Ratingagenturen lassen Zinsen steigen

25. November 2011, 16:44
26 Postings

Die Zinsaufschläge von Portugal, Italien und Ungarn sind nach der Abwertung stark angestiegen

Wien - Praktisch alle europäische Länder leiden unter steigenden Zinsen für ihre Staatsanleihen. Die Abwertung von Ungarn durch Moody's und Portugal durch Fitch verstärkte den Trend. Portugal musste am Freitag 12,5 Prozent Zinsen für Staatspapiere zahlen, um rund acht Prozent mehr als am Donnerstag, Ungarn 9,5 Prozent. Am Donnerstag lagen sie noch bei 8,54 Prozent. Als kritische Marke für eine nachhaltige Finanzierung eines Landes am Finanzmarkt gilt die Schwelle von sieben Prozent. Knapp darüber liegen auch die Zinsen von Slowenien und Italien. Spanien ist derzeit noch darunter.

Auch Italien leidet darunter, für Papiere mit sechsmonatiger Laufzeit musste die Republik am Freitag einen durchschnittlichen Zins von 6,5 Prozent zahlen, für eine zweijährige Anleihe sogar einen Zins von 7,8 Prozent.

Österreich muss im europäischen Vergleich deutlich weniger Zinsen zahlen, doch auch diese sind in den letzten Woche gestiegen. Auf zehnjährige Staatsanleihen wurden am Freitag 3,84 Prozent Zinsen fällig. Noch stärker stiegen die Zinsen in Belgien. Die seit mehr als eineinhalb Jahren anhaltende Regierungskrise ließ den Satz auf 5,86 Prozent steigen. Im Gegensatz zu Europa müssen die USA weniger als zwei Prozent Zinsen auf Staatsanleihen zahlen, obwohl ihre Staatsverschuldung über 100 Prozent des BIP liegt.

Italien als Problemfall

Auch nach dem Regierungswechsel muss Italien also für neues Geld rekordhohe Zinsen zahlen. Der hochverschuldete Staat konnte sich am Freitag zwar am Kapitalmarkt wie geplant zehn Milliarden Euro leihen. Die 6,5 Prozent Zinsen für Papiere mit sechsmonatiger Laufzeit und die 7,8 Prozent Zinsen für Zwei-Jahres-Anleihen bedeuten einen Rekordwert seit Einführung des Euro, teilte die Notenbank am Freitag mit.

Im Oktober lagen sie mit 3,5 und 4,6 Prozent noch deutlich tiefer. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte unmittelbar vor der Versteigerung versucht, durch den Kauf italienischer Staatsanleihen am Markt die Zinsen zu drücken, sagten Händler.

Italien sitzt auf einem riesigen Schuldenberg, der 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht. Angesichts der Konjunkturflaute dürfte es der Regierung schwer fallen, die Neuverschuldung zu drücken. Die EU-Kommission erwartet 2011 nur einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,5 Prozent und sagt für nächstes Jahr sogar nur noch ein Mini-Plus von 0,1 Prozent voraus.

Streit um Eurobonds

Euro-Länder mit hohen Zinsen sollen nach Vorschlägen der EU-Kommission durch gemeinsame Anleihen, sogenannte Euro-Bonds, entastet werden. Staaten mit niedrigeren Zinssätzen, allen voran Deutschland, sind dagegen. Auch die österreichische Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) fürchtet durch Euro-Bonds höhere Zinsen. (APA)

Share if you care.