Deutsche Manroland mit 6.500 Mitarbeitern pleite

25. November 2011, 14:06
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Allianz zog die Reißleine beim weltweit drittgrößten Druckmaschinenbauer - Insolvenzantrag gestellt

Frankfurt - Der weltweit drittgrößte Druckmaschinenbauer Manroland ist pleite. Das Unternehmen reichte am Freitag beim Amtsgericht in Augsburg Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit ein, wie das Gericht mitteilte. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Werner Schneider bestimmt. Am frühen Nachmittag wurden die gut 6.500 Mitarbeiter in Augsburg, Offenbach und Plauen informiert. Am Umsatz gemessen, ist es die größte deutsche Firmenpleite seit Arcandor vor gut zwei Jahren.

Mit dem 167 Jahre alten Unternehmen - einer der Wurzeln des Maschinenbauers MAN - war es nach einem Auftragseinbruch im Spätsommer rapide bergab gegangen. Bis vor wenigen Tagen hatte der Mehrheitseigentümer Allianz Capital Partners (ACP) auf einen neuen Investor gehofft, der aber laut Finanzkreisen unerwartet absprang. Mehr Geld wollten ACP und MAN nicht mehr nachschießen. "Die Lage in der Branche ist recht hoffnungslos", sagte ein Insider.

Für die ebenfalls gebeutelten Wettbewerber von Manroland, die größere Heidelberger Druck und die Würzburger Koenig & Bauer (KBA), bedeutet das vorläufige Aus einen Hoffnungsschimmer. Sie hatten unter dem Preiskampf gelitten, den Manroland angezettelt hatte, um an Aufträge und frisches Geld zu kommen. Eine Marktbereinigung wäre dringend nötig, hieß es in Branchenkreisen. Die Aktien der Bogendruckmaschinen-Konkurrenz Heidelberger Druck zogen um zehn Prozent an. KBA, der große Rivale bei Rollendruckmaschinen für Zeitungen, wo Manroland mit 35 Prozent Marktanteil die Nummer eins ist, zog an der Börse um fünf Prozent an.

Fusion geplatzt

Ein Zusammenschluss von Manroland mit Heidelberg - wo die Allianz ebenfalls Großaktionär ist - war vor zwei Jahren geplatzt. Auf eine Übernahme durch einen der großen Konkurrenten kann die Manroland-Belegschaft auch jetzt kaum hoffen: "Außer Restrukturierung und Kurzarbeit haben die nichts zu bieten - und das haben wir selbst", hieß es bei einem Konkurrenten. "Für eine Fusion bräuchte man einen Riesen-Batzen Geld."

Mehreren Insidern zufolge drohte Manroland seit mindestens zwei Monaten die Insolvenz. Verluste schreibt das Unternehmen seit Jahren. Eine Kapitalspitze von 200 Mio. Euro von ACP und MAN war schon nach wenigen Monaten wieder durch laufend Verluste aufgebraucht. Dann schien ein Käufer gefunden - ein europäischer Finanzinvestor, der Erfahrung in der Maschinenbau-Branche hat. Die Arbeitnehmer seien zu Zugeständnissen bereit gewesen. Der Käufer habe aber am Montag abgesagt, weil die Gläubigerbanken einen Kredit über 150 Mio. Euro nicht wie erhofft langfristig verlängern wollten. ACP und MAN hätten sich in diesem Fall nach Informationen aus ihrem Umfeld nochmals mit einem zweistelligen Millionenbetrag engagiert.

Zu zweit wollten sie die Verluste aber nicht mehr tragen. "Dann wäre man bald wieder vor den selben Problemen gestanden", rechtfertigte ein Unternehmenskenner die Entscheidung. Manroland plagen seit Jahren Verluste, zuletzt standen 2008 schwarze Zahlen zu Buche. Vor einer Woche hatte die noch mit 23 Prozent beteiligte MAN beteuert, die frühere Tochter nicht fallenlassen zu wollen. ACP untersteht dem scheidenden Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner, der schon vor einem Jahr beschlossen hatte, das Geschäft mit Firmenbeteiligungen deutlich zurückzufahren. ACP ist noch an dem Snack-Automatenhersteller Selecta und an der Fährreederei Scandlines beteiligt.

Der Manroland-Aufsichtsrat war am Donnerstagabend über die Lage informiert worden. Die hessische Landesregierung schaltete sich in letzter Minute ein. "Es finden wie in solchen Fällen üblich Gespräche statt", sagte eine Sprecherin des hessischen Wirtschaftsministeriums. Um die Insolvenz abzuwenden, war es aber zu spät.

Der Versicherungskonzern Allianz war vor fünf Jahren mit seiner Finanzinvestoren-Sparte ACP mehrheitlich bei der MAN-Drucktochter eingestiegen und wollte sie an die Börse führen. Doch weil viele Unternehmen statt Werbezetteln lieber E-Mails verschicken und die Zeitungsauflagen zurückgehen, rückten Gewinne bei Manroland in immer weitere Ferne. Die Belegschaft war bereits von 9.000 auf weniger als 6.600 geschrumpft. Mehr als jeder vierte Mitarbeiter war seit Oktober wieder in Kurzarbeit, nachdem sich anziehende Aufträge im Sommer als Strohfeuer entpuppten. Der langjährige Vorstandschef Gerd Finkbeiner hatte noch im Juli auf einen Milliardenumsatz gehofft, nachdem das Volumen 2010 um 15 Prozent auf 942 Mio. Euro eingebrochen war. (APA/Reuters)

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