Wal-Mart und Macys um den ersehnten Laptop, Mixer oder Kaschmirpulli für einen Spottpreis zu ersteigern.

In der Green Acres Mall in Valley Stream, einem Außenbezirk von Queens, haben bereits Tausende Donnerstagabend vor dem Elektronikgiganten Best Buy Stellung bezogen.

Trish Eugene wartet seit 48 Stunden auf ihren 42 Zoll LCD-Fernseher. Der Deal ist unschlagbar. 200 Dollar für einen Fernseher, der im Normalfall 700 Dollar kostet. Gemeinsam mit zwei Freunden harrt die 30-jährige seit Mittwochabend vor dem Geschäft aus. Ein Zelt hat sie sich dafür zugelegt, ausschließlich für diesen Feiertag. „Du musst vorbereitet sein, wenn du hierherkommst. Und du brauchst ein Team, das dir den Rücken freihält. Alleine ist es verdammt hart", erklärt sie und schaut mich mitleidig an. Der Subtext ist klar: Du hast hier keine Chance Grünschnabel. Das hier ist ein Schlachtfeld. Fünf Jahre professionelle Schnäppchenjagd haben Eugene zur Veteranin im Black Friday Wahnsinn gemacht. Der Schlussverkauf hat seine eigenen Gesetze und verdammt sei der, der sie nicht verinnerlicht hat. Schon Tage vorher, gilt es sich eine Strategie zu überlegen. Die Angebote werden vorab genau studiert und die Läden mit dem Einkaufswagen im Testlauf abgewandert um die schnellste Route für den Tag X abzuschätzen. Danach heißt es warten.

Jede Warteschlange hat ihre ganz eigene Rangordnung. Es gibt die "Celebrities", wie Trish Eugene, die man beim Namen kennt und die angehimmelt werden weil sie die ersten in der Reihe sind. Dann gibt es die selbsternannten Sheriffs, die Vordrängler so lange öffentlich demütigen bis sich jene kleinlaut hinten anstellen. Und dann wären da noch die Dealer, die in wenigen Stunden einen Schwarzmarkt aufgestellt haben. Die Ware: Eine limitierte Zahl an Coupons, die vom Best Buy Personal an die Wartenden ausgeteilt wird. Nur wer ein derartiges Ticket besitzt, kann sich seines Fernsehers, seiner Kamera oder seines Laptops sicher sein. Im Flüsterton nähern sich die Dealer den glücklichen Besitzern und schwatzen ihnen ihre Coupons für bis zu 100 Dollar das Stück ab.

Black Friday als Festtag des Pöbels?


"Manche halten uns für Freaks", sagt Computerfachmann Patrick Drakes, Trish Eugenes Begleiter. Einige Leute sind an ihm vorbeigefahren und haben ihn als „Proleten" beschimpft, der sich für nichts zu Schade ist, bereit den heiligsten aller amerikanischen Feiertage für einen Fernseher zu opfern. Doch die Zeiten sind hart. Keiner will seine Kinder zu Weihnachten mit lahmen Geschenken überraschen. Da nimmt man die Warterei und das bißchen Geschubse in Kauf. Dass Black Friday weit darüber hinaus gehen kann, beweisen die Todesfälle in den vergangenen Jahren. Beim hiesigen Wal-Mart gleich um die Ecke, wurde 2008 ein Mitarbeiter zu Tode getrampelt. Zu wenig war man auf den Ansturm der Massen vorbereitet.

Dieses Jahr hat der Konzern 150 Sicherheitsleute in der Zweigstelle positioniert. Es ist ein angespanntes Team von Mitarbeitern, die aufgekratzte Einkäufer durch die Gänge lotsen und voreinander beschützen. Ab zehn Uhr abends werden die ersten Angebote frei gegeben, die Plastikfolien niedergerissen und die Ellbogen ausgefahren. „Das ist erst der Anfang", sagt Artell und schaut resigniert auf die Mütter, die lebensgroße Spielpuppen von den gegenüberliegenden Stapeln räumen.

Ein paar Gänge weiter versuchen seine Kollegen zwei Männer auseinander zur bringen, die sich um einen Grill streiten. Wie der Rest der Belegschaft wirkt auch Artell wie ein Helfer bei einem Katastropheneinsatz. Es graut ihm vor Mitternacht, dann wenn der Abverkauf für die Computer, die X-Box und die Kameras losgeht. „Dann bricht hier die Hölle aus", prognostiziert er düster. Auch für ihn ist es ein Schlachtfeld. Er bringt sich in Position für das letzte Gefecht. Solange es dieses Mal keine Gefallenen gibt, war es ein gutes Thanksgiving. (Solmaz Khorsand, derStandard.at, 26.11.2011)

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wenn man sich überlegt,

was Menschen bereit sind, auf sich zu nehmen, um sich etwas leisten zu können, was sie sich sonst nicht leisten können, und das von den Konzernen gefördert wird, dann ist das ein sehr schwarzes Bild, das da vor meinem gesitigen Auge entsteht. Und wenn man bedenkt, wie viele das sind...

Und bei uns ist das auch schon in Kommen. Man denke da nur an Media Markt mit seinen Angeboten von 6.00 - 9.00. Aber das ist ja nur der Anfang.

Black Friday have ich mir nur einmal live gegeben. Heuer hab ich Amazon verwendet. Bei Walmart kann's schon gefährlich werden. Interessant ist, wie die Körpergewichtsverteilung im Einzelhandel funktioniert. Bei Walmart ist das Übergewicht zuhause, da sieht man schon mal Leute, die im Walmart Elektrowagerl sitzen, weil sie kaum gehen können. Bei Whole Foods Market oder Trader Joe's (gehört dem Aldi Konzern) ist das Durchschnittsgewicht wesentlich niedriger, dafür die Prius-Dichte höher :)

Das black friday...

...Einkaufswochenende hat in den USA alle Rekorde gebrochen.

+16% gegenueber Vorjahr... 52 Milliarden $ Umsatz...

Waere wahrscheinlich nur eine Standard Meldung geworden wenns negativ gewesen waere...

der ziemliche Wahnsinn

Polizei im WalMart, blutüberströmtes Opfer
http://www.youtube.com/watch?v=ky4ysAIOsCg

Pfefferspray
http://www.youtube.com/watch?v=WwtUjPtkYJs

und so weiter ... eine Zivilisation in den letzten Zuckungen

Warum nicht einmal einen Turducken ausprobieren, speziell wenn man eine grosse Familie hat, klingt irgendwie ganz gut.

Die wahrscheinlich längste Warteschlange Amerikas habe ich gestern auf RT-News gesehen. Kilometerlange 3-er Reihe in Los Angeles. Mit einem gelben Crime-Plastikband zur Straße abgegrenzt. Da haben sogar die an Schlangestehen gewöhnten Russen gestaunt. Die Leute waren für ein Care-Paket angestellt.

"On Thanksgiving we celebrate what we have. On Black Friday we celebrate wanting more."

Familien verbringen ihren Feiertag in den Warteschlangen von Wal-Mart und Macys um den ersehnten Laptop, Mixer oder Kaschmirpulli für einen Spottpreis zu ersteigern.

Wilkommen in der Konsumhölle.

wann gibts endlich eine interessante story? afghanistan war spannender!

Turducken...? Pfff, lächerlich!

Hier ein wirklich beeindruckendes Rezept:

http://tinyurl.com/d2xkl8g

Unterschiedlich große Tiere in Schichten ineinander zu füllen ist ursprünglich eine Methode aus dem europäischen Mittelalter; in Europa geriet es in Vergessenheit, in den puritanischen Dörfern der ländlichen USA blieb es ein Festmahl für seltene Gelegenheiten.

Ich verstehe auch nicht ganz, warum der Autor (die Autorin?) da angewidert "Delikatesse" unter Anführungszeichen setzt.

OK, "die Autorin" wäre wohl richtig gewesen - sorry!

Vieles wird bestimmt auf Ebay weiterverkauft.

Obwohl das ganze mit dem Black Friday wirklich laecherliche zuege annimmt und ich selbst wieder absurde Szenen beobachtet hab, kann man eine Gegend wie "Valley Stream" und die "Green Acres Mall" mit dem dortigen Wal Mart jetzt wirklich nicht als das Aushaengeschild Amerikas bezeichnen.

Hab mich da auch etwas unverstaendlich ausgedrueck.
Was ich damit sagen wollte ist das die Autorin ein paar Extreme rauspickt und sich dann daraus eine Story bastelt so nach dem Motto: Ah schau, die dummen Amis....
Zugegebenermassen hab ich auch schon wirklich extrem dummes und seltsames erlebt und mit vielen Wahnsinnigen zu tun gehabt, in meinen 10 jahren hier in NY, jedoch darf man dabei nicht vergessen dass es sich dabei, obwohl es so viele sind, immer noch um eine minderheit handelt.
Meine Freunde und deren Familien zum beispiel, essen sicher keinen Turducken (oder so) und stehen auch nicht um 1 Uhr frueh beim Walmart in Valley Stream in der Schlange.

ja, es ist als würde man ein paar Waldschrate vorführen und dann schreiben "so ist Österreich".

Zumindest lerne ich jetzt nach >10 Jahren in USA aus dem Standard dass es "Turducken" gibt ;-)

Ich bezweifle, dass die Autorin die Gegend als Aushängeschild versteht oder sie dazu machen will.
Aber warum nicht die eigentliche nicht-schillernde Realität vieler US-AmerikanerInnen darstellen, als immer wieder die privilegierten Lebensumstände mancher zu propagieren ??

Schade, dass es hierzulande nur US-Sytstemgastronomie gibt

würde gerne mal einen Turkducken probieren -natürlich mit Cherry Coke :-)

Ein interessanter Einblick - um einiges abgeschwächt auch bei uns zu beobachten.

Wir sind doch allesamt

gehringewaschene Idioten.

das unterscheidet uns vom Affen.

"Wir sind doch allesamt gehringewaschene Idioten."

Das ist so ziemlich das Einzige, das man als gegeben annehmen kann.

sprich doch bitte nur für dich selbst ;)

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