In "Fred & Anabel" endet das Glück abrupt, als der Winter Einzug hält - für Kinder ab vier Jahren
In der Schule gibt es derzeit ein Lieblingsspiel, so wird zumindest zu Hause von der Tochter berichtet. Es könnte heißen "Wer ist mein bester Freund". Und wer nicht. Da wird streng eingeteilt in allerbesten, besten, nur zweitbesten usw. Das Karussell der Beliebtheit dreht sich schnell. Auch die Liebe dürfte in der ersten Klasse schon Thema sein, wird dem Vater erzählt. Von der Mutter. Wie schön dieses Gefühl sein kann, beschreibt Lena Hesse in ihrem Buch Fred & Anabel.
Ersterer, ein rotbräunlich gezeichneter Kater, und die Graugans Anabel verleben einen tollen Sommer zusammen. ",Hauptsache, wir sind zusammen!', sagten die beiden immer. Dann ging es ihnen gut. Richtig gut", heißt es in dem Bilderbuch für Kinder ab dem vierten, fünften Lebensjahr. Das Glück endet abrupt, als der Winter Einzug hält. Der Graugans wird es zu kalt, und sie schwirrt mit den anderen ab in den Süden. Hesses Liebesgeschichte erzählt hauptsächlich von der Sehnsucht, die beide befällt.
Und von den Fragen, die sie quälen. "Ob er wohl an mich denkt? ", fragt die Gans einmal. Kraftvoll illustriert wechseln die beiden Lebenswelten miteinander ab, zeigen die Winterlandschaft, das Haus, in dem der Kater wohnt, wie auch die Steppe, in denen die Gänse die Tage verbringen. Sie werden sich wieder treffen, der Winter dauert ja nicht ewig. Gott sei Dank, kann man da nur sagen. (Peter Mayr; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.11.2011)