Atommüll

Anti-Atom-Kampf geht in die Verlängerung

25. November 2011, 18:40
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    foto: reuters/alex domanski

    Freitagvormittag passierten die Castoren mit Verspätung das saarländische Neunkirchen. Am Wochenende sollen sie in Gorleben eintreffen.

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    grafik: der standard

Der AKW-Ausstieg Deutschlands ist beschlossen - Die Anti-AKW-Bewegung gibt jedoch nicht auf: Sie will noch Gorleben als Endlager verhindern

Same procedure as every year? Aber natürlich. Zum letzten Mal rollen die Castoren mit ihrer strahlenden Fracht von Frankreich aus nach Deutschland, am Freitag, kurz nach zehn Uhr Vormittag, sind sie auf dem Gebiet der Bundesrepublik. Und wie immer bietet die Anti-AKW-Bewegung all ihr Können auf.

Vor allem im niedersächsischen Wendland sind die Demonstranten seit Tagen auf Posten. Wie in den Jahren zuvor haben sie nur ein Ziel: Der Castor, der an diesem Wochenende in Gorleben erwartet wird, soll dort mit so großer Verspätung wie möglich eintreffen. Er kommt zunächst auf der Schiene, die letzten Kilometer muss der Atommüll aber auf tonnenschweren Tiefladern auf der Straße zurücklegen. Wie schon im Vorjahr wurde auch heuer wieder versucht, zu "schottern", also Steine aus dem Gleisbett zu entfernen. Auch zwei Polizeiautos wurden angezündet.

"Sinnloser Protest"

Einer, der früher auch in der Anti-AKW-Bewegung aktiv war, findet sogar die friedlichen Verhinderungsaktionen heute gar nicht mehr in Ordnung. Es ist ausgerechnet Winfried Kretschmann, der grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg. "Der Protest macht jetzt eigentlich keinen Sinn mehr", sagt er in der Zeit.

Tatsächlich gibt es dafür Argumente. Der Kampf gegen die Castoren war immer der Höhepunkt im Anti-atomaren Jahreskalender. Die Proteste richteten sich nicht nur gegen den Transport von Atommüll quer durch Deutschland und die Lagerung in Gorleben - es war immer eine Abrechnung mit Kernkraft und der deutschen Atompolitik generell.

Kernkraft aber wird es in Deutschland in absehbarer Zeit nicht mehr geben. Nach der Katastrophe im japanischen Fukushima machte die schwarz-gelbe deutsche Regierung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel eine vielbeachtete Kehrtwende. Der Atomausstieg wurde kurzerhand auf das Jahr 2022 vorverlegt, die wenige Monate zuvor ausgehandelte Verlängerung der AKW-Laufzeiten wieder kassiert. Damit sind sogar die deutschen Grünen zufrieden.

Neue Suche nach Endlager

Zudem verkündete Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) vor kurzen, es werde nun doch eine neue und vor allem "ergebnisoffene" Suche nach einem Endlager geben. Sogar Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte zu, dass man in "seinem" Bundesland nun ebenfalls suchen dürfe. Auch diesen neuen Suchauftrag hatte die Anti-AKW-Bewegung immer wieder gefordert. Denn der Salzstock in Gorleben, der seit Jahren als Endlager erkundet wird, gilt auch unabhängigen Geologen als nicht sicher genug

Alles in Butter also? Mitnichten. "Wir trauen der Regierung nicht", sagt Jochen Stay vom Bündnis "ausgestrahlt" zum Standard, "sie sagt zwar, sie wolle die Suche nach dem Endlager völlig neu beginnen. Aber warum sind dann im Haushalt 2012 für die Erkundung in Gorleben 73 Millionen Euro vorgesehen und für die Endlagersuche anderswo nur drei Millionen Euro?"

Kein Schlusspunkt

Die Forderung der Demonstranten ist eindeutig: Wenn die Regierung wirklich eine ehrliche Endlagersuche wolle, müsse sie sofort die Erkundungsarbeiten in Gorleben einstellen. Danach sieht es im Moment aber nicht aus. Und so soll der Protest gegen diesen letzten Castor-Transport aus dem französischen La Hague im Wendland nicht den Schlusspunkt der Proteste markieren, eher einen vorläufigen Höhepunkt.

Auch der Berliner Politologe und Konflikt-Forscher Dietmar Rucht ist überzeugt, dass die Anti-AKW-Bewegung in Deutschland nicht einfach die Isomatten einrollt, wenn die Castor-Behälter hinter Schloss und Riegel sind: "Sie wird weiter gegen Gorleben als Endlager kämpfen. Auch andere mögliche Endlager-Standorte werden Protest hervorrufen." (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 42
1 2
NIE4
02
27.11.2011, 14:30
es gibt kein endlager

warum soll dann trotzdem noch bis 2022 weiterer atommüll produziert werden? warum wird der atommüll nach gorleben gebracht? um fakten zu schaffen, der salzstock ist aber erwiesenermaßen unsicher.

atomausstieg sofort und eine ergebnisoffene suche nach einem endlager

rubbberduck
20
27.11.2011, 01:39

die demonstranten sind doch sowieso nie mit etwas zufrieden. ansonsten hättens keinen grund sich zu prügeln und zu provozieren

Sie haben Ideologie? Wir dagegen feste Überzeugung!
01
26.11.2011, 10:57
Nur zu Info

Gorleben ist als langfristiges Lager denkbar ungeeignet, das Hauptargument was damals für Gorleben gesprochen hat, ist dass es im letzten Zipfel der BRD war, und fast nur DDR umgeben war. Also wenn was passierte, träfe es die DDR, und das war der BRD-Regierung damals nicht nur egal sondern vielleicht sogar noch recht.

Auch interessant, kurz bevor der Standort ausgewählt wurde, gab es in allen fraglichen Orten zufällig einen Waldbrand, der die Grunstücke praktisch wertlos machte.

an kog
00
26.11.2011, 10:55

Kleine Erinnerung an früher:

Strahlende Castor Transporter, Vertuschung, Korruption und eine Umweltministerin der damals keine Zukunft vorher gesagt wurde...

http://www.spiegel.tv/#/filme/c... r-skandal/

W s
64
26.11.2011, 10:55

„Jetzt mögen euch die Journalisten der Welt in den Arsch kriechen, aber ich nicht, meine Lieben. Ihr habt die Gesichter verwöhnter Gören, und ich hasse euch, wie ich eure Väter hasse. Als ihr euch mit den Polizisten geprügelt habt, gehörte meine Sympathie den Polizisten, weil sie die Söhne armer Leute sind.“

Pier Paolo Pasolini im Juni 1968

Ant
00
28.11.2011, 11:45
Wer Pasolini kennt...

weiß, dass war Selbsthass. Bei Ihnen scheint das gleiche zuzutreffen.

Schnapphahn
11
26.11.2011, 12:17
Aber

wir sind es, die gewinnen!
Da kannst du noch so viel hassen.

sick boy
32
26.11.2011, 12:07
ANTI BOBO!

sehr gut! pasolini polarisiert immernoch, und ich kann den hass auf die chronischen weltverbesserer schon verstehen

Fux220385
02
26.11.2011, 10:30

Habe den Bericht nicht gelesen (zur Anmerkung), möchte aber zu Demonstrationen gegen Castor-Transporte etwas anmerken.

Ich finde es ok wenn man dagegen protestiert und zum Ausdruck bringt, wie sehr einem so ein Ereignis missfällt. Dennoch (nach mehreren Berichten und Dokus) muss ich schon mal fragen, ob es nicht eventuell eine blöde Idee ist, Maßnahmen zu setzen (zB. Gleise untergraben um den Zug zum entgleisen zu bringen, etc) um einen derartigen Gefahrentransport noch gefährlicher zu machen und das aus freien Stücken?

Sie haben Ideologie? Wir dagegen feste Überzeugung!
00
26.11.2011, 10:54

Es geht ja nicht darum ihm zum Entgleisen zu bringen (als Falle) sondern die Strecke _offensichtlich_ unbefahrbar zu machen.

Fux220385
00
27.11.2011, 12:09

Und das ist nicht gefährlich Herr Kollege? Sie wissen schon was ein "Unfall" ist? Unfälle passieren oft weil jemand etwas will, der andere es nicht merkt und dann haben wir den Salat.
Mal abgesehen davon bin ich mir nicht ganz sicher ob Umweltextremisten den Zug nicht sehr wohl aus den Gleisen sehen wollen. Radikalismus ist gefährlich in jeder Richtung in der er sich auswirkt (siehe andere Posts von mir).

Sie haben Ideologie? Wir dagegen feste Überzeugung!
00
27.11.2011, 23:10

Also wenn der Castor der ja für Jahrmillionen halten sollte, bei einem Umfallen bricht, dann läuft sowiso was super schief.

Herr L
01
26.11.2011, 09:40

"Kernkraft aber wird es in Deutschland in absehbarer Zeit nicht mehr geben"

Das würd ich so schnell mal nicht behaupten, es musste halt wegen Fukushima dringend etwas gemacht werden...

verleih nix
00
26.11.2011, 09:50

wieso? die haben sich doch für den erfolgreichen österreichischen weg entschieden. atomstrom einfach aus den nachbarländern importieren und in kaprun auf öko umetikettieren. und alles wird gut.

Perynt
00
26.11.2011, 09:22
"Es ist ausgerechnet Winfried Kretschmann, der grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg. "Der Protest macht jetzt eigentlich keinen Sinn mehr", sagt er in der Zeit."

Ja, nee, is klar:

Hat irgendjemand irgendetwas anderes von den Grünen erwartet, wenn die erstmal die Macht haben?

Hehe, irgendwie witzig, dass man nun so tut als wenn sich die Dinge irgendwie geändert haben. Die Grünen an die Macht, das ist das Ziel, damit die Atompolitik so weitergeführt werden kann.

Und dass er das in der "Zeit", im "Spiegel", der "Bild" oder sonst einem staatlichen Propagandaorgan verlautbaren lässt, das ist nun doch auch wohl exakt so, wie man sich das Ganze vorstellt.

So, immer noch: Im Westen nix Neues.

edgeware
24
26.11.2011, 01:02
Wie ein Haus ohne Toilette

Ich meine Jürgen Becker sagte einst, dass die Atompolitik generell schlecht geplant sein. Er verglich die Frage der Atomkraft und der Endlagerung mit dem Bau eines Hauses. Wir haben also jetzt das große Haus Atomkraft, aber leider sind keine Toiletten in dem Haus installiert worden. Wenn man nun aber mal muss (was zwangsläufig einmal vorkommt), dann gehen wir zu unserem Nachbarn und setzen ihm einen Haufen vor die Tür, stecken ein Fänchen mit der Aufschrift "Bitte entsorgen" rein und hoffen die Nachbarn sind so freundlich unseren Dreck wegzumachen. In diesem Fall wären wir die Stromkonzerne, die Kernenergie nutzen. Und da man seinen Nachbarn nicht vor die Tür macht, ist es doch klar, dass dieser protestieren wird.

Uniquin
 
21
26.11.2011, 12:02

nicht ganz richtig. die konzerne haben das geld für toilette samt senkgrube rechtzeitig bereit gelegt. nur bauen dürfen sie weder toilette noch senkgrube. wenns kein häusl gibt sind nicht die konzerne schuld, sondern die regierenden.

Werner F, der Inserator
01
26.11.2011, 09:23

der vergleich hinkt.

Soweit ich weiss ist es verboten Atommüll zu exportieren, d.h. jedes Land muss selbst für seinen Dreck aufkommen.

es gibt halt dzt mal nur zwischenlager (das sind auch schon klos), ich bezweifle auch ganz stark, dass es jemals vernüftige endlager geben wird die 100.000 Jahre überstehen werden. wer glaubt die geologische schichtung auf 100.000 Jahr im voraus zu kennen, wenn wir nicht mal das KLima für 100 Jahre voraussagen können ....

daher ist gorleben genausogut wie jedes andere bewachte zwischenlager.

Einzig die kosten für kernenergie müsen halt neu überdacht werden.

Sie haben Ideologie? Wir dagegen feste Überzeugung!
00
26.11.2011, 14:43

Das Gorleben zu Zeiten der BRD ausgesucht ist, weil es bis auf einen Zugang nur von DDR umgeben war, dafür passt der Vergleich ganz gut, den Nachbarn vor die Tür zu scheißen.

don't follow me
00
25.11.2011, 23:12

Warum transportiert man die Brennstäbe nicht gleich mit einem Straßenkonvoi?

Sie haben Ideologie? Wir dagegen feste Überzeugung!
113
25.11.2011, 22:00
"Endlager" ist eine Illusion

Habe mal einen Experten dazu gehört. Das Wort Endlager ist eine Illusion, die die Atomkraftindustrie uns weiß machen will. Es gibt _keinen_ Ort der Erde der für viele Tausende Jahre garantiert von der Biosphäre abschottbar ist - und zwar ohne Wartung! (Das ist die "Idee" des Endlagers"). Wahr ist viel mehr, es geht nicht, immer kann irgendwo was sein (Wasser Einbruch in den Salzstock, Erdverschiebungen etc.) Man muss die Dinger immer zugänglich halten, und im Ernstfall muss alles raus und wo anders hin (viele Mio. € Kosten). Und diese Bewachung ist für viele Tausende Jahre zu machen, sonst Auweh! Ja, jetzt kommen die echten Kosten der "billigen" Atomkraft!

Onkel Gans
02
26.11.2011, 03:00

sie haben vergessen zu erwähnen, dass sie auch unglaublich sicher ist!

Werner F, der Inserator
00
26.11.2011, 09:30

sicherer als wasserkraft.

http://de.wikipedia.org/wiki/List... %C3%BCcken

für akws hab ich leider nix brauchbares gefunden

http://de.wikipedia.org/wiki/List... en_Anlagen

aber man muss wohl auch noch die opfer in Uranminen dazuzählen.

ich will hier nicht für Kernkraft "werbung" machen, ich sehe das Problem der endlagerung aber wesenltich grösser als das die Energieform soooo unsicher ist.

Sie haben Ideologie? Wir dagegen feste Überzeugung!
00
26.11.2011, 14:45

Ein Talsperrenunfall ist schrecklich, aber das Tal bleibt dann nicht für hunderte von Jahren unbewohnbar...

Werner F, der Inserator
00
27.11.2011, 10:54

ja, dass ist wohl wahr, mir ist ja unverständlich, wie man ein AKW in Mühleberg hinstellen kann in so ein dicht besiedeltes gebiet.

Aber man muss schon auch sehen, dass es bis dato zu 2 wirklich schwere AKW unfälle gekommen ist (und sicher noch ein dutzend fälle wo wir einfach glück gehabt haben, sellafield & co)

Sowohl bei Cernobyl wie auch in Fukushima handelte es sich nicht unbedingt um AKWs modernster Prägung.

aus jedem unfall haben die techniker noch zusätzlich gelernt.

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