Gewalt in der Schule

Schmied lehnt "Rohrstaberl-Debatten" ab

25. November 2011, 14:35

Pflichtschullehrergewerkschaft hatte mehr Durchgriffsrechte bei Problemschülern gefordert - Schmied gegen "obrigkeitsstaatliche Sanktionenregimes im Kasernenhofstil"

Wien - Dass Gewalt in der Schule keinen Platz haben darf, darin sind sich alle Schulpartner einig. Nicht aber darin, wie darauf reagiert werden soll. Während die Pflichtschullehrergewerkschaft bei Problemschülern mehr Durchgriffsrechte für Lehrer fordert und unkooperativen Eltern die Familienbeihilfe einfrieren will, plädierte Claudia Schmied (SPÖ) heute bei der Vernetzungstagung der Anti-Gewaltkampagne "Weiße Feder" für "Respekt und Wertschätzung". "Rückfälle in 'Rohrstaberl-Debatten' und die 'Schwarze Pädagogik' des 19. Jahrhunderts mit ihren erwiesenermaßen schrecklichen Folgen lehne ich dabei vehement ab", so Schmied in einer Aussendung.

Die Ministerin rief Schulpartner aus allen Bundesländern zu einer "gemeinsamen Kraftanstrengung auf", schließlich könnten "Phänomene" rund um Gewalt an der Schule "durch Dialog und Kooperation (...) am wirkungsvollsten bekämpft werden". Das hätten Erfahrungsberichte jener Schulen gezeigt, die sich aktiv an Anti-Gewaltprogrammen beteiligen. Zudem hätten zwei Drittel der Schulen mittlerweile in Verhaltensvereinbarungen unter Einbeziehung aller Schulpartner Folgen von bestimmten Handlungen vereinbart. "Das ist demokratiepolitisch und pädagogisch weitaus sinnvoller und wirksamer als obrigkeitsstaatliche Sanktionenregimes im Kasernenhofstil", so Schmied unter Berufung auf Experten aus den Bundesländern.

"Wir sind die Schule und nicht die Polizei"

Die Lehrervertreter forderte sie direkt auf, "die Lehrerschaft zur Teilnahme an Programmen gegen Gewalt zu motivieren". Von der Forderung von Pflichtschullehrer-Gewerkschafter Paul Kimberger von der VP-nahen Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG), unkooperativen Eltern von Problemschülern die Familienbeihilfe einzufrieren, hält sie nichts. "Wir sind die Schule und nicht die Polizei", so Schmied. "Es ist aus legistischen und pädagogischen Gründen absolut undenkbar, dass LehrerInnen plötzlich Geldstrafen von Eltern einzuheben beginnen." Stattdessen werde im Umgang mit längerfristig verhaltensauffälligen Schülern verstärkt auf regionale Unterstützungssysteme wie etwa schulpsychologische Beratungsstellen gesetzt.

Um Gewalt bereits im Vorfeld zu vermeiden, bieten die Aktionen "Weiße Feder" und "Macht/Schule/Theater" Schulen u.a. Schulpsychologen, eigene Beratungsstellen in jedem Bundesland, Fortbildungsangebote an Pädagogischen Hochschulen (PH) sowie Pilotprojekte zum Ausbau schulischer Sozialarbeit an.

Amon: "Natürlich verständlich

VP-Bildungssprecher Werner Amon spricht sich für eine Beratung mit Schulpartnern über "erweiterte pädagogische Interventionsmöglichkeiten" aus. Während Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) der Forderung der Pflichtlehrergewerkschaft nach mehr Durchgriffsrechten bei Problemschülern eine Absage erteilt hat, hält Amon den Vorstoß am Freitag in einer Aussendung für "natürlich verständlich".

"Der Hilferuf unserer Lehrerinnen und Lehrer muss ernst genommen werden", so Amon, immerhin seien diese in der Schule oft schwierigen Situationen ausgesetzt. Es sei nicht immer leicht, dabei die "richtigen pädagogischen Maßnahmen" zu setzen.(APA)

 

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19 Postings
f.j.neffe
 
00
22.1.2012, 15:49
Sie machen nicht mit - daran scheitert immer noch alles.

Noch nie war die Pädagogik so perfekt wie heute und dennoch scheitert sie seit alters immer am selben Problem: "Die machen nicht mit!" Da bereitet man täglich mit Fleiß und Akribie die allerbesten Unterrichtsschablonen vor und die FÜGEN SICH NICHT EIN! Man meint es ihnen doch so gut, aber SIE UNTERWERFEN SICH NICHT! Noch nie war die Pädagogik so wissenschaftlich abgesichert, aber SIE MACHEN NICHT MIT! Wie soll man da mit dem Vollzug des Lehrplans durchkommen?
Als Ich-kann-Schule-Lehrer unterscheide ich zwischen (sehr seltenen) SCHULEN und (das ist der Regelfall) Unterrichtsvollzugsanstalten. In letzteren wird DRUCK gemacht, in ersteren lässt man sich was einfallen, was ZIEHT.
Ich grüße freundlich.
Franz Josef Neffe

GoodieGoodie
00
17.1.2012, 00:09

Und was meint die Frau Ministerin?
Dass es besser wird, wenn man möglichst viele Kinder mit den unterschiedlichsten intellektuellen und sozialen Fähigkeit mit immer weniger Lehrern für immer längere Zeit mit immer weniger Sanktionsmöglichkeiten in Schulen kaserniert?
(= Gesamtschule, Ganztagsschule, keine Leistungsgruppen, keine Noten, kein Sitzenbleiben, keine Disziplin-Sanktionen,...)
Glaubt sie das wirklich???

Sche
02
28.11.2011, 17:55
Verhaltensvereinbarungen

Schön, dass die Frau Minister auf diese Möglichkeit hinweist. Sie hat allerdings vergessen zu erwähnen, dass diese Vereinbarungen rechtlich nicht bindend sind, und daher nicht einmal das Papier wert sind.

Was nützt es, wenn Schüler, Eltern und Lehrer gemeinsame Regeln aufstellen, wenn diese keine Gültigkeit haben?

ride my pimp
01
12.1.2012, 19:25

und wenn ein Schüler beweist, dass er die Verhaltensvereinbarungen nicht kennt und ein Waschbecken aus der Verankerung reißt, dann darf er aber die Schulordnung nicht abschreiben, denn das wäre ja eine Strafaufgabe, und strafen darf ein Lehrer nie und nimmer. Er darf nur fragen: was hast du dir dabei gedacht? oder: das finde ich aber nicht in ordnung.

mehr nicht. von rohrstaberl weit und breit keine spur.

aber schmied polemisiert an allen ecken und enden.

asinus
02
29.11.2011, 05:45

Wir haben Verhaltensvereinbarungen erarbeitet, die wurden von allen Schulpartnern abgesegnet; wir sind ihnen auch positiv gegenübergestanden, aber die Wirkung: Gleich null. Es ist die reine Augenauswischerei.

Sche
01
29.11.2011, 08:26
Ist bei uns leider auch nicht anders

Der SGA beschließt, wir verankern die gemeinsam erarbeiteten Punkte sogar in der Hausordnung, aber wenn dann ein Fall eintritt, wo man auf einen dieser Punkte hinweist, heißt es lapidar "Interessiert nicht!". Zum K*tzen!!

Pe Sa
01
28.11.2011, 13:27

"die 'Schwarze Pädagogik' des 19. Jahrhunderts mit ihren erwiesenermaßen schrecklichen Folgen"

ich frag mich grad ernsthaft welche "erwiesenermaßen schrecklichen Folgen" die Frau Ministerin da meint? ist damals die Welt untergegangen ? oder hab ich da irgendwas im Geschichtsunterricht verpasst.

another_stranger_me
14
27.11.2011, 11:52

wer forderte denn eine rohrstaberl-debatte?

btw, hat sie auch was zum fekter-geblabber über die exorbitanten lehrergehälter und die jungleher gesagt?
weil hey, das sind IHRE schützlinge, über die die finanzministerin da ahnungslos geifert...

californian fall
00
27.11.2011, 10:18

hab' es leider nicht mitbekommen - was kam bei jenem lehrer heraus, der kürzlich meinte, es sei opportun, ein aufsässiges kind zu schlagen und dies anscheinend auch tat?

hawkwind
02
26.11.2011, 17:31
Eine Welt,

in der ein Teil der Eltern Tag und nacht arbeitet, um möglichst viel Kohle heranzuschaffen, und darüber die eigenen Kinder (wenn´s denn mehr als eines ist) vernachlässigt. Und in einer Welt, in der der andere Teil Tag und Nacht arbeitet, um sich noch Miete und Wohnung leisten zu können, braucht sich nicht zu wundern, dass die Kinder sozial verroht sind.

Schläge sind ebenso wenig eine Lösung, wie hilfloses mit der Schulter zucken.

Igor Gassner
02
28.11.2011, 09:07
Disziplin ist immer eine Lösung

geht aber auch ohne Rohrstaberl

Doktor Jörg Haider
14
26.11.2011, 09:57
Da hat wer bei der Claudia aufs falsche Knöpferl gedrückt ...

D/E
212
25.11.2011, 20:29
Kann sie nicht lesen?

Oder will sie nicht?

Kein Mensch hat Maßnahmen gegen die Kinder gefordert, schon gar keine Gewalttätigkeiten.

Da dürften die NLP-Pferderln mit der Frau Ministerin durchgegangen sein.

BK W. Shoyssel
215
25.11.2011, 16:56
Praktikum erwünscht

Vielleicht sollte Frau Ministerin mal einen Monat lang in einer besonders verhaltensoriginellen Klasse politische Bildung unterrichten, damit sie weiß, was Lehrerinnen dort fühlen?

mondlein
00
28.11.2011, 10:24

um daraus welche Schlüsse zu ziehen?

Pe Sa
02
28.11.2011, 13:24

Dass vielleicht doch Maßnahmen getroffen werden die über "bitte seits wieder lieb" hinaus gehen. Und zwar im speziellen den Eltern gegenüber.

Besser wäre noch einen Tag in der Klasse, und danach einen Tag lang Elternsprechtag ... die Frau hat einfach keine Ahnung von was sie da redet.

Lea Mayer
59
25.11.2011, 15:24

Ich hoffe, dass ich den Tag noch erlebe, an dem es heißt: Rückfälle in die 'Terror-Debatten' und die 'Rote Pädagogik' des letzten Jahrhunderts mit ihren erwiesenermaßen schrecklichen Folgen für pflichtbewußte und Regeln einhaltende Kinder und deren Eltern, lehne ich dabei vehement ab"
Demokratiepolitisch und pädagogisch weitaus sinnvoller und wirksamer ist es Grenzen aufzuzeigen und notfalls zu bestrafen, als wurschtigkeitssstaatliche Nichtsanktionenregimes im Anythinggoesstil".

oblomow II
10
25.11.2011, 20:06
so

und jetzt sag ich Ihnen, dass beides keinen sinn hat und ein mittelmäßig ausgebildeter lehrer auch weiß, was sache ist. Sie sind aber fixiert und sachlich unbeleckt. kindererziehen und häuselbaun versteht jeder, so schauns aus die häuseln.
Sie denken in extremen, was tief blicken lässt, aber der wahrheit nicht einmal nahe kommt ...

Lea Mayer
02
26.11.2011, 11:29

Sie sind aber schon ein Schlaumeier, als ob ich diese Politik vertreten würde. Es ist billig von einem Rückfall in die Rohrstaberlpolitik zu sprechen. Und Urecht wiegt Unrecht nicht auf. Das sollten sich viele Politker einmal hinter die Ohren schreiben.

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