Schnittmengen und Förderung gemeinsam finden

25. November 2011, 17:13
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Künstlerinnen helfen Künstlerinnen - ein Mentoring-Projekt des Kulturministeriums startet demnächst in die zweite Runde

Elf erfahrene Künstlerinnen und in der Kulturszene etablierte Frauen sollten elf jungen Künstlerinnen aus den Bereichen Literatur, Musik, Film, Design und bildende Kunst über neun Monate hinweg begleiten und bei ihrer beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung unterstützen. So weit die Vorgabe.

Dass Mentoring sehr unterschiedlich verstanden werden kann und es viele verschiedene Möglichkeiten gibt, seiner Mentee zur Seite zu stehen, zeigt sich bei der Abschlussveranstaltung, zu der Ministerin Claudia Schmied lud, mit erfrischender Deutlichkeit. Manche "Tandems" kannten einander schon vor Beginn des Förderprogramms, andere wiederum waren sich noch nie zuvor begegnet. Beides habe Vor- und Nachteile meint Lilli Hollein, Patin von Stefanie Hilgarth in der Sparte Design. "Sich nicht zu kennen ist für den sich entspinnenden Dialog gut. Keine biografische Schnittmenge zu haben macht es möglich, ungeschminkt Kritik zu üben." Allerdings, man dürfe sich nicht zu viel erwarten. Das Jahr sei sehr schnell, eigentlich zu schnell vergangen, denn der Prozess des Sich-Kennenlernens benötige eben auch seine Zeit.

Mentee Hilgarth fühlt sich dennoch von dem Austausch bereichert: "Wir haben uns unter dem Überbegriff Design getroffen und festgestellt, dass unser beider Schnittpunkt doch ganz woanders liegt. Herauszufinden, was meine Interessenschwerpunkte tatsächlich sind, war sehr wertvoll für mich." Sie habe sich immer schon nach einer Mentorin gesehnt, erzählt die Musikerin Theresia Birngruber, weshalb sie sich auch bei dem Programm beworben habe. In Lucia Meschwitz fand sie ihren Konterpart. Hart und fordernd ist das Jahr gewesen, darin sind sich die beiden einig.

Was hat es gebracht? Darauf soll man nach gemeinsamer Arbeit mit einer konkreten Antwort aufwarten können, fordert Meschwitz von Anfang an: "Aber Lucia hatte es sehr schwer. Wenn man wie sie Vollzeit arbeitet, ist man vom Brotberuf ausgelaugt und kann sich nicht so um die Kunst kümmern." Sie bleibe mit dem Gefühl zurück, nicht genug gemacht zu haben, sagt Meschwitz.

Die Notwendigkeit, das eine oder andere zu verbessern, gibt es. Wie sollte es nach einem Pilotversuch auch anders sein? Die Bereitschaft seitens der Organisatoren scheint es zu geben. Erfreulich, denn der künstlerische Mix aus Film, Literatur, Musik ist für die anwesenden Mentees etwas Besonderes gewesen, der Austausch untereinander ebenso. Auf die Frage an alle Teilnehmerinnen, was für Ziele sie denn gemeinsam mit ihren Mentorinnen erreicht haben, antwortet Mentee Lucia Schrenk: "Die Reflexion ist das Beste gewesen." (jh/DER STANDARD; Printausgabe, 26./27.11.2011)

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