Kultursprecher der Grünen

"Viele Menschen haben dann das Gefühl: Da ist was dran"

Interview | Andrea Schurian, 25. November 2011, 19:09
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    foto: apa/helmut fohringer

    Grünen-Kultur- und -Minderheitensprecher Wolfgang Zinggl: "Ich habe nie um eine Einladung angesucht."

Wolfgang Zinggl über Einladungs- und Kulturpolitik, Mutmaßungen, Anschuldigungen und Unvereinbarkeiten

STANDARD: Sind Sie sensibel?

Zinggl: Ja, sehr. Warum?

STANDARD: Weil Sie so empfindlich reagieren, wenn es heißt, Sie würden eine VIP-Einladung zur Art Basel Miami bekommen. Das ist ja an sich nichts Strafbares.

Zinggl: Es ist nicht lustig, in Dinge reingezogen zu werden, mit denen ich definitiv nichts zu tun habe. Ich habe keine Einladung erhalten und auch nie um eine angesucht. In einen Briefumschlag, der schon geöffnet ist, kann alles reingesteckt worden sein. Und wie kann bitte ein Präsident der Kunsthalle etwas bestätigen, wenn er beim Öffnen des Briefes gar nicht dabei war?

STANDARD: Die beiden KunsthalleMitarbeiter, die das Kuvert unabsichtlich geöffnet haben, sind bereit, eine eidesstattliche Erklärung abzugeben.

Zinggl: Das sollen sie bitte machen. Ich kann mir das nicht vorstellen.

STANDARD: Art Basel Miami erklärt, Einladungen würden nicht nur auf persönliche Anfrage, sondern auch auf Vorschlag einer anderen Person oder aufgrund der Stellung einer Person ausgesprochen. Man habe Ihnen, wie in den vergangenen Jahren auch, eine Einladung geschickt: an den Kunstraum. Wie es dazu kam, dass Ihre Einladung in einem falschen Kuvert gesteckt sei, könne man sich nicht erklären.

Zinggl: Den Kunstraum gibt es seit 15 Jahren nicht mehr, und ich habe dort nie gearbeitet. Vielleicht wurde die Einladung schon seit langem der Kunsthalle statt dem Kunstraum zugestellt. Heuer hat sich möglicherweise wer gedacht: Die Einladung an den Zinggl stecken wir in ein an Thomas Mießgang adressiertes Kuvert ...

STANDARD: Eine schwere Anschuldigung.

Zinggl: Ich betone: möglicherweise. Und - im allerschlimmsten Fall: Was wäre dabei, wenn mir die Art Basel etwas schickt, was ich nicht angefordert habe?

STANDARD: Letzteres behauptet auch niemand ...

Zinggl: Aber die Färbung Ihres Artikels vorige Woche ging in diese Richtung. So wie Sie behaupten, dass ich Kunsthallenleiter werden möchte.

STANDARD: Abgesehen davon, dass es keine Behauptung, sondern eine Mutmaßung und daher als Frage verfasst war: Finden Sie das wirklich ehrenrührig?

Zinggl: Nein. Aber es kommt auf den Zusammenhang an. Viele Menschen überfliegen einen Artikel nur und haben dann das Gefühl: Da ist was dran.

STANDARD: Für das ungenaue Lesen kann man aber nicht unbedingt den Autor verantwortlich machen?

Zinggl: Wir Grünen legen größten Wert darauf, dass es keine Korruption gibt. Ich versuche, in der Kunst Dinge einzustellen, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten üblich geworden sind.

STANDARD: Als Kulturpolitiker Kuratoriumsvorsitzender des Mumok gewesen zu sein, haben Sie nicht als unvereinbar gesehen?

Zinggl: Es gibt keinen Paragrafen, der das verbieten würde.

STANDARD: Was ich tatsächlich verabsäumte, war, beim Passus über den Datenklau die Unschuldsvermutung anzufügen. Aber im Justizministerium liegt ein Vorhabensbericht der Staatsanwaltschaft.

Zinggl: Interessant. Ich weiß nichts von einem Antrag auf Aufhebung meiner Immunität. Mich erinnert das an Kafkas Der Prozess: Alle möglichen Leute wissen alles Mögliche. Nur ich leider nicht. Es ist ja auch ganz leicht, jemandem etwas vorzuwerfen. Und die Behörden müssen dem nachgehen. Aber ich bin mir in keiner Weise irgendeiner Schuld bewusst.

STANDARD: Mit Anschuldigungen gehen Sie selber nicht gerade sparsam um.

Zinggl: Wenn mir Menschen - ehemalige Angestellte und Leute, die mit der Kunsthalle zu tun hatten - Material auf den Tisch legen, bin ich als Politiker verpflichtet, etwas zu tun und der Staatsanwaltschaft Sachverhaltsdarstellungen zu übermitteln. Dafür als Scharfrichter bezeichnet zu werden, ist für einen Kulturpolitiker, der Malversationen aufdeckt, merkwürdig. Einer muss das ja machen.

STANDARD: Was machen Sie noch?

Zinggl: Eine sehr konstruktive Kulturpolitik. Wir wollen die Absicherung der vielen Kulturschaffenden, die sich in einer extrem schlechten sozialen Lage befinden. Jeder Euro, der verschwendet wird, geht jemandem verloren, der ihn braucht. Auch ein Museum der Kulturen ist für uns ein wichtiges Anliegen, weil es die Interkulturalität verstärken würde. Wir haben eine Vorlage zum Urheberrecht und Vorschläge zur Neugestaltung der Museumslandschaft gemacht. Das alles ist von mir täglich präsentierte Kulturpolitik. Ich brauche mir da nicht viel vorwerfen lassen, glaube ich.

STANDARD: Kriegt der Künstlerverein WochenKlausur, in dessen Vorstand Sie sitzen, Subventionen?

Zinggl: Ja, 20.000 Euro von der Stadt Wien.

STANDARD: Halten Sie das für mit Ihrer politischen Kontrollfunktion kompatibel?

Zinggl: Entschuldigen Sie, natürlich! Es sind doch viele bei irgendeinem Verein, was ist das Problem? Dann könnte auch kein Politiker mehr beim Bauernbund sein oder in der Arbeiterkammer oder in der Gewerkschaft.

STANDARD: Der Unterschied ist: Das sind, anders als die WochenKlausur, Interessenvertretungen.

Zinggl: Glauben Sie mir: An allen Verdächtigungen, ich würde unberechtigte Gelder beziehen, ist nichts dran. (Andrea Schurian, DER STANDARD - Printausgabe, 26./27. November 2011)

Wolfgang Zinggl (57) Der Wiener Künstler und Kulturwissenschafter ist seit 2004 Grünen-Nationalratsabgeordneter und Kultursprecher seiner Partei.

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Posting 1 bis 25 von 80
1 2 3
General Obregon
03
6.12.2011, 17:55
Ich bin gespannt

auf Schurians sicherlich in Vorbereitung befindlichen ausführlichen Artikel über die wahren Hintergründe für Matts bevorstehden Spaziergang mit vollen Bezügen. Er wird bestimmt ein Vorbild journalistischen Objektivitäts sein!

Es ist eigenartig, dass die Chefredakteurin ihrer Kulturressortchefin überhaupt erlaubt, solche Schmutzwasserkampagnen zu führen.

Weiteres Beispiel:

http://derstandard.at/131918323... rwirrungen

Möge diese rbaiate Frau unter Ausficht gestellt werden, pronto!

General Obregon
00
6.12.2011, 18:04
journalistischer Objektivität

wutzwerg
13
28.11.2011, 09:33
interessant zu lesen.

vor allem dann, wenn man weiß, dass frau schurian mit gerald matt durchaus verhabert ist.

dolstnaretna hasenstück
36
27.11.2011, 17:06
also ich bin von diesem "interview" dass aus nebulosen insidervorwürfen besteht und den offensichtlich gefakent postings weiter unten erschüttert.

ich mochte schurian als kunststücke moderatorin, aber das ist nach der noeververteidigungsgeschichte jetzt schon ein bissl tief. kenne zingl nicht, aber wenn er malversationen aufdeckt und selbst sauber bleibt soll es mir sehr recht sein.

donna corleona
32
27.11.2011, 20:59
sehr seltsam

finde ich auch, dass die "causa Kunsthalle" auf eine Schlacht zwischen Zinggl und Matt reduziert wird.

In der Gemeinderatssitzung am 21.10. kritisierte die ÖVP-Kultursprecherin Leeb, "dass der Kulturstadtrat eine Neuorganisation der Kunsthalle angekündigt habe, aber nicht in der Lage sei, den Kunsthallendirektor Gerald Matt abzusetzen. Leeb brachte darauf einen Antrag ein, die Subventionen für die Kunsthalle Wien zu stoppen, Direktor Matt abzuberufen und eine Strukturänderung der Kunsthalle in die Wege zu leiten."

https://www.wien.gv.at/rk/msg/20... 21011.html
(vorletzter und letzter Absatz)

strickliesl
72
27.11.2011, 22:14
causa zinggl

leeb ist doch völlig irrelevant, ein nebenschauplatz. sie wollen doch nur von der causa zinggl ablenken: vorwurf des datenmissbrauchs, indirekter nutznießer städtischer subventionen als parlametarier, vip-packages ...

Heinz Anderle
 
32
27.11.2011, 16:56
§ 118a StGB Widerrechtlicher Zugriff auf ein Computersystem

Da die strafrechtliche Verfolgung einer Ermächtigung durch den Geschädigten bedarf, muß nicht notwendigerweise ein Immunitätsausschuß damit befaßt, ermittelt und Anklage erhoben werden.

Für ein erfolgreiches Aussitzen solcher Vorwürfe muß daher nicht einmal die Unschuldsvermutung gelten.

Ein Bezug zu konkreten Personen wird in diesem Leserkommentar ("Posting") dennoch nicht hergestellt.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

Tom93
01
27.11.2011, 13:43
was ist eigentlich die "art basel miami"?

ist das sowas wie die "freunde der italienischen oper", nur dass kein bewaffneter aus einer torte springt? aber was ist dann so ehrenrührig daran, dort eingeladen zu sein?

Heinz Anderle
 
40
27.11.2011, 17:01
Nein, aus der Torte ergießt sich ein...

... Steuergeldregen und Subventionsspringbrunnen auf alle Gäste am Tisch.

So eine Art Moneymaker für Staatskünstler, Kulturschaffende und alle, die sich dafür halten - "all you can grab!"

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

gießhübl!
00
28.11.2011, 17:48

haha, die art basel miami ist so ziemlich das gegenteil von dem was sie behaupten, ich glaube sogar das würde ihnen gefallen, lauter neureiche neoimperalisten, genau ihre kragenweite

Cle Mens
11
27.11.2011, 20:12
Posten Sie bitte nur über Dinge, die Sie auch verstehen.

Die Art Basel gehört momentan mit Sicherheit nicht dazu.

Heinz Anderle
 
00
28.11.2011, 05:53
Wie sie alle "Au!" schreien und rot stricheln!

Was ich von einer sich am liebsten wie Maden im Steuerspeck mästenden "Kultur"-Clique wirklich gerne hören würde, wäre das entsprechende Geräusch der Handschellen.

Subventionskünstler u. dgl. stehen nicht über dem Gesetz.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

Cle Mens
02
28.11.2011, 11:12
Wen meinen Sie denn überhaupt?

Wer soll das sein, diese mysteriöse, böse Clique? Dumpfe Feindbilder sind das, mehr nicht.
Denn was hat der Kunstmarkt mit Steuergeld, was haben Kunstmessen mit Subventionen für Künstler zu tun? Und wer lebt wie die Made im Speck?

sergeifreud
23
28.11.2011, 07:51
Mei, wie lieb …

da hat sich ein kronen zeitung leser hierher verirrt.
keiner hat "au" geschrien und rote stricherl sind's auch nur 3.
der geist scheint wohl voller selbstüberschätzung aber dafür frei von verstand zu sein.

sweetmaker
 
01
29.11.2011, 12:18
grün

für "selbstüberschätzung"

kenne sonst keinen poster, der es nötig hat immer mit "dr. ... freigeist" zu unterschreiben.

lächerlich

Tom93
02
27.11.2011, 13:38
der ist aber gut gelaunt

gaaanz locker und völlig entspannt gibt der profi zinggl ein interview, das alle zweifel an seiner eignung zum abgeordneten ausräumt.

silberstürmer1
45
27.11.2011, 11:31
....worum gehts eigentlich 2

und jetzt entblödet man sich nicht, der schurian einen vorwurf zu machen, weil sie nach einer monatelangen medienkampagne gegen den betreiber derselben ein paar fragen stellt; zu einem laufenden verfahren wegen datenmissbrauch und zu eigenen unvereinbarkeiten; wer bei anderen derart strenge maßstäbe anlegt und ein offenes verfahren wegen datenmissbrauch hat, wie der herr zinggl, sollte nicht wehleidug sein; aber völlig letztklassig ist es, die schurian anzugreifen, weil sie bei der zinggl-miesgang jagdgesellschaft nicht mitmacht.

sergeifreud
34
27.11.2011, 17:32
ach ja, noch so ein "fake" poster

der eigenartigerweise noch nie vorher gepostet hat (so wie "til1" und "strickliesl") aber jetzt plötzlich der schurian zu hilfe eilt - faymann lässt grüssen!!!

netter versuch frau schurian - oder herr matt :D

Keine Ahnung
00
28.11.2011, 14:24
auch wenn ich ständig meine Meinung zur genannten Redakteurin kundtue

und ihren Namen nicht mehr erwähne, weil meine Postings sonst in der Zensur des Standard hängenbleiben - an die Verschwörungstheorie der Fakeposter glaube ich nicht.
So dumm ich diese Meinung finde, muss ich sie anderen dennoch zugestehen.

sergeifreud
21
28.11.2011, 16:01
natürlich, aber

"silberstürmer1" ist da ein ganz besonderer fall:

er/sie behauptet nämlich, dass meine feststellung er/sie hätte noch nie ausserhalb dieses artikels gepostet, FALSCH wäre.
tatsächlich muss man nur follower von "silberstürmer1" werden (kann man gleich wieder rückgängig machen) um festzustellen, dass er/sie tatsächlich noch nie wo anders gepostet hat.

jetzt drängt sich doch die legitime frage auf, warum er/sie diese nachweisliche feststellung von mir abstreitet - nämlich zu einem zeitpunkt, da er/sie noch nicht wusste, wie man so etwas überprüfen kann?

Keine Ahnung
00
29.11.2011, 03:40

das klingt allerdings sehr überzeugend, wusste ich auch nicht...

silberstürmer1
33
27.11.2011, 20:42
...nana, nicht jeder ist gleich ein fake-poster

wenn und weil er eine andere meinung vertritt als sie;woher glauben sie denn zu wissen, dass ich nie zuvor gepostet hätte; nachdem es nicht stimmt, sind sie zumindest datenschutzrechtlich harmlos, dann ist es nur ein plumper versuch eine meinung zu diskreditieren; mein lieber sergeifreud, mir ist völlig egal, ob und wann sie was posten, ob sie ein zinggl freund sind oder in wahrheit miesgang heißen, mir ist auch egal, ob sie ein fake poster sind; schreiben sie, wenn sie in der sache was zu sagen haben; dass es in der affäre zinggl zwei lager gibt, ist ja wohl wirklich nichts neues

sergeifreud
00
28.11.2011, 07:43

siberstürmer1:

sie brauchen mir nicht mit datenschutzrecht drohen. die information wann und wo sie im standard posten ist für jedermann abrufbar.

ihre behauptung sie hätten bereits zu anderen themen im standard gepostet ist schlchtweg falsch und erlogen.

somit wäre auch bewiesen, dass sie nichts anderes als ein "fake"-user sind um hier stimmungsmache gegen zinggl und für schurian zu machen.

dasselbe gilt wahrscheinlich für "til1" und "strickliesl".

silberstürmer1
00
28.11.2011, 08:35
....noch eins

da müssens mir einen tipp geben; wie kann ich mir denn z.b. all ihre postings abrufen; ich weiss das nämlich nicht; sins so nett

sergeifreud
00
28.11.2011, 09:39
wozu denn?

so lassen sich wenigstens die unbedarftesten schwindler aufdecken :P

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