Erste Herren-Speedrennen in Kanada als Lotterie

26. November 2011, 11:41
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Neuschnee und Wind im Training von Lake Louise - Österreichs verjüngte Truppe mannschaftlich stark und mit Siegchancen

Lake Louise – Nichts hassen Sportler so sehr wenn sie nicht wissen, was im Wettkampf auf sie zukommt. Auch die schnellsten Herren auf zwei Alpinski standen beim Speed-Auftakt in Lake Louise vor einer Lotterie. Erstes Training abgesagt, zweites bei Neuschnee, drittes bei Wind gefahren, da blieb viel Fantasie für Abfahrt (Samstag/19.30 Uhr) und den Super-G (19.00) am Sonntag. Papierfavorit für die Abfahrt war nach den Trainings-Platzierungen zwei und eins der Franzose Adrien Theaux.

Aber auch die jungen Österreicher fuhren eindrucksvoll, allen voran Romed Baumann mit den Plätzen eins und fünf. "Wenn du bei zwei Trainings mit Fragezeichen vorne dabei bist, kannst auch in einem Rennen ohne Fragezeichen vorne dabei sein", gab sich der 25-jährige Tiroler prompt forsch.

An sich hätte der Schweizer Didier Cuche Topfavorit für die erste Abfahrt ohne den zurückgetretenen Michael Walchhofer sein sollen. Der Abfahrts-Weltcupsieger und Vizeweltmeister wirkte nach zwei verpatzten Trainings aber eher unsicher. "Wenn es auch im Rennen Wind hat, brauche ich viel Glück", sagte der 37-Jährige. Abfahrts-Weltmeister Erik Guay (CAN) zeigte zumindest ein Mal stark auf, Super-G-Weltmeister Christoph Innerhofer (ITA) stürzt hingegen derzeit mehr als dass er schnell fährt.

Auffallend war die mannschaftliche Geschlossenheit von Österreichs zwangsverjüngter Abfahrtstruppe. Auch abseits von Baumann ("Ich hab noch was im Ärmel, aber es wird wie immer hier ein besonders enges Rennen") gefielen die Jungen. Allen voran Joachim Puchner.

"Training und Rennen sind zwei Paar Schuhe. Meine Hausaufgaben muss ich im Rennen machen", sagte der Salzburger nach den Plätzen sechs und vier. "Jetzt heißt es alles auf eine Karte setzen und zeigen, was wir drauf haben", gab sich auch der 24-Jährige zuversichtlich.

Auch Puchner befürchtet allerdings für das Wochenende eine Wind-Lotterie. "Deshalb hoffe ich auf ein faires Rennen und darauf, dass nur die Leistung zählt." Das erste Rennen sei immer besonders. "Keiner weiß, wo er steht. Da ist die nervliche Anspannung einzigartig. Gleichzeitig ist es aber auch ein geiles Gefühl weil es endlich los geht."

Neo-Teamleader Klaus Kröll (31) hatte für die beiden Speedrennen die gleichen Sorgen wie seine Kollegen. "Ich hoffe wirklich auf faire Bedingungen, sonst können wir gleich Kartenspielen und brauchen hier nicht runterfahren", sagte der Steirer, der als einziger Sieger im rot-weiß-roten Abfahrtsteam Österreichs heißestes Eisen war. "Wenn ich's gscheit runterbringe, fahr ich um den Sieg mit", versprach er schon vor der Abfahrt. "Ich möchte auf der Amerika-Tour endlich mal aufs Stockerl fahren, am besten gleich hier jetzt."

Benjamin Raich entschloss sich im letzten Moment, auch die Abfahrt als erstes Speedrennen nach der Verletzung zu bestreiten. "Ich habe ja sonst nichts zu tun", scherzte der Tiroler, der aber natürlich eher am Sonntag zusammen mit Hannes Reichelt Österreichs Hoffnungen im Super-G trägt. Georg Streitberger ist wohl noch nicht ganz so weit, um an seine im Vorjahr bis zum Sturz gezeigten Top-Leistungen anzuschließen. (APA)

Trainingsergebnis: 1. Adrien Theaux (FRA) 1:50,25 Min. – 2. Erik Guay (CAN) + 0,07 – 3. Hans Olsson (SWE) 0,42 – 4. Joachim Puchner (AUT) 0,62 – 5. Romed Baumann (AUT) 0,67 – 6. Max Franz (AUT) 0,72 – 7. Aksel Lund Svindal (NOR) 0,76 – 8. Travis Ganong (USA) 0,81 – 9. Hannes Reichelt (AUT) 0,86 – 10. Beat Feuz (SUI) 0,93 – 11. Manuel Kramer (AUT) 1,01 – 12. Johannes Kröll (AUT) 1,17 – 26. Klaus Kröll (AUT) 1,73 – 32. Didier Cuche (SUI) 2,08 – 41. Matthias Mayer (AUT) 2,39 – 47. Bernhard Graf (AUT) 2,57 – 57. Georg Streitberger (AUT) 2,95 – 61. Otmar Striedinger (AUT) 3,12 – 62. Benjamin Raich (AUT) 3,15

ÖSV-Team für Lake Louise:

Abfahrt: Klaus Kröll, Romed Baumann, Georg Streitberger, Joachim Puchner, Hannes Reichelt, Benjamin Raich, Matthias Mayer, Max Franz, Manuel Kramer und Johannes Kröll

Super-G: Klaus Kröll, Romed Baumann, Georg Streitberger, Joachim Puchner, Hannes Reichelt, Benjamin Raich, Matthias Mayer, Max Franz, Bernhard Graf und Otmar Striedinger

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