"Einmal Ameisensäure volltanken, bitte"

25. November 2011, 17:58
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Wasserstoff als möglicher Sprit der Zukunft - neues Verfahren im Labor

Rostock/Wien - Bei aller Euphorie angesichts der nun auf den Markt kommenden Elektroautos: Das Konzept des Wasserstoffautos ist noch lange nicht passé. Wobei es sich letztlich in beiden Fällen um Elektroautos handelt: Denn auch die Brennstoffzelle produziert Strom, der dann den Motor antreibt. Die entscheidende Frage ist, wie die Energie gespeichert beziehungsweise dann umgewandelt wird.

E-Mobile mit Batterien haben derzeit jedenfalls noch zwei entscheidende Nachteile: Vor allem die Lithium-Ionen-Akkus sind erstens ausgesprochen teuer - und ermöglichen zweitens pro Ladung nur eine vergleichsweise geringe Reichweite von rund 100, vielleicht 150 Kilometern.

Letzteres Manko gäbe es bei Brennstoffzellen-Autos nicht: Je nach Fahrweise und Strecke sind Reichweiten von 400 bis 750 Kilometern möglich. Allerdings: Auch bei dieser Technik sind Mehrkosten von 15.000 bis 20.000 Euro zu erwarten - vor allem, da in den Brennstoffzellen im besten Fall Platin als Katalysator eingesetzt wird. Und: Wasserstoff ist ein flüchtiges und reaktionsfreudiges Gas, das nur unter hohem Druck oder in besonderen Tanks gespeichert werden kann.

Gerade hier könnte Wissenschaftern des deutschen Leibniz-Instituts für Katalyse in Rostock ein entscheidender Durchbruch gelungen sein. Und möglicher-weise wird künftig an den Tankstellen nicht mehr Benzin oder Diesel in die Tanks sprudeln, sondern - Ameisensäure.

Das gemeinsam mit Kollegen der Universität Rostock und der technischen Hochschule in Lausanne (Schweiz) entwickelte System wurde kürzlich im US-Fachjournal Science vorgestellt: Den Wissenschaftern ist es gelungen, mit Hilfe eines Eisenkatalysators auf einfache und effiziente Weise Wasserstoff aus Ameisensäure freizusetzen. Dieser Wasserstoff könnte dann direkt für den Antrieb des Fahrzeuges genützt werden.

Neues, altes Problem: CO2

Allerdings: Bei diesem Prozess, bei dem ein schon jetzt käuflicher Eisen(II)-Komplex zum Einsatz kommt, wird wie auch bei herkömmlichen Verbrennungsmotoren CO2 freigesetzt. Jetzt arbeiten die Forscher an einem Verfahren, das Gas wieder aufzufangen. Eine Möglichkeit wäre es, das CO2 in Salzen, sogenannten Bikarbonaten, zu binden. In kleinem Maßstab ist es inzwischen auch schon gelungen, dieses in den Bikarbonaten gebundene Kohlendioxid für die Neubildung von Ameisensäure einzusetzen.

Abseits dieser neuen Technologie im Entwicklungsstadium gibt der deutsche Automobilhersteller Daimler schon (Wasser-)Stoff. In einem ersten Schritt sollen 10.000 Autos der B-Klasse mit Brennstoffzellenantrieb hergestellt werden - geplanter Start der Großserienproduktion: 2014. In den kommenden drei Jahren sollen überdies 20 zusätzliche Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland entstehen, die Daimler gemeinsam mit Linde errichten will.

Wasserstoff könne künftig "eine ähnlich zentrale Rolle übernehmen, wie sie bisher das Öl hat", hatte Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche anlässlich der heurigen Automesse IAA erklärt.

Eine entscheidende Frage bei der herkömmlichen Brennstoffzelle ist allerdings: Wie wurde der Wasserstoff hergestellt? Bisher wurde und wird dieser Energieträger zu 90 Prozent aus dem fossilen Rohstoff Erdgas hergestellt - wobei auch wieder CO2 freigesetzt wird. Deutlich besser ist die Umweltbilanz hingegen, wenn der Wasserstoff mithilfe von Windenergie oder Fotovoltaik produziert wird. (dpa, frei)

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