Griechenland hat tausende "Phantom-Pensionisten"

25. November 2011, 18:00
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Gelder für Verstorbene von Verwandten einkassiert. Derweil dürften die nächsten Athen-Kredite am Dienstag freigegeben werden

Athen/Brüssel - In Griechenland könnte es fast 21.000 "Phantom-Pensionisten" geben, für die der Staat auch noch nach ihrem Tod aufkommt. Es handelt sich dabei um Pensionisten, deren Tod von ihren Verwandten nicht gemeldet und deren Pension in vielen Fällen seit Jahren weiter ausgezahlt wurde. Dies ist das vorläufige Ergebnis einer Pensionistenzählung, die in den vergangenen Monaten in Griechenland erfolgte. "Bisher haben sich 20.907 Pensionisten nicht gemeldet. Die Frist läuft am 31. Dezember 2011 ab. Danach wird keine Pension mehr ausgezahlt", teilte die größte griechische Pensionsversicherung (IKA) am Freitag mit.

Bereits seit einigen Wochen habe sich kein Pensionisten mehr gemeldet. Dies zeige, dass die gezählten fast 21.000 sogenannten "Phantom-Pensionisten" "sehr wahrscheinlich nicht mehr am Leben sind", sagte ein IKA-Zuständiger am Freitag im griechischen Radio. Die IKA werde nach Abschluss der Zählung Verfahren zur strafrechtlichen Verfolgung der Verwandten in die Wege leiten, die die Renten illegal weiter kassierten.

Die Verluste der Pensionskasse könnten eine dreistellige Millionenhöhe ergeben, schätzte ein Mitarbeiter der IKA-Versicherung. Endgültige Ergebnisse der Pensionistenzählung solle es dann ab Jänner geben, sagte er weiter. Sozialbetrug hat im schuldengeplagten Griechenland schon mehrfach für Schlagzeilen gesorgt.

Acht Milliarden Kredite vor Start

Die Euro-Finanzminister werden bei ihrem Treffen am Dienstag voraussichtlich die nächste Kredittranche aus dem Rettungspaket für Griechenland freigeben. "Wir entscheiden jetzt zum dritten Mal über die sechste Tranche, vermutlich haben wir dieses Mal Glück", sagte eine mit der Vorbereitung der Sitzung vertraute Person am Freitag in Brüssel. Nachdem der Parteichef der Konservativen, Antonis Samaras, seinen Widerstand aufgegeben und die von den Euro-Ländern geforderte schriftliche Unterstützung des Spar- und Reformpakets eingereicht hat, ist die letzte große Hürde für die Auszahlung des Geldes überwunden. Ein zweiter EU-Diplomat sagte, Samaras Erklärung müsse genau geprüft werden, weil er zwar die Ziele einer Sanierung Griechenlands unterstütze, aber nicht vollständig den Weg dorthin. Dennoch rechnete auch er mit grünem Licht von den Finanzministern.

Für Griechenland wurde auf dem Euro-Krisengipfel Ende Oktober ein zweites Hilfsprogramm mit einem öffentlichen Beitrag von 130 Mrd. Euro vereinbart. Dies sollte bis zum Jahresende abgeschlossen werden. Doch einer der Insider sagte, es sei fraglich, ob dieser Termin gehalten werden könne. (APA)

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