Keine großen Sprünge im Weihnachtsgeschäft

25. November 2011, 19:09
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Textilhändler schmeißen die Nerven weg, Tauziehen um Mariahilfer Straße

Wien - Heute erwartet der Handel die erste große Einkaufswelle vor Weihnachten. Die Prognosen der Marktforscher driften dabei stark auseinander, das errechnete Budget schwankt im Schnitt rund um die 300 Euro je Österreicher. Große Sprünge erwarten die wenigsten - inflationsbereinigt überwiegend einen Umsatz auf Vorjahresniveau. Der fehlende Schnee lässt freilich die Nerven flattern. Vor allem die Textilbranche reagiert bereits vereinzelt mit verfrühten Rabatten, die letztlich die Bilanz verwässern. Kommt nicht bald winterliche Stimmung auf, sehen sich auch die zäheren Sportartikelketten in der Bredouille. Unter dem Strich verbuchte der Einzelhandel in Österreich schon von Jänner bis September real ein Minus von 1,2 Prozent - Wasser auf den Mühlen der Unternehmer, die mit der Gewerkschaft kommende Woche erneut um die Gehälter ringen.

Mächtigster Spieler im Wettlauf um das Weihnachtsgeld der Österreicher ist die Wiener Mariahilfer Straße. Gut 50 Millionen Euro sollen hier rund um den Advent liegengelassen werden, um 13 Millionen mehr als in Europas größtem Einkaufscenter, der Shopping City Süd in Vösendorf. Im Schnitt zählt sie täglich 70.000 Passanten in ihren Kernzonen; wenn sie an Adventsamstagen zur autofreien Meile wird, noch deutlich mehr.

Gegen den Vorstoß der Grünen, den Autoverkehr auf der Mariahilfer Straße ganzjährig stark einzudämmen, mehrt sich aber der Widerstand. Die Wirtschaftskammer fährt schon seit längeren dagegen an, Zweifel an teilweisen Fußgängerzonen melden nun auch Stadtplaner und Handelsexperten wie Wolfgang Richter an. Er fürchtet starke Eingriffe in eine gut laufende Verkaufsmaschine. "Alle vorgeschlagenen Varianten haben für Händler finanzielle Nachteile."

Die Bündelung der Passanten in einem autofreien Abschnitt splitte die Straße in A- und B-Lagen. Profiteure gebe es nur im Kernbereich. Bereits jetzt schwächle die Straße an ihren beiden Enden. Sogenannter Shared Space, auf dem alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt unterwegs sind, gelinge nur, blieben alle in Alarmbereitschaft, was viele ausgrenze, sagt Richter: Aus Sicht der Wirtschaft gebe es in anderen Einkaufsstraßen weit mehr Handlungsbedarf. (Verena Kainrath, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 26.11/27.11.2011)

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