Geförderter Wohnbau will nicht ausgebremst werden

  • Alles Bremse, oder was? - Der geförderte Wohnbau fürchtet, unter die Räder zu kommen, wenn die Republik die Schuldenbremse anzieht.
(Foto: Matthias Balzer / pixelio.de)
    foto: matthias balzer / pixelio.de

    Alles Bremse, oder was? - Der geförderte Wohnbau fürchtet, unter die Räder zu kommen, wenn die Republik die Schuldenbremse anzieht.

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Warnungen vor negativen Folgen, falls die Wohnbauförderung gekürzt wird, die "eigentlich angehoben werden sollte"

Wien - Vertreter des geförderten Wohnbaus und der Baustoffindustrie warnen vor negativen Auswirkungen der geplanten Schuldenbremse auf die staatliche Wohnbauförderung. Sie rechnen damit, dass die Regierung bei ihren Sparbemühungen auch bei der Wohnbauförderung kürzen wird, die mit knapp drei Milliarden Euro einen wesentlichen Teil des bei den Sparüberlegungen diskutierten Fördervolumens von 14 bis 15 Milliarden Euro ausmache. "Auch die 20 Prozent, die von den Neubaumitteln zur Sanierung umgeschichtet werden, gehen uns ab", sagte Karl Wurm, Obmann des Verbands Gemeinnütziger Bauvereinigungen, am Freitag.

"Die Politik darf sich nicht aus dem Sektor Wohnbau zurückziehen", forderte auch Carl Hennrich, Geschäftsführer des Fachverbandes der Stein- und keramischen Industrie. Und Wolfgang Amann, Leiter des Instituts für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW), hielt fest, dass die Wohnbauförderung eine "wirtschafts-, sozial- und umweltpolitische Errungenschaft" sei, die man nicht so einfach aus- und wieder einschalten könne. Ohne geförderten Wohnbau würde es zu einem Einbruch bei Bauproduktion und Beschäftigung sowie durch die Enge am Wohnungsmarkt unweigerlich auch zu steigenden Preisen kommen.

"Anheben statt kürzen"

"In Wirklichkeit sollte die Wohnbauförderung angehoben werden", sagte Wurm. Kürzungen würden sich nicht nur auf den Wohnungsneubau und die gesamte Baubranche, sondern auch auf den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft negativ auswirken. Dieser Zusammenhang sei bisher viel zu wenig in den Vordergrund gerückt worden.

Bis 2030 werde es laut Statistik Austria in Österreich um 600.000 Menschen mehr geben, das bedeute einen Zuwachs um 33.000 pro Jahr und einen um 30 Prozent höheren Wohnbedarf. Um diesen zu decken, müssten pro Jahr 50.000 neue Wohnungen errichtet werden. Derzeit würden 45.000 bewilligt, so Wurm. Die Förderungszusicherungen der öffentlichen Hand seien aber bereits von 2009 auf 2010 um 19 Prozent von rund 34.000 auf 28.000 Einheiten zurückgegangen. Dieser Trend sei noch nicht zu Ende. 

Jährlicher Kaufkraftverlust

Derzeit substituiere zwar noch der freifinanzierte Wohnbau die Lücke weitgehend, dies hänge aber vor allem mit der Finanzkrise zusammen, die einen Run auf Immobilien als Anlageprodukt hervorrief. Diese Produkte seien aber für mittlere und untere Einkommen nicht leistbar. Er hoffe, dass sich diese Angst nicht weiter verstärke, so Wurm. Das Verhältnis zwischen geförderten und frei finanzierten Wohnungen habe sich von 80 zu 20 auf 60 zu 40 geändert. 

Ohnehin werden die drei Milliarden Euro an Wohnbauförderung, die der Bund an die Länder ausschüttet, jedes Jahr weniger wert - sie sind nicht an den Index angepasst. Real geht damit jährlich ein Kaufkraftverlust einher, der sich noch dazu wegen der stärker als der VPI steigenden Baukosten noch dramatischer auswirke, beklagen Brancheninsider immer wieder.

Neben der Ausdünnung bei der Wohnbauförderung bereitet den Wohnungsbauern auch die Refinanzierung Sorgen. Durch die verschärften Eigenkapitalerfordernisse der Banken verknappe und verteuere sich das langfristige Geld, so Wurm. 

"Exzellente" Wohnbauförderung

Im länderübergreifenden Vergleich schneide die heimische Wohnbauförderung im übrigen "exzellent" ab: Während der Staat in Österreich nur 0,9 Prozent des BIP für das Wohnen aufwende, seien es in Großbritannien weit über zwei Prozent. "Dennoch ist die Wohnbauleistung Österreichs - bezogen auf die Bevölkerungszahl - mehr als doppelt so hoch wie in Großbritannien: In Österreich lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung in geförderten Wohnungen."

Die Wohnbauförderung sei zugleich auch das effektivste Lenkungsinstrument für energieschonendes Bauen, so Hennreich. Die neue EU-Gebäuderichtlinie verlangt, dass ab 2020 alle Neubauten als Niedrigstenergiegebäude errichtet werden. Für öffentliche Gebäude gilt dies bereits ab 2018. (APA/red)

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