"Ein größeres Ereignis als die Fußball-WM"

25. November 2011, 17:26
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"Grüne" Versorgung und Schnellgerichte: Durban ist für die Uno-Konferenz gerüstet

Nur wenige Minuten vom Indischen Ozean entfernt finden ab Montag im südafrikanischen Durban die Verhandlungen zum Klimaschutz statt. Zwei Wochen lang wird das internationale Konferenzzentrum zum Arbeitsplatz für bis zu 30.000 Delegierte und rund 2000 Medienvertreter - und damit zum Hoffnungsträger für wirtschaftliche Profite; denn die Stadt verspricht sich lukrative Einnahmen durch den Besucherstrom in der sonst ruhigen Stadt.

Die Uno, der Ausrichter der Konferenz, gab dem Konferenzzentrum einen "Inselstatus"; die Teilnehmer finden nur unter strikten Sicherheitsvorkehrungen Zugang. Hotels und Restaurants warten auf den großen Boom.

Durban ist die Metropole der indischen Gemeinde in Südafrika, und viele Händler haben sich auf gute Geschäfte eingestellt. "Für uns ist die Konferenz ein größeres Ereignis als die Fußballweltmeisterschaft 2010", sagt Bürgermeister James Nxumalo. "Die Besucher bleiben zwei Wochen in unserer Stadt. Und wir sind auf die Welt als Gast vorbereitet.

Allein die Hotelindustrie soll 500 Millionen Rand (ca. 50 Mio. Euro) einnehmen. 160.000 Betten sind - oft mit dreifachem Preisaufschlag - gebucht, und die Hotels und Gästehäuser haben seit langem kein Zimmer mehr frei. Ein starkes Aufgebot von Polizei- und Sicherheitskräften soll die Sicherheit während der Konferenz und rund um die Uhr zu stärken, wenn Besucher zwischen den Ausstellungshallen, dem Konferenzzentrum und den zahlreichen Veranstaltungen und Konzerten an Durbans Strandpromenade hin- und herpendeln. Sondergerichte werden - ähnlich wie bei der WM 2010 - im 24-Stunden-Rhythmus kriminelle Vorfälle verhandeln, noch bevor Besucher wieder in ihre Heimat zurückkehren.

Ein Jahr Vorbereitung

Obwohl die 3,5-Millionen-Stadt Durban nur ein Jahr Zeit hatte, die Infrastruktur auszubauen und die Logistik für den reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, seien alle notwendigen Vorbereitungen jetzt getroffen worden. "Wir hatten weniger als ein Prozent des WM-Budgets 2010 zur Verfügung", sagt Sue Bannister, Leiterin der strategischen Planungseinheit der Stadtverwaltung. Etwa 50 Millionen Rand (fünf Mio. Euro) werden für die Tagung ausgegeben.

Durban hat Erfahrung mit der Organisation von großen Konferenzen. Die Informationstechnologie und Infrastruktur ist verbessert, und für diese Konferenz ist besonders auf "grüne" Versorgung geachtet worden: Weniger abgefülltes Wasser in Flaschen, mehr umweltfreundliche Verpackungen bei Nahrungsmitteln.

Die "grünen Programme" der Stadt sollen auch nach der Konferenz nachhaltig wirken. Die Stadtväter sehen es als großen Vorteil, die weltbesten Wissenschafter, Umweltschützer und Zivilorganisationen zu Gast zu haben, denn das sei eine einmalige Gelegenheit, über die eigenen ökologischen "footprints" nachzudenken.

Durbans Bürgermeister ist stolz, die größte Konferenz, die jemals in Afrika abgehalten wurde, eröffnen zu können. Stadtbewohner sind wegen der globalen Veranstaltung in ihrem Ort bereits besser über Energiesparmethoden aufgeklärt.

Im Rahmen vieler Initiativen sind Bäume gepflanzt worden, und besonders in Townships und armen Wohngegenden laufen Informationskampagnen zum Schutz des Klimas. Jedoch gibt es auch Stimmen, die das Geld für die Organisation des Klimagipfels lieber gespart hätten. Sie glauben, in den Konferenzhallen werde es keine wirklichen Fortschritte in der Klimapolitik geben. (Martina Schwikowski, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 26.11/27.11.2011)

  • Die Klimakonferenz startet am Montag in Südafrika. EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard ist einer der wichtigsten Verhandler der über 30.000 teilnehmenden Personen.
    foto: epa/hoslet

    Die Klimakonferenz startet am Montag in Südafrika. EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard ist einer der wichtigsten Verhandler der über 30.000 teilnehmenden Personen.

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    Einstweilen mahnen traditionelle Zulu-Frauen in der Straßen von Durban vor dem Klimawandel.

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    Für viele, hier eine philippinische Frau, geht es in Durban um ein Eingreifen der USA.

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