Integration: Klare Spielregeln für alle Beteiligten

Gastkommentar28. November 2011, 08:28
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Die Debatte über Integration läuft falsch: Gegenseitiger Respekt ist nötig, zu viel Toleranz hingegen naiv. Zwei Stellungnahmen

Dr. Simon Kravagna, spricht sich einmal mehr für "klare Ziele und Regeln für alle" aus.

Voraussetzung für ein produktives Miteinander von Menschen verschiedener Herkunft ist ein klarer Rahmen, der sich strikt von den bisherigen Multikulti-Utopien unterscheidet. Gegenseitiger Respekt ist nötig. Zu viel Toleranz hingegen naiv. Egal ob eine Zeitung, ein Unternehmen oder ein Staat wie Österreich: Die Ziele müssen für alle klar sein. Die Spielregeln ebenso. Unser Ziel muss sein, dass zumindest die Kinder der Gastarbeiter zu Österreichern werden, die nicht NUR ausgezeichnet Deutsch, sondern auch perfekt Türkisch, Serbisch oder Bulgarisch sprechen. Unser Ziel sollte sein, dass diese kommende Generation, die in Wien bereits die Mehrheit der Volksschüler ausmacht, ökonomisch dieses Land zu tragen im Stande ist. Und vor allem sollte unser Ziel sein, dass die neue Generation die demokratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien hochhält, die ihre Eltern in ihren Herkunftsländern in der Regel nicht genießen durften. Zudem muss unser Ziel sein, dass die "alten" Österreicher ihre neuen Mitbürger in Zukunft weniger als Bedrohung und mehr als Bereicherung sehen. Anders als viele europäische Länder sollte Österreich es schaffen, dass zumindest die zweite und dritte Generation der Migranten Österreich als ihre Heimat sieht. Die Akzeptanz der Zuwanderer durch die "alten" Österreicher ist dafür eine Voraussetzung. Konkret geht es darum, gemeinsam die kulturelle Vielfalt Österreichs anzuerkennen und zu fördern, aber die Ausbreitung von problematischen Milieus und den oft damit einhergehenden anti-demokratischen und antimodernen Weltanschauungen zu verhindern. Es geht um Integrationspolitik, nicht um Zuwanderungspolitik. Letzteres wäre ein eigenes Thema.

Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz, setzt auf "Integration durch Leistung"

Das Fehlen einer integrationspolitischen Vision für Österreich kritisiert Biber-Herausgeber Simon Kravagna. Da hat er mit Blick auf die vergangenen Jahrzehnte zweifellos recht. Weder linke Träumer noch rechte Hetzer haben uns weitergebracht. Die einen haben Integrationsprobleme schön geredet, die anderen haben sie nur instrumentalisiert. Echte Lösungen brauchen eine überzeugende Vision. Und die lautet: Integration durch Leistung. Individuelle Leistung zählt! Und sie nützt der ganzen Gesellschaft. Es kommt nicht darauf an, woher man kommt - sondern darauf, was man kann und was man in Österreich zum Gemeinwohl beiträgt. Deshalb werden wir migrantische Leistungsträger - Sportler, Unternehmer oder Kulturschaffende, uvm. - vor den Vorhang holen. Sie sollen an Schulen und in Jugendzentren ihre Erfolgsstory erzählen, die Motivation stärken, Vorurteile abbauen und vermitteln, wie wichtig Leistung für Integration ist.

In diesem Sinn: Lassen wir Hetzer rechts und Träumer links liegen. Und setzen wir uns dafür ein, ein positives Miteinander zu schaffen. Ein Miteinander, in dem nicht Angst und Vorurteile uns verbinden, sondern der Glaube an eine erfolgreiche Zukunft in einem gemeinsamen Österreich (derStandard.at, 28.11.2011)

Autoren

Dr. Simon Kravagna ist Herausgeber und Chefredakteur von "Biber" (die erste Stadtzeitung "mit scharf" wurde 2006 gegründet. Biber erscheint sechs Mal im Jahr und wird in Wien kostenlos verteilt.)

Sebastian Kurz, ist seit April 2011 Integrationsstaatssekretär.

Info

Der Management Club ist eine Plattform für alle politisch interessierten Führungskräfte der heimischen Wirtschaft.

Auf www.reformenohnetabu.at stellt er eine Diskussionsplattform für politisch interessierte Menschen zur Verfügung. Reformideen von Experten können bewertet und kommentiert werden. Darüber hinaus besteht aber auch die Möglichkeit eigene Thesen für Österreich zu veröffentlichen und sie zur Diskussion zu stellen.

derStandard.at veröffentlicht die brisantesten Thesen in dem Schwerpunkt "Reformen ohne Tabus".

  • Wie kann ein positives Miteinander ermöglicht werden?
    foto: heribert corn

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