Klimaprognosen

"Es wird bei uns subtropischer werden"

Bericht | David Krutzler, 25. November 2011, 17:39
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    Der Dachsteingletscher am 13. September 2011. "Das Ende ist vor-gezeichnet", sagt Klimaforscher Georg Kaser. Foto: APA/Gindl

Die Gletscher in den Ostalpen haben keine Daseinsberechtigung mehr, sagt Klimaforscher Georg Kaser. Szenarien für die Klimaerwärmung müssen eher nach oben korrigiert werden.

Innsbruck - Der November 2011 wird als der österreichweit trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen 1858 in die Geschichte eingehen, prognostiziert der Klimatologe Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (Zamg). "Es ist bemerkenswert, dass es seit Wochen in fast allen Regionen Österreichs nicht geregnet hat. Das ist noch nie vorgekommen."

Georg Kaser blickt seit 38 Tagen aus seinem Fenster in Innsbruck. Und seit 38 Tagen sieht der Professor am Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Innsbruck nur Sonnenschein und höchstens ein paar Wolken. Am 19. Oktober hat es das letzte Mal geregnet, das ist absoluter Rekord. Die bisher längste regenfreie Periode haben die Innsbrucker am Samstag schon um zehn Tage überschritten.

Aus diesem Wetterereignis ein Horrorszenario für die nahe Zukunft abzuleiten liegt Kaser aber fern. Der Klimaforscher entwirft mit seinen Kollegen langfristige Modelle, wie sich das Klima und mit ihm die Welt verändern könnte. Bei diesen Berechnungen gibt es natürlich viele Unsicherheiten. So weiß man etwa heute nicht, wie groß der CO2-Ausstoß in Zukunft sein wird. "Der Rekordanstieg an Emissionen und rekordverdächtige absolute Werte an CO2 werden uns aber dazu veranlassen müssen, die Temperaturanstiegs-Szenarien nach oben zu korrigieren", sagt Kaser.

Andererseits können, aber müssen regionale Wetterphänomene nicht konstant erhalten bleiben. In den Alpen gab es in den letzten 20 Jahren einen massiven Temperaturanstieg um das Doppelte des globalen Mittels. "Aber es wäre absolut unseriös, diese Zahl in die Zukunft zu prognostizieren."

Kleinreden möchte Kaser den Klimawandel in Österreich keinesfalls. "Es besteht kein Zweifel, dass wir Menschen ganz massiv zur Klimaerwärmung beitragen." Der Forscher schreckt auch vor drastischen Worten nicht zurück. "Es ist bei uns leicht subtropisch geworden. Und es wird subtropischer werden. Die Gletscher sind gewaltig in Gefahr. In den Ostalpen haben die Gletscher keine Daseinsberechtigung mehr. Sie existieren nur noch, weil sie schon da sind, und sie verschwinden mit großer Verzögerung. Das Ende ist vorgezeichnet."

Laut dem aktuellen Gletscherbericht des österreichischen Alpenvereins (Saison 2009/10) haben 82 Gletscher an Länge und Masse verloren. Nur sieben konnten ihre Ausdehnung halten, kein einziger hat zugelegt. Am Wasserfallwinkelkees in der Glocknergruppe wurde mit 71,7 Metern der größte Rückgang gemessen. Aktueller, aber nicht vollständig, sind die Zahlen der Zamg: Mitarbeiter stellten fest, dass das "ewige" Eis des Goldbergkees am Hohen Sonnblick nach dem Sommer 2011 um zwei Meter dünner war als 2010. Damit hat der Gletscher mit einer verbleibenden Eisdicke von 30 Metern in einem Jahr fast sieben Prozent seiner Masse verloren. Als Hauptgrund für das Ausapern gelten neben der hohen Temperaturen auch fehlender Neuschnee im Sommer.

Dass sich das Klima signifikant wandeln wird, ist fix und unumkehrbar. Noch lässt sich aber nicht sagen, wie und wie schnell sich Temperaturen und Niederschlagsverhältnisse ändern. Europaweit soll es nach Szenarien der Wissenschafter südlich trockener und nördlich feuchter werden.

Für Österreich lautet die Tendenz laut Klemens Schadauer: "Je östlicher, desto trockener." Der Leiter des Instituts für Waldinventur am Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW) rechnet damit, dass der Wald im Osten, wo das Wachstum von der Niederschlagsmenge abhängt, "seine Grenze erreichen wird - wenn die Prognosen stimmen". Schadauer ist aber überzeugt, dass die Niederschlagsabnahme im Osten Österreichs "in den nächsten 100 Jahren noch keine Rolle spielen wird".

Im alpinen Raum, wo das Waldwachstum vor allem mit der Temperatur zusammenhängt, soll der Bestand hingegen zunehmen. Es werden Waldbewegungen stattfinden, die Buche etwa könnte bereits bei einer geringen Temperaturzunahme erst auf 1400 Meter ihre neue Wachstumsgrenze finden. Der Fichtenbestand in den Alpen wird im Gegensatz dazu abnehmen. Schadauer: "Nicht nur Bäume machen Wanderbewegungen, sondern auch Schädlinge."

Werden die weltweiten CO2-Emissionen nicht radikal eingeschränkt, glaubt Georg Kaser, dass die klimapolitisch als oberste Grenze definierten zwei Grad Globalerwärmung seit Beginn der Industrialisierung bald überschritten werden. 0,7 Grad wurden bis 2007 schon verbraucht. "Sorgen müssen wir uns auf jeden Fall machen. Die entbinden uns aber nicht von der Verantwortung." Lösungen müssten aber Unternehmen und Politiker präsentieren. Kaser: "Wir Forscher sind quasi nur Statiker. Wir sagen euch nur, dass die Brücke bricht. Und wie sie bricht." (David Krutzler/DER STANDARD, Printausgabe, 26./27. November 2011)

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Posting 1 bis 25 von 62
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klitzekleines dünnes Minzeblattchen
00
17.3.2012, 10:24
Was habt ihr denn alle?

Der Natur ist der Klimawandel aber sowas von egal. Die Erde dreht sich noch ein paar Milliarden Jahre um die Sonne und so lange wird es auch Leben auf ihr geben. Ob die Temperatur um 10 Grad steigt oder fällt, ist der Natur bzw. dem Planeten wurst, Muren, Stürme, Überflutungen, Vulkanausbrüche, Erdbeben, Atomare Verseuchung juckt den Planeten nicht.

Immer diese hetzte gegen den Klimawandel und das Unwort Klimaschutz, dem Klima ists egal, es müsste Menschenschutz heißen, Schutz und Erhalt unseres Lebensraumes alles andere ist billige Propaganda mit der viele, viel Geld verdienen wollen *hust*CO2-Zertifikate*hust*

aculus populus
 
00
2.12.2011, 18:35
Endlich ...

Eigenanbau für die Bananen Republik!!! Mit A+A Gütesiegel! :D

zaikoh
01
2.12.2011, 17:25

"Wir Forscher sind quasi nur Statiker. Wir sagen euch nur, dass die Brücke bricht. Und wie sie bricht."

@earthgov

aculus populus
 
00
2.12.2011, 18:37
lol

Das Wetter ist ein chaotisches teils selbstregulierendes System und Vorhersagen über einer Woche sind mit dem Horoskop vergleichbar.

ravenna
00
2.12.2011, 16:49

"Sorgen müssen wir uns auf jeden Fall machen."

Und weshalb jetzt konkret? Wegen den kommenden Problemen mit dem Wintertourismus?

Jeannot81
 
01
2.12.2011, 17:20
Nur weil sie und ich nicht...

...vom Wintertourismus leben, bildet er dennoch die Lebensgrundlage für zahlreiche Menschen.
Aber es gibt ja viele andere Gefahren, die mit Trockenheit im Gebirge zusammenhängen. Zum einen kann je nach geologischer Beschaffenheit zu brüchigem Gestein und Bergsturz kommen. Vermehrte Waldbrände kanns geben. Die Böden sind dann nicht mehr in der Lage, eventuelle Starkregenfälle aufzunehmen, es kann zu gewaltigen Murenabgängen kommen. Das beeinträchtigt dann alles auch den Sommertourismus und natürlich die Landwirtschaft, die sich umstellen muss.
Man muss nicht davon ausgehen, dass das alles massiv auftritt, aber Notfallpläne in der Schublade sollte man dafür haben, und da sind die Ergebnisse der Klimaforscher essentiell.

tschufftschuff
00
2.12.2011, 16:46

Wann hat sich das Klima nicht gewandelt? Die Gletscher werden verschwinden und sie werden wieder kommen. Wir werden es nicht erleben, aber manche zukünftige Zeitgenossen werden sicher gegen das Verschwinden der einzigartigen Fauna auf unseren höchsten Bergen kämpfen.

Dilbert
10
2.12.2011, 14:47

Den Menschen ist nicht zu helfen.

Marcus Maccabaeus
03
2.12.2011, 16:47
Ja vor allem Jenen, die den Klimaschmarren glauben!

rasenmähermann
00
2.12.2011, 14:35

Diese Prognosen stimmen doch nur wenn es den Golf-Strom weiterhin gibt. Versiegt der, würde es massiv kälter werden.

grimsvotn eyjafjallajökull
00
2.12.2011, 18:10

Fragt sich nur ob wir das Kippen dieser Meeresströmung verhindern könnten.

Logyal
11
2.12.2011, 13:17
Für die Klimaskeptiker

http://www.youtube.com/watch?v=lECY4xeAHHs

Spaß beiseite. Hier in der Dordogne hat vor 2 Tagen ein Freund eine Tomate aus dem Garten (nicht den Gewächshaus) geholt. Niederschläge minimalst. Hier sagen alle "ungewöhnliches Wetter".
Und es kommt noch heisser...

Logyal
01
2.12.2011, 12:28
Für unsere Blonden:

Supa Wetter !

http://www.youtube.com/watch?v=d... re=related

tante koal huaba
91
2.12.2011, 12:10
....jedenfalls

leben viele menschen von diesem thema und manche sogar sehr gut, besonders mit angstmachenden sagern, um zu öffentlichen geldern zu kommen...

recouvrer la raison
25
2.12.2011, 13:52

Tatsächlich? Und ich Dummkopf dachte doch wirklich, dass Lobbyisten der Industrie, CEOs & Aufsichtsräte bestimmter multinationaler Konzerne, die sich Gesetze nach ihren Bedürfnissen zurechtschneiden können und in deren Namen ein paar (wohl auch nicht wahnsinnig schlecht bezahlte und mit "kleinen" Spenden entlohnte) Wissenschaftler immer noch die Mähr von wegen alle Daten seien bloß konstruiert und überhaupt alles erlogen hoch halten, die sind, die so gut von der Verbreitung von "Unwahrheiten" leben. Nicht zuletzt in der Hoffnung, dass sich bloß nichts am status quo und damit natürlich zunächst einmal nur an ihrer eigenen finanziellen Situation ändert. Danke, dass Sie mir endlich die Augen geöffent haben!

QUMI
00
2.12.2011, 10:10

Man hört ja auch öfter, wir befinden uns am Ende einer Eiszeit.

Was ist jetzt: Ist es das Ende der Eiszeit (war ja früher nachweislich wesentlich wärmer - siehe Bergbau in den Hohen Tauern wo jetzt Gletscher sind), oder blasen wir zu viel Dreck in die Luft?

AlK
01
2.12.2011, 13:58

solange es vereiste pole gibt, spricht man von einem eiszeitalter,das jüngste begann vor 2,6 mill. jahren, seit ca 11.000 jahren befinden wir uns in einem interglazial (holozän).

http://de.wikipedia.org/wiki/Klim... szeitalter

ein übergang von eiszeitalter zur warmzeit dauert einige 10.000 bis 100.000 jahre, die temperaturänderungen erfolgen also nicht so rasch, wie momentan zu beobachten

Cote 304
20
2.12.2011, 12:46

so lange es noch Eis auf der Welt gibt, leben wir in einer Eiszeit

andiem
01
2.12.2011, 10:23

zu ihrer frage:
gestern im servus tv ein talk im hangar 7. und davor der bemerkenswerte film: die welt von oben:
http://www.youtube.com/watch?v=G6tadeMMXl0
lg am

QUMI
02
2.12.2011, 10:08

Ich beobachte bei Bergwanderungen, dass die Vegetation erheblich weiter nach oben geht. Ich habe Bilder von vor 20 Jahren, da sind Berghänge nur Fels, wo heute Latschen (Pinus Mugo), etc. wachsen.

Marcus Maccabaeus
00
2.12.2011, 16:51
So ein Schmarren: Wie soll dort durch die "Globale Erwärmung" Humus hingekommen sein?

Oder ernähren sich ihre Latschen vom nackten Fels?

An diesem Unsinn sieht man, wie eine Propaganda zum Selbstläufer wird!

bAuminger
00
2.12.2011, 11:11

Vorsicht aber bei der Interpretation derartiger Beobachtungen, da sie gerade im Alpenraum oft mit Landnutzungsänderungen zusammen hängen (z.B. Auflassen von Almen und damit einhergehende Verbuschung). Womit ich natürlich nicht abstreiten will, dass die Klimaerwärmung einen beachtlichen Einfluss auf die subalpine und alpine Vegetation hat.

QUMI
00
2.12.2011, 13:23

Es geht nicht um Almen. Die Beobachtungen beziehen sich auf reinen Fels - Höhe ab ca. 2000

Bergdolm
32
2.12.2011, 09:31
Manche glauben ans Christkind

andere glauben, dass es subtropischer wird.

Und viele sagen, dass der "Glaube" ausstirbt - Blödsinn!

Faymanns bezahlter Jubelperser
41
2.12.2011, 09:17

Ich schau aus dem Fenster, draussen knackige -2 Grad, und das am Vormittag. Der Klimawandel könnt sich ruhig ein wenig beeilen damit wir auch noch was davon haben.

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