Hubschrauber-Angriff auf Armee-Checkpoint an der Grenze zu Afghanistan - NATO und USA bedauern unbeabsichtigten Zwischenfall
Kabul - Nach einem Angriff von
NATO-Kampfhubschraubern auf einen pakistanischen Militärposten an der
Grenze zu Afghanistan hat Islamabad die USA zur Räumung eines
Luftwaffenstützpunkts aufgefordert. Wie der Sender CNN unter Berufung
auf eine Stellungnahme der pakistanischen Regierung vom Samstagabend
berichtete, sollen die USA die Flugbasis in Shamsi im Südwesten des
Landes innerhalb von 15 Tagen räumen. Von dort starten auch
US-Drohnen.
Krise der amerikanisch-pakistanischen Partnerschaft
Die USA bemühen sich unterdessen um Schadensbegrenzung.
Außenministerin Hillary Clinton und ihre pakistanische Kollegin Hina
Rabbani Khar telefonierten am Samstag, wie ein Vertreter des
US-Außenministeriums der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Außenministerin Khar übermittelte den USA das "tiefe Gefühl des
Zorns" ihres Landes. Der Angriff auf die pakistanischen
Soldaten sei "völlig untragbar", verletzte die Souveränität Pakistans
und verstoße gegen internationales Recht, sagte Khar am Sonntag laut
einer Mitteilung ihres Ministeriums in einem Telefongespräch mit
US-Außenministerin Hillary Clinton. Die Attacke laufe dem
"Fortschritt, den beide Länder bei der Verbesserung ihrer Beziehungen
erzielt haben", zuwider.
Ein weiterer hochrangiger Vertreter der US-Regierung sagte, man
habe die pakistanischen Kollegen in Islamabad, Kabul und Washington
kontaktiert und unterstrichen, dass die Vereinigten Staaten an einer
Zusammenarbeit interessiert seien, um herauszufinden, was genau
passiert sei. Außerdem hätten die US-Vertreter betont, dass sie zur
amerikanisch-pakistanischen Partnerschaft stünden, die den Interessen
beider Seiten diene.
NATO-Generalsekretär: "Unbeabsichtigter Zwischenfall"
NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat
den Angriff von NATO-Kampfhubschraubern auf einen pakistanischen
Militärposten mit 24 Toten als "tragischen, unbeabsichtigten
Zwischenfall" bedauert. Rasmussen versicherte am Sonntag in Brüssel,
die Untersuchung des Falls zu unterstützen, und sprach den Familien
der getöteten pakistanischen Soldaten sein "tiefstes Beileid" aus.
Untersuchung der Vorfälle
Die NATO hat eine eingehende Untersuchung des mutmaßlichen ISAF-Angriffs auf eine Stellung des pakistanischen Militärs an der Grenze zu Afghanistan zugesagt. Der Vorfall habe sein "höchstes persönliches Interesse", erklärte der US-General und ISAF-Chef John Allen am Samstag in einer kurzen Mitteilung. Er solle "gründlich" untersucht werden. Den Hinterbliebenen der Opfer sprach Allen sein Mitgefühl aus.
Nach neuen Angaben der pakistanischen Seite kamen bei dem Beschuss in der Stammesregion Khyber im Nordwesten Pakistans mindestens 26 Soldaten ums Leben. Seit dem Beginn des internationalen Militäreinsatzes in Afghanistan vor rund zehn Jahren waren noch nie mehr Menschen bei vergleichbaren Vorfällen getötet worden. Pakistans Regierungschef Yousuf Raza Gilani verurteilte den Angriff laut einer Mitteilung des Außenministeriums "scharf".
Die pakistanische Armee hatte nach dem Zwischenfall vom frühen Morgen von einem "grund- und wahllosen Angriff" gesprochen. Die Regierung in Islamabad stoppte nach Angaben lokaler Behördenvertreter die Nachschublieferungen für die NATO nach Afghanistan. Die Stammesregionen im Nordwesten Pakistans gelten als Hochburg und Rückzugsraum militanter Islamisten. Die USA fliegen immer wieder Drohnenangriffe auf Aufständische in der Region. (APA/AFP)