"Viele Menschen haben dann das Gefühl: Da ist was dran"

Interview25. November 2011, 19:09
80 Postings

Wolfgang Zinggl über Einladungs- und Kulturpolitik, Mutmaßungen, Anschuldigungen und Unvereinbarkeiten

STANDARD: Sind Sie sensibel?

Zinggl: Ja, sehr. Warum?

STANDARD: Weil Sie so empfindlich reagieren, wenn es heißt, Sie würden eine VIP-Einladung zur Art Basel Miami bekommen. Das ist ja an sich nichts Strafbares.

Zinggl: Es ist nicht lustig, in Dinge reingezogen zu werden, mit denen ich definitiv nichts zu tun habe. Ich habe keine Einladung erhalten und auch nie um eine angesucht. In einen Briefumschlag, der schon geöffnet ist, kann alles reingesteckt worden sein. Und wie kann bitte ein Präsident der Kunsthalle etwas bestätigen, wenn er beim Öffnen des Briefes gar nicht dabei war?

STANDARD: Die beiden KunsthalleMitarbeiter, die das Kuvert unabsichtlich geöffnet haben, sind bereit, eine eidesstattliche Erklärung abzugeben.

Zinggl: Das sollen sie bitte machen. Ich kann mir das nicht vorstellen.

STANDARD: Art Basel Miami erklärt, Einladungen würden nicht nur auf persönliche Anfrage, sondern auch auf Vorschlag einer anderen Person oder aufgrund der Stellung einer Person ausgesprochen. Man habe Ihnen, wie in den vergangenen Jahren auch, eine Einladung geschickt: an den Kunstraum. Wie es dazu kam, dass Ihre Einladung in einem falschen Kuvert gesteckt sei, könne man sich nicht erklären.

Zinggl: Den Kunstraum gibt es seit 15 Jahren nicht mehr, und ich habe dort nie gearbeitet. Vielleicht wurde die Einladung schon seit langem der Kunsthalle statt dem Kunstraum zugestellt. Heuer hat sich möglicherweise wer gedacht: Die Einladung an den Zinggl stecken wir in ein an Thomas Mießgang adressiertes Kuvert ...

STANDARD: Eine schwere Anschuldigung.

Zinggl: Ich betone: möglicherweise. Und - im allerschlimmsten Fall: Was wäre dabei, wenn mir die Art Basel etwas schickt, was ich nicht angefordert habe?

STANDARD: Letzteres behauptet auch niemand ...

Zinggl: Aber die Färbung Ihres Artikels vorige Woche ging in diese Richtung. So wie Sie behaupten, dass ich Kunsthallenleiter werden möchte.

STANDARD: Abgesehen davon, dass es keine Behauptung, sondern eine Mutmaßung und daher als Frage verfasst war: Finden Sie das wirklich ehrenrührig?

Zinggl: Nein. Aber es kommt auf den Zusammenhang an. Viele Menschen überfliegen einen Artikel nur und haben dann das Gefühl: Da ist was dran.

STANDARD: Für das ungenaue Lesen kann man aber nicht unbedingt den Autor verantwortlich machen?

Zinggl: Wir Grünen legen größten Wert darauf, dass es keine Korruption gibt. Ich versuche, in der Kunst Dinge einzustellen, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten üblich geworden sind.

STANDARD: Als Kulturpolitiker Kuratoriumsvorsitzender des Mumok gewesen zu sein, haben Sie nicht als unvereinbar gesehen?

Zinggl: Es gibt keinen Paragrafen, der das verbieten würde.

STANDARD: Was ich tatsächlich verabsäumte, war, beim Passus über den Datenklau die Unschuldsvermutung anzufügen. Aber im Justizministerium liegt ein Vorhabensbericht der Staatsanwaltschaft.

Zinggl: Interessant. Ich weiß nichts von einem Antrag auf Aufhebung meiner Immunität. Mich erinnert das an Kafkas Der Prozess: Alle möglichen Leute wissen alles Mögliche. Nur ich leider nicht. Es ist ja auch ganz leicht, jemandem etwas vorzuwerfen. Und die Behörden müssen dem nachgehen. Aber ich bin mir in keiner Weise irgendeiner Schuld bewusst.

STANDARD: Mit Anschuldigungen gehen Sie selber nicht gerade sparsam um.

Zinggl: Wenn mir Menschen - ehemalige Angestellte und Leute, die mit der Kunsthalle zu tun hatten - Material auf den Tisch legen, bin ich als Politiker verpflichtet, etwas zu tun und der Staatsanwaltschaft Sachverhaltsdarstellungen zu übermitteln. Dafür als Scharfrichter bezeichnet zu werden, ist für einen Kulturpolitiker, der Malversationen aufdeckt, merkwürdig. Einer muss das ja machen.

STANDARD: Was machen Sie noch?

Zinggl: Eine sehr konstruktive Kulturpolitik. Wir wollen die Absicherung der vielen Kulturschaffenden, die sich in einer extrem schlechten sozialen Lage befinden. Jeder Euro, der verschwendet wird, geht jemandem verloren, der ihn braucht. Auch ein Museum der Kulturen ist für uns ein wichtiges Anliegen, weil es die Interkulturalität verstärken würde. Wir haben eine Vorlage zum Urheberrecht und Vorschläge zur Neugestaltung der Museumslandschaft gemacht. Das alles ist von mir täglich präsentierte Kulturpolitik. Ich brauche mir da nicht viel vorwerfen lassen, glaube ich.

STANDARD: Kriegt der Künstlerverein WochenKlausur, in dessen Vorstand Sie sitzen, Subventionen?

Zinggl: Ja, 20.000 Euro von der Stadt Wien.

STANDARD: Halten Sie das für mit Ihrer politischen Kontrollfunktion kompatibel?

Zinggl: Entschuldigen Sie, natürlich! Es sind doch viele bei irgendeinem Verein, was ist das Problem? Dann könnte auch kein Politiker mehr beim Bauernbund sein oder in der Arbeiterkammer oder in der Gewerkschaft.

STANDARD: Der Unterschied ist: Das sind, anders als die WochenKlausur, Interessenvertretungen.

Zinggl: Glauben Sie mir: An allen Verdächtigungen, ich würde unberechtigte Gelder beziehen, ist nichts dran. (Andrea Schurian, DER STANDARD - Printausgabe, 26./27. November 2011)

Wolfgang Zinggl (57) Der Wiener Künstler und Kulturwissenschafter ist seit 2004 Grünen-Nationalratsabgeordneter und Kultursprecher seiner Partei.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Grünen-Kultur- und -Minderheitensprecher Wolfgang Zinggl: "Ich habe nie um eine Einladung angesucht."

Share if you care.