Forderung: Zurückgetretener Präsident soll vor Gericht gestellt werden
Sanaa - Die Massenproteste im Jemen gehen auch nach dem
Abtritt von Präsident Ali Abdullah Saleh weiter: Zehntausende
Menschen strömten nach den Freitagsgebeten auf die Straßen der
Hauptstadt Sanaa. Das berichtete der Nachrichtensender Al-Jazeera.
Die Demonstrationen verliefen friedlich. Die Demonstranten fordern,
dass Saleh der Prozess gemacht wird. "Die Revolution wird
weitergehen, bis das Ziel erreicht ist", sagte der Demonstrant Mohsen
al-Matari.
Der Fernsehsender zeigte auch Bilder aus dem jemenitischen
Staatsfernsehen, wo jubelnde Saleh-Unterstützer zu sehen waren. Auch
in der südlich gelegenen Stadt Taiz gingen die Proteste weiter. Dort
würden regimetreue Truppen auf die Menschen schießen, berichteten
Aktivisten.
Schießereien
In der Nacht auf Freitag war es erneut zu Schießereien gekommen.
Mitglieder der Republikanischen Garde hatten in Sanaa nahe des
Taghier-Platzes das Feuer eröffnet. Es gab keine Berichte über
Verletzte. Am Donnerstag waren Medienberichten zufolge fünf Menschen
bei Protesten getötet worden und 22 verletzt.
Am Mittwoch hatte Saleh und die Vorsitzenden der
Oppositionsparteien in Saudi-Arabien seinen Abgang unterzeichnet.
Dieser sieht Straffreiheit für den Präsidenten und seine Familie vor.
An der Formulierung des Dokuments hatten die Golf-Staaten und die
Vereinten Nationen mitgearbeitet. Es verschafft dem seit 1978
amtierenden Präsidenten einen würdevollen Abgang. Saleh soll 90 Tage
lang "Ehrenpräsident" des Jemen bleiben und die Macht an seinen
Stellvertreter Abd-Rabbu Mansour Hadi sowie eine noch zu bildende
Übergangsregierung abtreten. Anschließend soll ein neuer Präsident
gewählt werden. (APA)