Wenn Klimaschutz ein Schild an der Ortseinfahrt ist

  • "Viele glauben, es sei damit getan, bei der Ortseinfahrt eine Tafel aufzustellen mit der Aufschrift Klimabündnisgemeinde. Nichts ist getan", sagt Christian Plas, Gründer und Geschäftsführer der Denkstatt, ein auf Umweltmanagement und nachhaltige Entwicklung spezialisiertes Beratungsunternehmen.
    foto: klimabuendnis.at

    "Viele glauben, es sei damit getan, bei der Ortseinfahrt eine Tafel aufzustellen mit der Aufschrift Klimabündnisgemeinde. Nichts ist getan", sagt Christian Plas, Gründer und Geschäftsführer der Denkstatt, ein auf Umweltmanagement und nachhaltige Entwicklung spezialisiertes Beratungsunternehmen.

Den CO2-Ausstoß auf lokaler Ebene senken und den Amazonas-Regenwald erhalten: Diesem Ziel haben sich diverse Gemeinden in Europa verschrieben. In Österreich sind es besonders viele - auch viele Trittbrettfahrer

Wien - Alles wird teurer: Winterdienst, Kindergarten, Schwimmbad. Auch der Gemeindelift kostet. Die Gemeinden als Erhalter müssen tiefer in die Tasche greifen. Dort ist dann wenig bis gar kein Geld mehr, um Sachen zu machen, die auch wichtig sind - Klimaschutz zum Beispiel.

"Viele glauben, es sei damit getan, bei der Ortseinfahrt eine Tafel aufzustellen mit der Aufschrift Klimabündnisgemeinde. Nichts ist getan", sagt Christian Plas, Gründer und Geschäftsführer der Denkstatt, ein auf Umweltmanagement und nachhaltige Entwicklung spezialisiertes Beratungsunternehmen, dem Standard.

Thomas Ebner von Enertec, einem Ingenieurbüro mit Schwerpunkt Energie-, Kälte- und Haustechnik, pflichtet bei: "Es gibt Gemeinden, die wollen lieber heute als morgen energieautark werden, und andere, die belassen es beim Taferl-Aufstellen."

Klimabündnis sieht rühriges Netzwerk

Peter Molnar, Geschäftsführer des Klimabündnis Österreich, sieht das Glas dennoch lieber halb voll als halb leer. Es sei richtig, dass es Trittbrettfahrer gebe, insgesamt sei das Netzwerk aber doch sehr rührig. Sagt er.

In der Tat sticht Österreich zumindest zahlenmäßig heraus. Nirgendwo sonst in Europa gibt es eine vergleichbare Dichte an Kommunen, die sich in einer Art Selbstverpflichtung der vor 20 Jahren entstandenen Initiative namens Klimabündnis angeschlossen haben. 930 Gemeinden, jede dritte in Österreich, gehört dem Bündnis an.

In ganz Europa gibt es etwa 1600 Städte und Kommunen, die mitmachen. Größere Aktivitäten gibt es in Deutschland, der Schweiz, Luxemburg und Italien. Ansätze sind in Ungarn erkennbar, Interesse besteht auch in Tschechien, Slowakei und Slowenien.

Seit über 20 Jahren

Die Idee für das Klimabündnis ist 1989 anlässlich der Amazonientage in Berlin entstanden. Molnar: "Da wurde gesagt, es müsse ein Bündnis her zwischen Gemeinden in Europa, die Klimaschutz betreiben, und indigenen Stämmen im Amazonasgebiet, die den Regenwald erhalten."

In einem Gemeinschaftsprojekt mit der Entwicklungshilfeorganisation Horizont 3000 setzt sich das Klimabündnis Österreich dafür ein, dass indigene Völker am Oberlauf des Amazonas die Landrechte erhalten. Man hofft, dass dann die Ausbeutung des Regenwaldes unterbleibt. Von den Mitgliedsbeiträgen der Klimabündnis-Gemeinden geht ein Drittel in die Entwicklungskooperation.

Klimaclown, -Kabarett und -Kasperltheater

800 bis 1000 Euro zahlt eine Gemeinde im Durchschnitt pro Jahr, Kommunen mit mehr als 10.000 Einwohnern etwas mehr. Im Gegenzug erhalten sie Tipps, was lokal zum Schutz des Klimas gemacht werden kann. Molnar: "Zuallererst schauen wir auf Energieeffizienz. Erneuerbare Energien, Mobilität und Raumplanung sind weitere wichtige Felder." Am liebsten - weil effektivsten - arbeite man mit Best-Practice-Beispielen. Die hundert Besten sind auf der Homepage abrufbar. Zusätzlich werden Schulungen für Gemeindebedienstete veranstaltet.

Ein weiterer Aktivitätsschwerpunkt sind Industrie- und Gewerbebetriebe sowie Schulen. Mit Klimaclown, -Kabarett und -Kasperltheater wird versucht, Kinder für Klimaschutz zu sensibilisieren.

Damit aber wirklich etwas weitergeht, müssten die Gemeinden zweckgebunden mehr Geld bekommen, meint Christian Plas von der Denkstatt. "Am besten beim nächsten Finanzausgleich." (Günther Strobl /DER STANDARD, Printausgabe, 26./27. November 2011)

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