"2014 wird das entscheidende Jahr"

Reportage | 26. November 2011, 12:06

Die Amerikaner sehen es als ihr "Vermächtnis" an, die afghanischen Truppen gut ausgebildet zurückzulassen

Die Afghanen fürchten indes bereits jetzt, dass der US-Teilabzug 2014 die Taliban noch stärker machen könnte.

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Wer den Fehler macht, durch die Stadt rasende, vermummte Antiterroreinheiten zu fotografieren, lernt schnell, wie nervös afghanische Sicherheitskräfte sind: Ohne Diskussion müssen alle Bilder auf der Kamera gelöscht werden.

Ein ganz normaler Tag in Kabul. Es sind fast nur Regierungstruppen zu sehen. Nur vereinzelt rollen noch schwerbewaffnete US-Konvois durch die Straßen. Seit 2009 sind die Afghanen selbst für die Sicherheit in der Stadt verantwortlich, aber die Lage wird zusehends schlechter. Nach den jüngsten Attacken der Taliban gilt die Hauptstadt als nicht mehr sicher.

Dennoch ist der militärische Abzug der Amerikaner bereits voll im Gange. Präsident Barack Obama hat angekündigt, die meisten Kampftruppen bis 2014 aus dem Land abzuziehen. In acht afghanischen Provinzen hat die Nato die Verantwortung für die Sicherheit an die afghanische Armee abgegeben. Weitere Provinzen sollen folgen. Die kürzlich abgehaltene Loya Jirga hat mehrheitlich für den Verbleib von US-Basen und Truppen über 2014 hinaus gestimmt. Präsident Hamid Karzai betont, dass der kriegsmüde Westen nicht für alle Ewigkeit Afghanistans Institutionen stützen werde. Doch die afghanischen Streitkräfte haben noch einen langen Weg vor sich, um eine schlagkräftige Truppe zu werden.

Für Joseph Buccino (37) ist ausschlaggebend, wie unabhängig die afghanische Armee tatsächlich operieren kann. Er ist Major der 172. Brigade der US-Army und stationiert in einer der gefährlichsten Gegenden des Landes, der Paktika-Provinz im Südosten. Er spricht von der "Afghanisierung des Konflikts" , die Sicherheitskräfte müssten fähig sein, den Gegner ohne fremde Unterstützung zu besiegen und das Terrain zu halten. "Unser wahres Vermächtnis wird dadurch definiert, wie gut ausgebildet wir die afghanischen Truppen zurücklassen" , erklärt der Major. Im Moment hätte die US-Armee durch Truppenaufstockungen die Oberhand. Was nach dem Abzug passieren wird, will der stämmige Offizier aus New York nicht prognostizieren.

Das Ziel ist, die afghanische Armee bis 2014 auf eine Kampfstärke von 250.000 Soldaten zu bringen. Die Kosten dafür beliefen sich von 2009 bis 2011 auf mehr als 20 Milliarden US-Dollar (15 Mrd. Euro). Bei einem jährlichen BIP von 27 Mrd. Dollar wird deutlich, dass sich Kabul eine solche Armee nur durch massive ausländische Hilfe wird leisten können. Der in wenigen Wochen stattfindenden Geberkonferenz in Bonn misst man daher große Bedeutung zu. Kabul hofft auf die Spendierfreudigkeit der 91 Teilnehmerstaaten.

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Die größte Herausforderung für die afghanische Armee ist der Nachbar Pakistan. Laut Hekmat Karzai, dem Cousin des Präsidenten und Leiter des Zentrums für Konflikt und Friedensforschung in Kabul, hat der Westen viel zu lange die Gefahr aus Pakistan ignoriert: "Wir warnten die Amerikaner bereits vor Jahren davor, dass sich die Taliban dort regruppieren. Wir wurden ignoriert!" Jetzt versuchen Briten und Amerikaner das politische Patt durch gezielte Tötungen der Talibanführung militärisch zu brechen.

Für Karzai ist die politische Komponente der gerühmten US-Auftstandsbekämpfung ein Lippenbekenntnis: "80Prozent der westlichen Bemühungen im Land sind militärisch, 20Prozent politisch. Es sollte genau umgekehrt sein" , sagt er dem Standard. Aber trotz seiner Kritik zeigt auch er sich besorgt über den Truppenabzug: "Der politische Prozess in der Friedensjirga könnte dadurch kollabieren, der Rückzug radikalere Elemente in der Taliban-Führung stärken." Lange Befürworter des Abzugs, ist Karzai nun vorsichtiger geworden: "2014 wird das entscheidende Jahr werden. Sollte Afghanistan bis dahin nicht auf eigenen Beinen stehen, wird vieles, was wir in den letzten zehn Jahren erreicht haben, wieder verlorengehen." (Franz-Stefan Gady aus Kabul/DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.2011)

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Phoenixx
 
00

Niemand kann mit Gewalt ein Land befrieden.
Wenn man sieht wie arm diese Leute dort sind, und teilweise nicht mal Strom in ihren Lehmhütten haben, Korruption grassiert und keinerlei Perspektiven für Lebensverbesserungen bestehen, dann ist der Status Quo kein Wunder - Solange diese Leute keine Verbesserung Ihrer Lebensumstände erfahren wird sich nichts ändern. Die Milliarden für Waffen und Krieg sollten (und hätten bis dato) in Infrastruktur, Arbeitsplätze und Schulen etc. investiert werden.

Adam Markus
00
27.11.2011, 15:52

Angesichts dessen, was ich über den Zustand der afghanischen Armee gelesen habe gebe ich denen 3 Monate nach Abzug der Amerikaner.

Wirklich schade ist, dasss die westlichen Staaten es nicht geschafft haben und auch kein interesse daran hatten aus Afghanistan ein friedliches Land zu machen. Ganz im Gegenteil haben sie mit ihrer Politik die Menschen in die Arme der Taliban getrieben.

Die dürfen dann bakd wieder ihre Schreckensherrschaft errichten und ein blutiges Regime installieren.

Cayenne69
00
27.11.2011, 11:51

am besten wärs wohl das land unter den stämmen aufzuteilen, ein land namens afghanistan existiert so oder so nicht aus mangel an einheit...

zimbo
 
00
27.11.2011, 15:19
Das ist auch den Leuten dort wurscht, aber sie brauchen die Selbstbestimmung und die Regelung über die Loya Jirga.

Afghanistan, wenn sie so wollen war in seinen Grenzen immer ein waberndes Gebiet der Grenzen seiner Stammesfürsten.

jürgen schmid
14
27.11.2011, 10:55
Zur Erinnerung

Auslöser des Afghanistankriegs war 9/11!
Vor dem amerikanischen Eingreifen: so ziemlich die gruseligste Barbarebclique (zerstörung antiker buddhafiguren, brutalste unterdrückung der Frauen) an der Macht.
Zentrale der Al Kaida in Afghanistan
Nur so zur Erinnerung für die Poster mit Alzheimer und die Anti Ami Eiferer

Funk1
42
27.11.2011, 09:39
eine geordnete machtübergabe an die taliban

wäre wohl das beste

zimbo
 
00
27.11.2011, 15:51
Scholl-Latour lesen oder Youtube schauen.

Die Talibs sind eine der über 100 Gruppen, die ihr Land befreien wollen.

jürgen schmid
12
27.11.2011, 10:48
Für wen?

Für die Frauen in Afghanistan sicher nicht!

Roter Baron
00
27.11.2011, 10:03

yep
das land wird wieder im chaos versinken

Funk1
10
27.11.2011, 12:25
taliban bedeuten stabilität

klaus dona
01
27.11.2011, 04:32
Heroin

Was wollen die Amis in Afghanistan? Was hat eine größere Gewinnspanne?

zimbo
 
00
27.11.2011, 15:26
Rohstoffreich, Drogen, strategisch interessant, Kassa der Kriegsgewinnler, billige Nuxxten für die Soldaten,

sollen aber nun eher verschleppte ChinesInnen sein.

Grosse I für die Warmen.

Deserteur
33
26.11.2011, 23:19
Unrechtsbewusstsein und militärische Hemmschwellen der USA nähern sich immer mehr dem Niveau autoritär regierter Staaten.

zimbo
 
00
27.11.2011, 15:28
Da lach ich,

wie solls noch autoritärer werden.

auch im eigenen Land:

http://www.elo-forum.net/archiv.ph... 30696.html

Bitte Augen öffnen !!!

Deserteur
12
26.11.2011, 23:04
Ohnehin die Hälfte der "afghanischen Armee" sind heimliche Taliban-Sympathisanten, die nur am Sold interessiert sind und die Armee ausspionieren...

Wenn aber die USA genügend Giftgas, Streubomben und Drohnen zurücklassen, wird die Armee sicher einige Zeit die Oberhand behalten...

Fingerzeig
51
26.11.2011, 21:46

*Lach*
2014 wird es weder Afghanistan noch die USA in der heutigen Form geben, und dieser "Konflikt" wird uninteressant sein.

sez. Wutbürger @ Block West
01
27.11.2011, 09:20

achja, 2012 geht ja die Welt unter.

Phoenixx
 
00

2012 geht NICHT die Welt unter - sondern nur die jetzig bekannte Weltordnung (Zeitpunkt aber unbekannt) - man beachte den Unterschied!

Fingerzeig
00
1.12.2011, 16:08

Nein, das nicht - zumindest nicht so brachial in der apokalyptischen Version, die sie zu meinen scheinen.
Aber für Anhänger des derzeitigen Zinskapitalismus mag ihr Satz akzeptabel erscheinen für das zu erwartende Szenario.

der schwitzbär der schwitzt sehr
22
26.11.2011, 21:27
toi toi toi den Afghanen

Vietnam hat es auch geschafft

Georg Schütt
00
27.11.2011, 16:23
Welches Vietnam?

Das kommunistische Nordvietnam?

Oder das westlich orientierte Republik Südvietnam?

Jay Trifun
03
26.11.2011, 21:17
Megamind

...ist hier wohl als Ratgeber zur Seite gestanden.

zerstören...okkupieren...ausbilden...aufbauen...freilassen...zerstören...okkupieren...ausbilden...aufbauen...freilassen...zerstören...okkupieren...ausbilden...aufbauen...freilassen.

Seria
00
26.11.2011, 20:36

US Humor ist immer gefragt, besonders bei Völkern, die ihn gar nicht verstehen und eigentlich nur in ihrer eigenen Welt Leben wollen und nicht mit gebräuchen des sündigen Westens

Biene Mayer
14
26.11.2011, 19:27

Die Mohnanbauflächen werden die amerikanischen Friedensengel schon weiterhin vergrößern und "beschützen", da mach ich mir keine Sorgen. Nur zum Wohle afghanischer Bauern versteht sich...

http://www.seite3.ch/USA+Afgha... etail.html

BärBruno2
31
26.11.2011, 21:15
@ Biene Meyer

Es liegt doch völlig auf der Hand dass die Amis den Mohnanbau noch fördern bzw. ihre eigenen Schmerzmittelbestände auf jahrzehnte aufrüsten.Dies ist aber nur einer von vielen Gründen, das Opium landet in pakist.Heroinlabors und dieses wird zur Destabilisierung der gesamten Kaukasusstaaten,Rußland und auch China benutzt wo massive Drogenprobleme incl. Aids bestehen.
Man setzt also Heroin als polit.Waffe ein um die Jugend zu destabilisieren, denn aus einem Junkie wird kein volltüchtiger Soldat mehr.
Selbst bei deutschen Unternehmen- einer Wäscherei in Düsseldorf die für Soldaten Wäsche reinigt wurden schon kiloweise Heroin gefunden, geschweige wie sich andere dort bedienen. Ich schätze mal den Drogenkonsum der Soldaten wie in Vietnam ein.

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