Ausländische Banken in Russland unter Druck

25. November 2011, 19:30
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Russische Zentralbank fürchtet Kapitalabfluss durch Finanzkrise in Europa

Moskau - Die russische Zentralbank kennt keine Verwandten: Der Regulator des Finanzsystems warnt die russischen Töchter ausländischer Banken vor einer Finanzierung ihrer Muttergesellschaften. Die Krise in Europa könne das Bankensystem in Russland ins Wanken bringen, so die Befürchtung.

Die Warnung ist eindeutig: Vertreter der Zentralbank haben sich zuletzt mehrfach inoffiziell mit Managern ausländischer Kreditinstitute in Russland getroffen, um deren Aktivität im Ausland zu drosseln. In einem Bericht der Tageszeitung Kommersant werden explizit UniCredit, Raiffeisenbank, Rosbank und Citybank genannt. "Meinen Kollegen in einer Tochterfiliale einer großen europäischen Bank wurde nachdrücklich empfohlen, die Aktivität bei der Kreditvergabe an das Mutterhaus zu senken", zitiert das Blatt einen beteiligten Bankier.

Tatsächlich wachsen die Auslandsaktiva dieser Banken rasant. Im Oktober sind zehn Milliarden Euro ins Ausland abgeflossen. So hat die russische Raiffeisenbank ihre Auslandskredite in einem Monat um 22,7 Prozent auf rund zwei Milliarden Euro aufgestockt.

UniCredit verzeichnet im Oktober zwar einen Rückgang von 21,4 Prozent. Mit einem Portfolio von 6,6 Milliarden Euro ist die Bank dennoch einsamer Spitzenreiter, vor allem weil sie im dritten Quartal eigenen Angaben nach vier Milliarden Euro an Krediten ins Ausland vergeben hat, einen Großteil davon an die in Bedrängnis geratene italienische Mutter.

Dass es sich um Hilfsleistungen handelt, bestreitet das Kreditinstitut allerdings. In einer Stellungnahme von UniCredit heißt es, die Bank habe überschüssige Liquidität anlegen müssen. Der bequemste Weg sei dazu über die eigene Gruppe gewählt worden. In Russland hat UniCredit in den ersten neun Monaten einen Gewinn von 337 Millionen Euro erzielt.

"Es ist überhaupt nichts Außergewöhnliches, dass Filialen auch Geld bei ihrem Mutterhaus parken", sagte dem Standard anonym der Top-Manager einer europäischen Bank in Russland. Wenn dieser Kapitalabfluss die Stabilität des russischen Bankensystems erschüttere, dann habe die Zentralbank allerdings das Recht einzugreifen, widerspricht ebenfalls anonym ein Vertreter der staatlichen VTB.

Breites Arsenal an Waffen

Seinen Angaben nach ist das Vorgehen der Zentralbank sehr effizient. Die Mahnungen genügen in der Regel, ansonsten habe die Zentralbank ein breites Arsenal an Waffen zur Verfügung, um die weitere Kreditvergabe der Banken ins Ausland einzuschränken - bis hin zum Lizenzentzug, warnt er.

Das Stoppschild der Zentralbank macht es Europas Banken wie UniCredit oder auch der Commerzbank künftig wohl schwerer, Kapitallöcher mit den Gewinnen von Tochterfilialen zu stopfen. (André Ballin, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 26.11/27.11.2011)

  • UniCredit-Chef Federico Ghizzoni.
    foto: epa/von erichsen

    UniCredit-Chef Federico Ghizzoni.

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