"Grüne" Versorgung und Schnellgerichte: Durban ist für die Uno-Konferenz gerüstet
Nur wenige Minuten vom Indischen Ozean entfernt finden ab Montag im
südafrikanischen Durban die Verhandlungen zum Klimaschutz statt. Zwei
Wochen lang wird das internationale Konferenzzentrum zum Arbeitsplatz
für bis zu 30.000 Delegierte und rund 2000 Medienvertreter - und damit
zum Hoffnungsträger für wirtschaftliche Profite; denn die Stadt
verspricht sich lukrative Einnahmen durch den Besucherstrom in der sonst
ruhigen Stadt.
Die Uno, der Ausrichter der Konferenz, gab dem Konferenzzentrum einen
"Inselstatus"; die Teilnehmer finden nur unter strikten
Sicherheitsvorkehrungen Zugang. Hotels und Restaurants warten auf den
großen Boom.
Durban ist die Metropole der indischen Gemeinde in Südafrika, und viele
Händler haben sich auf gute Geschäfte eingestellt. "Für uns ist die
Konferenz ein größeres Ereignis als die Fußballweltmeisterschaft 2010",
sagt Bürgermeister James Nxumalo. "Die Besucher bleiben zwei Wochen in
unserer Stadt. Und wir sind auf die Welt als Gast vorbereitet.
Allein die Hotelindustrie soll 500 Millionen Rand (ca. 50 Mio. Euro)
einnehmen. 160.000 Betten sind - oft mit dreifachem Preisaufschlag -
gebucht, und die Hotels und Gästehäuser haben seit langem kein Zimmer
mehr frei. Ein starkes Aufgebot von Polizei- und Sicherheitskräften soll
die Sicherheit während der Konferenz und rund um die Uhr zu stärken,
wenn Besucher zwischen den Ausstellungshallen, dem Konferenzzentrum und
den zahlreichen Veranstaltungen und Konzerten an Durbans Strandpromenade
hin- und herpendeln. Sondergerichte werden - ähnlich wie bei der WM 2010
- im 24-Stunden-Rhythmus kriminelle Vorfälle verhandeln, noch bevor
Besucher wieder in ihre Heimat zurückkehren.
Ein Jahr Vorbereitung
Obwohl die 3,5-Millionen-Stadt Durban nur ein Jahr Zeit hatte, die
Infrastruktur auszubauen und die Logistik für den reibungslosen Ablauf
zu gewährleisten, seien alle notwendigen Vorbereitungen jetzt getroffen
worden. "Wir hatten weniger als ein Prozent des WM-Budgets 2010 zur
Verfügung", sagt Sue Bannister, Leiterin der strategischen
Planungseinheit der Stadtverwaltung. Etwa 50 Millionen Rand (fünf Mio.
Euro) werden für die Tagung ausgegeben.
Durban hat Erfahrung mit der Organisation von großen Konferenzen. Die
Informationstechnologie und Infrastruktur ist verbessert, und für diese
Konferenz ist besonders auf "grüne" Versorgung geachtet worden: Weniger
abgefülltes Wasser in Flaschen, mehr umweltfreundliche Verpackungen bei
Nahrungsmitteln.
Die "grünen Programme" der Stadt sollen auch nach der Konferenz
nachhaltig wirken. Die Stadtväter sehen es als großen Vorteil, die
weltbesten Wissenschafter, Umweltschützer und Zivilorganisationen zu
Gast zu haben, denn das sei eine einmalige Gelegenheit, über die eigenen
ökologischen "footprints" nachzudenken.
Durbans Bürgermeister ist stolz, die größte Konferenz, die jemals in
Afrika abgehalten wurde, eröffnen zu können. Stadtbewohner sind wegen
der globalen Veranstaltung in ihrem Ort bereits besser über
Energiesparmethoden aufgeklärt.
Im Rahmen vieler Initiativen sind Bäume gepflanzt worden, und besonders
in Townships und armen Wohngegenden laufen Informationskampagnen zum
Schutz des Klimas. Jedoch gibt es auch Stimmen, die das Geld für die
Organisation des Klimagipfels lieber gespart hätten. Sie glauben, in den
Konferenzhallen werde es keine wirklichen Fortschritte in der
Klimapolitik geben. (Martina Schwikowski, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 26.11/27.11.2011)