USA sollen Stützpunkt in Pakistan räumen

27. November 2011, 08:03
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Hubschrauber-Angriff auf Armee-Checkpoint an der Grenze zu Afghanistan - NATO und USA bedauern unbeabsichtigten Zwischenfall

Kabul - Nach einem Angriff von NATO-Kampfhubschraubern auf einen pakistanischen Militärposten an der Grenze zu Afghanistan hat Islamabad die USA zur Räumung eines Luftwaffenstützpunkts aufgefordert. Wie der Sender CNN unter Berufung auf eine Stellungnahme der pakistanischen Regierung vom Samstagabend berichtete, sollen die USA die Flugbasis in Shamsi im Südwesten des Landes innerhalb von 15 Tagen räumen. Von dort starten auch US-Drohnen.

Krise der amerikanisch-pakistanischen Partnerschaft

Die USA bemühen sich unterdessen um Schadensbegrenzung. Außenministerin Hillary Clinton und ihre pakistanische Kollegin Hina Rabbani Khar telefonierten am Samstag, wie ein Vertreter des US-Außenministeriums der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Außenministerin Khar übermittelte den USA das "tiefe Gefühl des Zorns" ihres Landes. Der Angriff auf die pakistanischen Soldaten sei "völlig untragbar", verletzte die Souveränität Pakistans und verstoße gegen internationales Recht, sagte Khar am Sonntag laut einer Mitteilung ihres Ministeriums in einem Telefongespräch mit US-Außenministerin Hillary Clinton. Die Attacke laufe dem "Fortschritt, den beide Länder bei der Verbesserung ihrer Beziehungen erzielt haben", zuwider.

Ein weiterer hochrangiger Vertreter der US-Regierung sagte, man habe die pakistanischen Kollegen in Islamabad, Kabul und Washington kontaktiert und unterstrichen, dass die Vereinigten Staaten an einer Zusammenarbeit interessiert seien, um herauszufinden, was genau passiert sei. Außerdem hätten die US-Vertreter betont, dass sie zur amerikanisch-pakistanischen Partnerschaft stünden, die den Interessen beider Seiten diene.

NATO-Generalsekretär: "Unbeabsichtigter Zwischenfall"

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat den Angriff von NATO-Kampfhubschraubern auf einen pakistanischen Militärposten mit 24 Toten als "tragischen, unbeabsichtigten Zwischenfall" bedauert. Rasmussen versicherte am Sonntag in Brüssel, die Untersuchung des Falls zu unterstützen, und sprach den Familien der getöteten pakistanischen Soldaten sein "tiefstes Beileid" aus.

Untersuchung der Vorfälle

Die NATO hat eine eingehende Untersuchung des mutmaßlichen ISAF-Angriffs auf eine Stellung des pakistanischen Militärs an der Grenze zu Afghanistan zugesagt. Der Vorfall habe sein "höchstes persönliches Interesse", erklärte der US-General und ISAF-Chef John Allen am Samstag in einer kurzen Mitteilung. Er solle "gründlich" untersucht werden. Den Hinterbliebenen der Opfer sprach Allen sein Mitgefühl aus.

Nach neuen Angaben der pakistanischen Seite kamen bei dem Beschuss in der Stammesregion Khyber im Nordwesten Pakistans mindestens 26 Soldaten ums Leben. Seit dem Beginn des internationalen Militäreinsatzes in Afghanistan vor rund zehn Jahren waren noch nie mehr Menschen bei vergleichbaren Vorfällen getötet worden. Pakistans Regierungschef Yousuf Raza Gilani verurteilte den Angriff laut einer Mitteilung des Außenministeriums "scharf".

Die pakistanische Armee hatte nach dem Zwischenfall vom frühen Morgen von einem "grund- und wahllosen Angriff" gesprochen. Die Regierung in Islamabad stoppte nach Angaben lokaler Behördenvertreter die Nachschublieferungen für die NATO nach Afghanistan. Die Stammesregionen im Nordwesten Pakistans gelten als Hochburg und Rückzugsraum militanter Islamisten. Die USA fliegen immer wieder Drohnenangriffe auf Aufständische in der Region. (APA/AFP)

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    Die pakistanische Armee beim Begräbnis der erschossenen Grenzsoldaten

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    Demonstrationen in Pakistan gegen die Angriffe der NATO und USA.

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    Pakistanische paramilitärische Truppen auf Patrouille in Peshawar nahe der Grenze zu Afghanistan.

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    Die Grenze zu Afghanistan wurde nach dem Vorfall geschlossen, zahlreiche Lastwagen, unter anderem mit Nachschub für die Nato-Truppen, wurden aufgehalten.

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