Griechenland will Banken stärker zur Kasse bitten

25. November 2011, 20:14
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Hoch verschuldetes Land will Erleichterungen von 75 Prozent - Banken wollen aber nur etwas mehr als 50 Prozent Belastung akzeptieren

London/Athen - Griechenland will die privaten Gläubiger Finanzkreisen zufolge noch stärker zur Kasse bitten als bisher angenommen. Das hoch verschuldete Land fordert in den Gesprächen mit den Investoren Erleichterungen um 75 Prozent, wie mehrere mit den Verhandlungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag sagten. Die Banken seien bisher aber nur bereit, Belastungen von etwas mehr als 50 Prozent zu akzeptieren. "Die Frontlinien sind damit klar gezogen", sagte ein Insider.

Insgesamt liegen gut 200 Mrd. Euro an griechischen Staatsanleihen in den Händen privater Gläubiger, wie Banken, Versicherungen und Hedgefonds. Diese Schulden sollen nach der kürzlich getroffenen Vereinbarung des Weltbankenverbands IIF mit den europäischen Regierungen um die Hälfte erlassen werden, um Griechenland vor der Pleite zu bewahren. Das soll auf dem Wege eines Anleihe-Umtauschs passieren: Um dabei die tatsächlichen Belastungen für die Investoren zu ermitteln, spielen neben der Kürzung des Nennwerts unter anderem der Kupon und die Laufzeiten der neuen Bonds eine Rolle. Wenn die neuen Anleihen länger laufen und einen geringeren Zinskupon haben, steigen die Abschreibungen, die die Institute vornehmen müssen. Die meisten Banken haben die griechischen Anleihen mittlerweile auf Marktwert, sprich um mehr als 60 Prozent abgeschrieben.

Trotz wochenlanger Verhandlungen mit dem IIF liegt noch immer kein konkretes Umtauschangebot vor. Daher will die neue griechische Regierung jetzt direkt mit den einzelnen Banken verhandeln, wie mehrere mit den Gesprächen vertraute Personen sagten. Es wüchsen die Zweifel, dass der Verband eine ausreichend große Zahl von Banken für den Umtausch gewinnen könne. Daher wolle Griechenland nun direkt bei den Instituten die Stimmung ausloten.

Insider erwarten, dass das Land die Gläubiger letztlich indirekt zu einer Teilnahme zwingen dürfte. Denn die alten Papiere sind nach griechischem Recht ausgestellt: Dieses sieht vor, dass die Regierung nachträglich die Konditionen ändern darf. Es sei zu erwarten, dass das Land die Bedingungen der alten Bonds an die der neuen Papiere anpasse. Daher rechnen Marktteilnehmer mit einer recht hohen Annahmequote: "Es gibt nicht viele Alternativen. Wenn ich ein Investor bin, muss ich wohl einsehen, dass ich allmählich die Verluste realisieren sollte, denn viel mehr Geld fließt aus Europa nicht mehr in das Land", sagte ein Insider. Die Beteiligung der privaten Gläubiger ist Teil des neuen mehr als 100 Mrd. Euro dicken Hilfspakets für Griechenland. (APA/Reuters)

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