Korneuburgs verworfene Werftpläne

25. November 2011, 19:29
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Die "Freunde historischer Schiffe" hatten Großes vor - Doch es kam zu Konflikten - intern und mit der Stadt - Die Projektidee ist verpufft

Korneuburg/Wien - Eine Werft, die Geschichte wieder aufleben lassen und Korneuburg zum beliebten Ausflugsziel machen sollte. Das war der Plan. Dampfende Dinosaurier der Schifffahrt hätten mit Schautafeln präsentiert und das Gelände inklusive der denkmalgeschützten Halle in neuem Glanz erstrahlen sollen.

Wenn Herbert Klein, Präsident des Vereins "Freunde historischer Schiffe" (FHS), über das Konzept für die Museumswerft Korneuburg spricht, ist er kaum zu bremsen. Dabei sind die Pläne vorerst mal ins Wasser gefallen. Und das, obwohl die Idee Korneuburgs Bürgermeister Christian Gepp (VP) einmal sehr zugesagt hat, wie dieser selbst sagt. Spricht man Gepp darauf an, seufzt er erst einmal auf. "Seit acht Jahren gibt es das Projekt von der Museumswerft und seither ist so gut wie nichts passiert", sagt er. Der Grund: interne Kämpfe im Verein.

Die Ursprungsidee stammte von einem früheren FHS-Präsidenten, Hubert Giracek - "Kapitän Giracek", sagen viele. Inzwischen ist er aus dem FHS ausgetreten, sein Werftkonzept hat er in den Hinterkopf verräumt. Das Projekt von der Museumswerft sei ihm, der als 15-Jähriger als Schiffsjunge zur Seefahrt kam, sehr am Herzen gelegen, sagt Giracek. Doch ihm sei übel mitgespielt worden. "Die Idee wurde auf dem Altar der Eitelkeiten geopfert", meint er.

Bald werden auch die historischen Schiffe von FHS-Mitgliedern, die derzeit in einem Werftarm liegen, Korneuburg "Schiff ahoi" sagen müssen. Bis 30. November ist der Liegeplatz laut Bescheid zu räumen. Bedingung für eine Liegeerlaubnis wäre gewesen, dass der Verein zwei Poller aufstellen und an der Uferbefestigung eine Lücke mit Beton auffüllen lässt. Der Stadtentwicklungsfonds Korneuburg, zuständig für die Liegerechte, forderte dies vom FHS ein, da Mitglieder den Standplatz so günstig hätten mieten dürfen. Doch nichts geschah.

Klein sagt, der Verein sei handlungsbereit gewesen, man habe ihm aber plötzlich untersagt, die Arbeiten zu machen. Roland Raunig vom Stadtentwicklungsfonds stellt es anders dar. Der FHS habe kurz vor Fristende angekündigt, die Instandsetzung ganz in Eigenregie erledigen. Das habe man unterbinden müssen.

Für Bürgermeister Gepp steht diese Episode mit den Pollern symbolisch für das Handeln des Vereins. Eine Basis für eine vertiefende Zusammenarbeit sei das nicht. Was aus dem 16 Hektar umfassenden Werftgelände wird, werde man in Ruhe überlegen, sagt Raunig. Eilig scheinen es weder er noch der Ortschef zu haben. (Gudrun Springer/DER STANDARD, Printausgabe, 26./27.11.2011)

  • Die Vereinsmitglieder der "Freunde historischer Schiffe" in Korneuburg 
müssen ihre Schiffe bis 30. November in ein neues Zuhause übersiedeln, 
weil Instandhaltungsarbeiten nicht erledigt wurden.
    foto: der standard/freunde historischer schiffe

    Die Vereinsmitglieder der "Freunde historischer Schiffe" in Korneuburg müssen ihre Schiffe bis 30. November in ein neues Zuhause übersiedeln, weil Instandhaltungsarbeiten nicht erledigt wurden.

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