Ex-Manager habe gewarnt

Ex-Gelddrucker bringt Aufsichtsrat unter Druck

Renate Graber, 25. November 2011, 18:28
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    foto: apa/pfarrhofer

    Aufsichtsratsprotokolle erhellen, dass in der OeBS einiges schief lief, Diebstahl inbegriffen.

Der Ex-Technikchef will den Aufsichtsratspräsidenten der OeBS im Juli von Ungereimtheiten und den Steuerproblemen informiert haben

Wien - Das Thema Provisionen bzw. der Verdacht auf Schmiergeldzahlungen zwecks Geschäftsakquisition ist der Kern der strafrechtlichen Ermittlungen gegen (Ex-)Manager der Banknotendruckerei OeBS. Die Frage ist, wer von Schmiergeldern wusste; geflossen ist das Geld zuletzt über die panamesische Gesellschaft Venkoy.

Im Aufsichtsrat der 100-prozentigen Nationalbanktochter hat das Provisionsthema immer eine Rolle gespielt. Schon im Dezember 2007 berichtete OeBS-Chef Michael Wolf (heute Beschuldigter) vom neuen Auftrag aus Syrien: 550 Mio. Banknoten, 36 Monate Zeit für Produktion und Lieferung. Die Rede kam auf Aserbaidschan, Wolf bezifferte die Provision auf "rund drei Mio. Euro". Die Frage von Aufsichtsrat-Vizepräsident, OeNB-Direktor Peter Zöllner, nach dem Empfänger beantwortete Wolf vage: "Ein Agent, der das Geschäft angebahnt hat". Zöllners Nachfrage, "ob das Probleme für die OeBS aufwerfen könnte, ähnlich jenen von Siemens?", verneinte der (derzeit inhaftierte) Technikchef Johannes Miller.

Drei Monate und eine Prüfung durch die Konzernrevision später, "gratulierte Aufsichtsratschef Wolfgang Duchatczek zum Jahresergebnis 2007" und schlug laut Protokoll vor, den Geschäftsführern eine Prämie zu zahlen. Die wurde dann auch beschlossen. Von den Geldwäscheuntersuchungen, die kurz zuvor stattgefunden hatten, wurde kein Wort berichtet. Die erfragte Aufsichtsrat Zöllner, der Infos erhalten hatte, "dass es Prüfungen zu Provisionszahlungen" gegeben habe. Technikchef Miller bestätigte das.

Ein Spielchen, das beibehalten wurde. Im Dezember 2008 erkundigte sich (Neo-)Aufsichtsrat Ewald Nowotny nach Empfänger und Provisionshöhe für Aserbaidschan. Wolf: "Ein Vertreter in der Schweiz, rund 20 Prozent." (Es war aber der Briefkasten Venkoy.)

Was die "Werthaltigkeit der Fremdbanknotenaufträge" (die für die Auslastung der OeBS unabdingbar sind) betraf, machte sich Duchatczek langsam Sorgen. Trotzdem setzte man weiter auf Aserbaidschan, der Aufsichtsratschef "fordert die Geschäftsleitung auf, Akquisitionstätigkeiten einzuleiten, damit 2011 und 2012 ausgelastet werden können."

Dabei bescherten die Provisionen der OeBS damals schon heftige Probleme. Laut Bericht von Ende 2009 hatte ein Ex-OeBS-Mitarbeiter 2006 an der Geschäftsführung vorbei Provisionsverträge mit einer syrischen Gesellschaft geschlossen. Die machte nun Ansprüche gegen die OeBS geltend, obwohl längst "Venkoy den aktuellen Vertrag für Syrien abwickelte", so Wolf. Zoff gab es damals auch mit dem deutschen Provisionär Xenitex, der für Geschäfte im Libanon zuständig war. Man bildete also Rückstellungen.

Zu tun hatten damals übrigens auch Polizei und Justiz: Aus der Druckerei wurden Banknotenbögen (500 und 50 Euro) gestohlen; einer der Täter ist inzwischen zu 23 Monaten bedingt verurteilt.

Duchatczek informiert

Ab 2010 arbeiteten die Gelddrucker am Projekt "Ausrichtung OeBS neu", Design-Probleme bei syrischen Banknoten hatte OeNB-Vizechef Duchatczek in Damaskus selbst bereinigen können. Die Provisionen sanken - und explodierten bei einer Steuerprüfung heuer. Die Finanz erkannte sie nicht als Aufwand an, der Steuerberater reagierte im Juni alarmiert. Schließlich droht eine Steuernachzahlung von drei Mio. Euro.

Thema im Aufsichtsrat am 8. Juni 2011 war all das nicht. OeBS-Chef Wolf laut Protokoll: "Das Provisionsthema wurde vom Steuerberater für in Ordnung befunden."

Technikchef Miller versuchte laut seinen Angaben vor dem Staatsanwalt, das Thema mit dem Steuerberater voranzutreiben. Und: Laut einem Aktenvermerk wandte er sich am 23. Juli in einem vertraulichen Gespräch an Duchatczek. Er habe ihm erzählt, dass Wolf dem Aufsichtsrat nicht von der Betriebsprüfung und dem Millionen-Risiko berichtet habe. Zudem sei Wolf oft auf "nicht nachvollziehbaren Reisen", Abrechnungen gingen an ihm, Miller, vorbei. Er könne "nicht garantieren, dass nicht Tragisches passieren" werde, das Risiko steige beträchtlich. Duchatczek, der für den Standard nicht zu erreichen war, habe versprochen, mit Wolf zu reden. "Eine unmittelbare Reaktion erfolgte nicht", so Miller. (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 26.11/27.11.2011)

Kommentar posten
14 Postings
sir abdulah salaam
00
28.11.2011, 08:33
lieber standard

wo sind denn all die postings hin ?

John78
00
26.11.2011, 18:37
OeNB-Presseaussendung

Presseaussendung OeNB 7. 11. 2011:

"Die OeNB hat nach Bekanntwerden von Verdachtsmomenten auf rechtswidriges Vorgehen in der Geschäftsgebarung bzw. auf unterlassene Informationen an den Aufsichtsrat der Banknoten- und Sicherheitsdruck GmbH (OeBS) rasch und von sich aus gehandelt."

Da fehlen einem die Worte.

daydreamer07
10
26.11.2011, 16:49
Ab in den häfn

Ab in den Häfn mit dem ganzen Gesindel, auch die Leute vom Aufsichtsrat gehörten bestraft, die haben doch weggesschaut, wie die Leute vom Veterinäramt bei der Fleischbeschau (Jandl lässt grüßen), ist doch echt ein einziger Sauhaufen diese OEBS...

Hako
01
27.11.2011, 09:29

Bitte die Kirche im Dorf lassen! Da haben einige wenige etwas kriminelles gemacht, aber doch nicht alle 200!!
Also ziehen wir die, die etwas gemacht haben ohne Schonung zur Verantwortung ebenfalls die, die für die Kontrolle verantwortlich waren. Und den Rest lassen wir Ihre Arbeit machen.
Wenn der AR Charakter tritt er zürück und übernimmt die Verantwortung.

saifalislam
03
26.11.2011, 11:04
Es ist moeglich...

... ohne Bestechung zu arbeiten, wenn auch nicht so bequem.

Ich bin schockiert in den Foren eines oesterreichischen Mediums statements fuer Bestechung zu finden.

Korruption unterminiert unsere Gesellschaft und Wertesystem, verzerrt Wettbewerb, demotiviert Leistungstraeger, unterstuetzt antidemokratische Systeme, vernichtet Wohlstand.

Ein absoluter Wertkonses gegen Korruption muss auch in Oesterreich hergestellt werden, Korruption im In- und Ausland muss strengstens bestraft werden.

In manchen afrikanischen Staaten gibt es Aufklaerungskampagnen gegen Korruption. Moeglicherweise benoetigen wir so etwas auch in Oesterreich.

r41|\|3r
00
27.11.2011, 11:06

es sieht leider so aus das viele menschen noch glauben es sei einfach "part of the game"

Martin Müller10
 
23
25.11.2011, 19:26
Da ist ein ganzes Heer Irrer am Werk! Da wird der Wirtschaftsstandort

Österreich vorsätzlich ruiniert! In 3/4 der Welt gibt es keine Aufträge ohne "Provisionen". Die Kunden legen wert auf diskrete Abwicklung! Wenn man da so einen Affentanz macht schädigt das nicht nur die Banknotendruckerei sondern alle österreichischen Unternehmen die in diesen Ländern Geschäfte machen. Wer glaubt, dass man noch einen Auftrag bekommt wenn solche Dinge durch die Medien gehen glaubt auch ans Christkind.

onlooker
01
25.11.2011, 22:16
aber bestechungen wie immer die aussehen, sind heute verpönt,

081547112
21
26.11.2011, 15:53
aber bestechungen wie immer die aussehen, sind heute verpönt

wenn sie das glauben, leben sie in einer parallelwelt.

Schnurz Homunculus
01
26.11.2011, 09:07
nicht von den Empfängern!

onlooker
11
26.11.2011, 09:39
normalerweise werden diese aber auch angeklagt, allerdings nicht in Ö. mfg

081547112
00
26.11.2011, 15:57
wo?

hatten sie schon jemals mit projekten im ausland zu tun?

natürlich wird auch manchmal wer angeklagt, aber nicht normalerweise, sie haben da wirklich keine ahnung.

onlooker
00
26.11.2011, 16:56
ich habe lange genug mit dem ausland zu tun gehabt,

das ganze hat aber nichts mit mir zu tun, sondern mit den regeln der usa, die verbieten ganz einfach bestechung, aber sie sind ja sooo gut informiert, siemens musste mio an strafgeldern bezahlen wegen bestechung, aber sie als intl kaufmann, kann so etwas ja nicht erschüttern, erschüttern wird es mensdorff, der für motorola bestechungen durchführte, seine anklage wird auf money-laundering heissen, und motorola hat sich selbst angezeigt, weil audit bevorstand, nur der gelernte össi wie sie glaubt nicht an solche dinge, auch die schweiz muss sich an diese gesetze halten, es gibt nicht mehr viele sichere häfen, wo man geld weisswaschen kann, sie sollten umlernen, und mit ezzes bin ich diesbezüglich versorgt, you are just a pampas ass

081547112
00
26.11.2011, 18:16

wen interessiert schon die usa, die interessanten geschäfte machen sie nicht dort, sondern ganz woanders.
aber selbst in den usa...

aber ist ja egal

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