Pecik sicherte sich um halbe Milliarde 15 Prozent der Telekom

27. November 2011, 18:13
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Rätseln um Absichten des Investors

Wien - Der österreichische Marktführer am Telekom-Markt, die börsenotierte Telekom Austria AG (TA), ist zum Objekt der Begierde geworden: Der Investor Ronny Pecik hat sich mit gut 15 Prozent bei der teilstaatlichen Telekom-Gesellschaft eingekauft, teilte die Telekom Austria Freitagabend mit. Die Staatsholding ÖIAG kommentierte den Einstieg am Samstag knapp in einer Aussendung: Man sei "der stabile österreichische Kernaktionär" des Konzerns - die ÖIAG hält 28,42 Prozent. Konkrete Informationen über Peciks Zukunftspläne mit der TA gibt es nicht. Der Wert des Pecik-Anteils liegt bei rund 540 Mio. Euro.

Pecik verfügt nun direkt und indirekt über seine in Österreich ansässige RPR Privatstiftung über 15,018 Prozent der Telekom-Aktien, zusätzlich hält die Stiftung indirekt Call-Optionen über weitere 0,79 Prozent. Die gesamte Telekom ist an der Börse derzeit 3,6 Mrd. Euro wert. Seit Anfang Oktober wurde in Medien über den Einstieg Peciks und seine dahinterstehenden Absichten und potenzielle Investoren spekuliert. Der Telekom-Aktienkurs hat kräftig nachgegeben, was den Deal billiger machte. Als sich Pecik vor einem Jahr zu interessieren begann, lag der Kurs noch über elf Euro. Am Freitag hatte der Telekom-Aktienkurs an der Wiener Börse um 0,50 Prozent auf 8,21 Euro nachgegeben.

Der neue Telekom-Großaktionär signalisierte gegenüber dem "Kurier" langfristige strategische Absichten. Er attestiert der Telekom "hohe Qualität und sehr gute Mitarbeiter. Mich interessiert ausschließlich der wirtschaftliche Erfolg, zu dem ich mit allen Kräften beitragen möchte, und sonst nichts". Das Unternehmen sei derzeit "unterbewertet und undermanaged". Angaben über weitergehende Pläne oder Investoren machte er nicht.

Sawiris im Geschäft

Laut "Kurier" ist der ägyptische Milliardär Naguib Sawiris als Finanzinvestor mit im Geschäft. Der Ägypter sei nicht beteiligt, sondern fungiere als Kapitalgeber für die zur Stiftung gehörende Marathon Beteiligungs GmbH. Insider schätzen sein Engagement auf 180 bis 240 Millionen Euro, so die Zeitung. Der Mobilfunkunternehmer (Orascom) verkaufte Anfang 2011 fast sein ganzes Telekomimperium an die russische Vimpelcom - für 6,5 Milliarden Dollar (4,91 Mrd. Euro), davon 1,5 Milliarden in bar, den Rest in Aktien. Er gilt als einer der reichsten Männer Ägyptens. Sawiris Bruder Samih investiert in großem Stil in die Schweizer Tourismusregion Andermatt. In der Schweiz hatte Ronny Pecik mit Investments in die Industriekonzerne Oerlikon und Sulzer Berühmtheit erlangt. Wieweit der Umsturz in Ägypten die Zukunftspläne der Sawiris beeinflusst ist nicht klar.

Die Staatsholding ÖIAG hat am Samstagvormittag den Einstieg Peciks bei der Telekom Austria in knappen Worten kommentiert. Die Telekom habe bereits in der Vergangenheit "einen Anteilseigner mit rund 17 Prozent" gehabt. "Die aktuellen Entwicklungen unterstreichen die Bedeutung der Telekom Austria als wirtschaftlich attraktives Unternehmen", hielt die Holding in einer Aussendung fest.

Gefahr?

Warnungen vor einer möglicherweisen gefährlichen Entwicklung rund um die Telekom kamen immer wieder vom SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter. Er forderte Pecik auf, dieser solle umgehend seine Absichten und Ziele bekanntgeben: "Es geht um heimische Arbeitsplätze, die staatliche Aufgabe der Infrastrukturversorgung und sensible Daten von 5 Millionen österreichischer Kunden." Die ÖIAG und die Eigentümervertreterin Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) sollten sich im Interesse des Schutzes österreichischer Interessen der Aufforderung anschließen, so Kräuter am Freitag in einer Aussendung.

Die RPR Privatstiftung von Pecik hält seit Freitag 15,018 Prozent der Telekom-Austria-Aktien und verfügt für weitere 0,79 Prozent indirekt über Call-Optionen. Somit hält die Stiftung von Pecik direkt und indirekt 15,81 Prozent. Die Telekom-Anteile werden von der Marathon Zwei Beteiligungs GmbH gehalten, diese wiederum gehört der Marathon Beteiligungs GmbH, deren Alleineigentümerin die RPR Privatstiftung ist.

Wiederholt wurde in den vergangenen Wochen gemutmaßt, dass Pecik weitere finanzkräftige Partner von ausländischen Telekom-Unternehmen mit an Bord hat. Ihm wird nachgesagt, dass er zunächst zumindest die Sperrminorität von 25 Prozent erreichen will. Auch sein Ex-Partner Georg Stumpf wird immer wieder als möglicher neuer Investor genannt. Zuletzt war die norwegische Telenor als Interessent für die von Pecik gehaltenen Optionen auf Aktien der Telekom Austria gehandelt worden. Laut aktuellem "Format" soll Telenor bereit sein, Pecik die Optionen zu 11,3 Euro je Aktie abzukaufen, Pecik hingegen wolle11,5 Euro, berichte das Magazin. "Pecik und Telenor - ein unwahrscheinliches Paar", meinten dagegen am Freitag Analysten der Berenberg-Bank iin einem Kommentar.

Die Bundesregierung hat Mitte November versucht, mit einer neuen Bestimmung Infrastrukturunternehmen wie die Telekom Austria vor nichteuropäischer Übernahme abzusichern. Demnach müssen laut dem neuen Außenwirtschaftsgesetz (bisher Außenhandelsgesetz) Beteiligungen ab der Schwelle von 25 Prozent an wichtigen Infrastrukturunternehmen künftig vom Wirtschaftsministerium genehmigt werden, sofern der Investor nicht aus der EU, dem EWR oder der Schweiz kommt. Unter dem Titel "Beschränkung von Beteiligungen an Unternehmen im Interesse der öffentlichen Sicherheit und Ordnung" heißt es, der Wirtschaftsminister könne eine Übernahme dann genehmigen, wenn "keine Gefährdung der Interessen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (. . .) zu befürchten ist". Andernfalls könnte er Auflagen erteilen oder die Genehmigung verweigern. (APA)

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