"Militär wird auch nach der Wahl das Land kontrollieren"

Interview | Anna Giulia Fink, 25. November 2011, 21:58
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    foto: carnegie endowment for international peace

    Nathan Brown: "Ägypten scheint in einer Warteschleife zu stecken."

Vor der ersten Wahl nach Mubarak versinkt Kairo in Unruhen - US-Experte Nathan Brown erklärt, wohin Ägypten politisch steuert

Inmitten der größten Unruhen seit dem Sturz von Langzeitstaatschef Hosni Mubarak im Frühjahr wählen die Ägypter ab Montag ein neues Parlament. Der regierende Militärrat hält das Land seit dem Ende der Ära Mubarak fest im Griff, nach der Wahl, so sagen viele Experten voraus, dürften die konservativ-islamischen Muslimbrüder zur dominierenden politischen Kraft in dem 80-Millionen-Einwohnerland werden. Der US-amerikanische Ägyptenexperte Nathan Brown erklärt im Gespräch mit derStandard.at, was die Lage in Ägypten so verfahren macht - und warum die Armee die Macht trotz des Urnengangs nicht so schnell aus der Hand geben dürfte.

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derStandard.at: Sind die Wahlen der erste Schritt zu einer repräsentativen Demokratie oder drohen sie angesichts der de facto-Kontrolle des Militärs zu Farce zu geraten?

Nathan Brown: Das Militär hat weiterhin die Kontrolle über das politische System, wobei nicht klar ist, wie weit die Politik die Kontrolle über das Land hat. Dieses Problem werden die Wahlen nicht lösen, trotzdem sind sie absolut notwendig für den weiteren Prozess.

derStandard.at: Die Militärs versuchen das Land unter ihrer Kontrolle zu behalten und gleichzeitig die Regeln für den Übergang zu definieren. Kann das funktionieren?

Brown: Sie selbst sehen sich in einer Art Schutzrolle. Sie wollen Stabilität - nach ihrer Definition - und einen Übergang auf politischer Ebene, ohne eine Aufsicht über das Militär und eine starke Rolle in Sicherheitsfragen. Die momentane Gewalt mag sie in den letzten beiden Punkten zu Zugeständnissen drängen, zumindest im Moment. Aber ich sehe keinerlei Anzeichen dafür, dass sie ihre Übergangsrolle jetzt abgeben. Vorstellbar ist allerdings, dass noch mehr Druck dazu führen kann, dass sie den Zeitplan nach vorne verschieben. Gleichzeitig will die Armee nicht die Rolle der Verwaltungsbehörde einnehmen. Sie haben etwa absolut kein Interesse daran, das Gesundheitswesen zu managen, sich um das Bildungssystem oder die Lösung von kommunalen Problemen zu kümmern. Sie sehen sich offenbar als rechtskräftigen Garant für den ägyptischen Staat und dessen Gesellschaft. Ihnen schwebt wohl vor, zivile Politiker bei innerstaatlichen Fragen mitmischen zu lassen, während sie die überwachende Macht bleiben. Dass die Armee eine zivile Überwachung ihrer Angelegenheiten auf jeden Fall vermeiden will, scheint offensichtlich.

derStandard.at: Wieviel Macht kann eine neu gewählte Regierung dann überhaupt haben? 

Brown: Kurzfristig gesehen wird das Parlament nach der Wahl mehr Macht haben, es wird die legislative Kraft sein. Hinsichtlich der Exekutive wird es allerdings wenig Einfluss haben. Das heißt, man könnte nach der Wahl eine Regierung bekommen, die in etwa so aussieht wie die aktuelle. Also eine, die in erster Linie dem Militär untersteht. Es könnte weiterhin nicht klar sein, wer die Entscheidungen trifft. Diese derzeit nicht existente Transparenz könnte weiter bestehen.
Langfristig gesehen, also ab dem Zeitpunkt nach der Präsidentschaftswahl oder wenn es eine neue Verfassung gibt, wird es eine robustere und aktivere politische Handlungsvollmacht geben. Nicht, dass das gewählte Parlament bedeutungslos sein wird, es macht natürlich einen Unterschied, eine gewählte Regierung auf der politischen Bühne zu haben oder nicht, aber das Militär wird auch nach der Wahl die Kontrolle haben.

derStandard.at: Ändert die Entscheidung, dass alten Mitglieder der NDP (die vergangenen April aufgelöste Nationaldemokratische Partei Mubaraks, Anm.) nicht an der Wahl teilnehmen dürfen, etwas an der Besetzung der politischen Bühne?

Brown: Die meisten Abgeordneten werden über Parteilisten gewählt, die Einzelkandidaten stellen also die Minderheit. Das wirkliche Problem sehe ich nicht in der Kandidatur einzelner ehemaliger NDP-Mitglieder. Das wirkliche Problem ist das Beibehalten jener Sorte von Politik, die die NDP repräsentiert hat. Das Ausnützen von "Bossen" oder angesehenen Personen in bestimmten Vierteln, die ihr Prestige, Geld oder Gewalt dazu benützen, mehr Stimmen zu erhalten. 

derStandard.at: Warum wird von so sicher einem Sieg der Muslimbrüder ausgegangen? Liegt das daran, dass sie sich schon als lange als Partei organisiert haben, oder schlicht an ihrer Popularität?

Brown: Ich denke, sie streben selbst nicht die Mehrheit an. Ein Ergebnis wie in Tunesien wäre perfekt für sie, also ein Szenario, in dem sie zwar die wichtigste politische Kraft, aber nicht die alleinige Regierungsverantwortung übernehmen. Ich kann mir vorstellen, dass sie das auch erreichen könnten. Was die Organisation der anderen Parteien angeht, ist das keine Frage der Zeit, auch wenn sie das immer wieder betonen. Sie sind jetzt auch nicht besser in Form als vergangenen Februar. Die Muslimbrüder werden gut abschneiden, aber nicht weil sie mehr Zeit hatten, sondern weil sie über eine sehr disziplinierte Organisation verfügen, die stark verlinkt ist mit der Wählerschaft im Land. Die meisten anderen Parteien leben stark von ihren Anführern und weniger von ihrer Organisation. Sie haben die Verbindung zur Wählerschaft noch nicht geschafft, sei es zu Frauenorganisationen, zur Arbeiterschaft oder zu den Armen.

derStandard.at: Hängt die Verankerung der Muslimbrüder in der Gesellschaft nicht auch damit zusammen, dass sie bereits unter Mubarak im Parlament vertreten waren?

Brown: Ja, aber auch andere Parteien waren im Parlament vertreten, etwa linke Kräfte oder die Wafd-Partei (säkulare, nationalistische Bewegung, Anm.). Unter Mubarak war es möglich, Politik zu spielen, also politische Gruppen zu bilden, die auch zur Wahl antreten durften. Aber sobald sie versucht haben, aus der kleinen Partei eine soziale Bewegung zu machen, ging das Regime hart gegen sie vor. Deswegen wurden die Muslimbrüder auch mehr vom Regime verfolgt als andere. Jetzt, wo zumindest die Spitze des alten Regimes weg ist, stehen die Muslimbrüder gut da, weil sie die einzige Partei waren, die sich dafür eingesetzt hat, eine soziale Bewegung zu gründen. Anderen Parteien können vielleicht mit ein paar anführenden Intellektuellen oder Geschäftsmännern brillieren, verfügen aber über keine wirkliche nationale Präsenz.

derStandard.at: Wie schätzen Sie die Popularität der Muslimbrüder ein?

Brown: Sie sind beliebt, aber gleichzeitig fürchten sich viele vor ihnen. Sie haben eine derart große Gruppe von Mitgliedern hinter sich, die vermutlich die größte nichtstaatliche Gruppe darstellt, es sind Zehntausende, vielleicht Hunderttausende Mitglieder. In der breiten Gesellschaft hatten sie lange den Ruf, gütig, religiös, nicht selbstsüchtig zu sein, und die Gesellschaft verbessern zu wollen. Diesen Ruf genießen sie auch außerhalb ihrer Anhängerschaft. Christen, Liberale und Säkulare sehen sie natürlich skeptischer, sie haben also auch Gegner.

derStandard.at: Was sind die Gründe für die Vorbehalte gegenüber den Muslimbrüdern?

Brown: Grund zur Sorge gibt es dann, wenn die Muslimbrüder die Wahl haushoch gewinnen. Nicht unbedingt wegen der Inhalte, für die sie stehen, sondern weil es Ägypten jetzt nicht guttut, wenn es von einer einzigen Partei dominiert wird. Es geht letztendlich nicht um ihre Stärke, sondern um die Schwäche anderer Parteien.
Ich sehe zwei Probleme, sollten die Muslimbrüder gewinnen: Auf die Außenpolitik würden sie weniger Wert legen und versuchen, sich um den Posten des Außenministers zu drücken. Klar ist dann auch, dass sie die US-amerikanische Politik in der Region nicht mittragen werden. Aber auch hinsichtlich der Innenpolitik würden sie keinen Leitfaden für ihr Vorgehen haben, da sie nie in der Position waren, wo sie mehr tun mussten als reden. Auch in eigenen Reihen haben sie unterschiedliche Positionen. Sie wollen etwa eine Gesellschaft, die auf islamischer Basis beruht, aber was das in der Praxis heißt, haben sie noch nicht näher erklärt - sie mussten es bisher auch gar nicht.

derStandard.at: Welche Rolle spielt Religion bei der kommenden Wahl?

Brown: Eine riesige. Offiziell spielt sie keine, da religiöse Slogans verboten wurden. Aber die Gesellschaft an sich ist tief religiös und alle Politiker benützen letztendlich diese Karte, indirekt oder sonst wie. Für Christen könnte es sehr schwierig werden, weil Muslime sie kaum wählen werden. Gleichzeitig ist die Gesellschaft an sich sehr konservativ, jeder, der zu säkular oder westlich ist, könnte Probleme haben, außerhalb bestimmter Schichten in Kairo oder Alexandria gewählt zu werden.

derStandard.at: Abseits vom Militärrat: Was sind Hauptgründe für den Frust in der Bevölkerung, der sich seit dem Sturz Mubaraks angesammelt hat?

Brown: Die nicht gelösten wirtschaftlichen Probleme. Die Richtungslosigkeit, in der das Land noch immer steckt. Die Sicherheitssituation: Die Ägypter haben den Eindruck, dass jede Sicherheit auf den Straßen verschwunden ist. Das sind fundamentale Themen, bei denen sich noch immer nichts getan hat. Ägypten scheint in einer Warteschleife zu stecken. 

derStandard.at: Was war der größte Erfolg der Aufstände, abseits vom Sturz Mubaraks? Die Politisierung der Menschen?

Brown: Absolut. Ägypten ist jetzt ein anderes Land. Die Bevölkerung zeigt viel mehr politisches Engagement. Ihnen fehlen noch die Instrumente für eine etablierte Politik, aber ein immer größerer Teil engagiert sich jetzt erstmals.

derStandard.at: Wie hat sich die Situation der Kopten verändert? 

Brown: Ich bin mir nicht sicher, ob sich in der Realität viel geändert hat, aber in ihrer Wahrnehmung zumindest zwei Dinge: Das Unsicherheitsgefühl und die Angst um ihren Platz in der Gesellschaft durch die Allianzen islamischer Kräfte. Positiv ist, dass auch sie sich politisch engagiert haben. Zwar gibt es auch unter ihnen verschiedene Fraktionen, aber sie haben erheben jetzt ihre Stimme und sind eher dazu bereit, ihre Forderungen in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

derStandard.at: War das brutale Vorgehen im Zuge der Demonstration von koptischen Christen in Kairo vergangenen Oktober ein Wendepunkt?

Brown: Schon, aber gleichzeitig ist nicht klar, in welche Richtung. Für Christen war es eine Art Weckruf, dass sie viel aktiver sein müssen, wenn sie bei einer friedlichen Demonstration brutal niedergeschlagen werden. Das war für sie die Botschaft. Gleichzeitig ist durch die Ausschreitungen bei dieser Demonstration das Gemeinschaftsgefühl, das während den Demonstrationen, die zum Sturz Mubaraks geführt haben, propagiert wurde, jetzt weg. 

derStandard.at: Im "Ägyptischen Block" sammeln sich viele säkulare Parteien, wovon die vom Multimilliardär und Geschäftsmann Naguib Sawiris angeführte "Freie Ägyptische Partei" eine der größten werden könnte. Spielt es eine Rolle, dass Sawiris koptischer Christ ist?

Brown: Er stand der Orascom Telecom Holding vor (erstee Mobilfunkbetreiber Ägypens, Anm.), stieg dann in den Fernseh- und Zeitungsmarkt ein. Er kann sich also großer Medienpräsenz sicher sein. Seine Partei besteht aus vielen Christen, ist aber trotzdem keine christliche Partei. Niemand will eine christliche Partei gründen, weil man damit automatisch die Minderheit ist. Einigen Ägyptern wird es egal sein, andere aber werden ein Problem damit haben, einen Christen zu wählen. Es ist an sich schon schwierig, die Muslimbrüder herauszufordern. Dass der Anführer noch dazu Christ ist, macht das Ganze ein bisschen schwieriger. (fin, derStandard.at, 24.11.2011)

Zur Person:

Nathan Brown ist Professor für internationale Politik und Ägypten-Experte an der George Washington University in Washington, DC, USA.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 31
1 2
el dus
 
01
27.11.2011, 11:52
Mir scheint, der Interviewte wünscht sich selbst das Andauern der Militärregierung

....Aber auch hinsichtlich der Innenpolitik würden sie keinen Leitfaden für ihr Vorgehen haben, da sie nie in der Position waren, wo sie mehr tun mussten als reden. .............
Daher schließt er messerscharf, die Muslimbrüder sollten nicht alleine regieren sondern mit noch weniger erfahrenen und unorganisierteren Parteien, mit Parteien, die nicht einmal das taten, was die Muslimbrüder immerhin schon zusammenbrachten. Also weil die noch weniger Ahnung haben, wäre eine Koaltion empfehlenswert. Ein toller Experte. Na in Wirklichkeit meint er, laßt das Militär und ihr US Team arbeiten.

Ein Troll
10
27.11.2011, 09:20
Man kann diesen Typs,

die unter dem Deckmantel der Demokratie als Experten gehandelt werden, aber nur für einen Bruchteil der Weltbevölkerung sprechen und argumentieren, nicht mehr zuhören.

mikromalist
 
11
27.11.2011, 08:10
"Stabilisieren". Die grosse Luege

aller Despoten. Für Stabilität muss ich jetzt noch einmal richtig grausam zu Euch, Bevoelkerung, sein.

Stabilitaet ist das Killerwort der Despoten und Bonzen. Im Kleinen bedeutet das: Verschaerfung der Sicherheitsgesetze, eingeschraenkte Demonstrationsfreiheit, und sogar Zwangsmitgliedschaft in so genannten Interessensvertretungen.
Perfekt zur lueckenlosen Durchsetzung: ein Freiwilligen-Ramboheer.

p.s. zurueck nach Kairo. Der Kampf um Demokratie verlangt fast übermenschlichen Mut. Respekt.

Dhimmi
03
27.11.2011, 05:51
"Das Militär wird auch nach der Wahl das Land kontrollieren"

Hoffentlich.
Sonst ist der Totalzusammenbruch garantiert.

Mich irritiert, dass hier nicht die Parolen und Forderungen der Muslimbrüder nach dem letzten Freitaggebet zu lesen sind: Tod Israel, Tod den Juden, Aufruf zum Jihad gegen Israel. Alkoholverbot für ganz Ägypten. Verbot unzüchtiger Kleidung. Ua.

Das heisst aussenpolitisch einen Crashcurs (den Ägypten nur verlieren kann), innenpolitisch die Abkehr vom Tourismus. Nicht eine der Forderung würde Ägypten überleben.

Deshalb und trotzdem finde ich es langfristig am Besten wenn die Muslimbrüder überall die absolute Mehrheit erreichen, dann stehen sie in der Verantwortung.
(Bei den gegenwärtig rund 30% können sie sich immer noch davonstehlen und die Schuld anderen zuweisen).

Seria
62
26.11.2011, 20:34

das Militär war immer Garant des inneren Frieden. Wenn erst die Islam bruderschaft demokratisch an der Macht sein wird wird es Demokratie sicher nicht geben. Sharia natürlich. Wer sich dem Gesetz nicht beugt muß verurteilt werden wie es vor 1000 Jahren üblich war. Aber was soll es, wenn die Mehrheit es so will. Hosnis Balance der Dinge wird einfach nicht akzeptiert

Killer Bunny
20
27.11.2011, 08:36

Sehr vorausschauend, aber echt. Die 1,6 Mrd Muslims werden sich schon beugen in den nächsten 5000 Jahren. Diktatur bedeutet immer Stillstand und erst wenn es um Kompromisse geht, beginnen sich Gruppen aufeinander zuzubewegen. Haben sie sich noch nie gefragt, warum die islamistischen Fundamentalisten meist aus stark repressiven Systemen kommen?

Christine Nardin
23
27.11.2011, 07:43

"das Militär war immer Garant des inneren Frieden"

Was ist das für eine Aussage ? In Militärdiktaturen ist das Militär wohl immer der "Garant", ganz einfach darum, weil jedwelche Opposition mit aller (militärischen) Gewalt niedergeschlagen wird.

Und abgesehen davon: machen sie sich doch bitte einfach nur mal 3 Minuten kundig, was genau Scharia bzw. die unterschiedliche Auslegung derselbigen bedeutet, bevor sie so einen Schmarren schreiben.

Freigeist78
11
27.11.2011, 10:54

Ja, ja, die unterschiedlichen Auslegungen. Welche bevozugen Sie denn? Die der Saudis, oder doch jene des Iran? Pakistan vielleicht?
Nennen Sie eine Auslegung, die in einem islamischen Land aktuell angewandt wird und mit den Menschenrechten kompatibel ist?

Pet Goat
44
26.11.2011, 18:23
Soll das etwa heissen

das diejenigen die an der Macht sind, sich nicht darum scheren wie die Wahl ausgeht, weil sie danach trotzdem machen was sie wollen ?

Willkommen in der Demokratie nach westlichem Vorbild Ägypten.

Michel Berger
00
26.11.2011, 15:14
Na, wenn der Nathan erklärt wie wohin gesteuert wird ist eh alles bestens.

johann steiner
21
26.11.2011, 14:06

davon träumen die Amis, aber das wird es nicht lange spielen, die Armee hielt sich im Iran nach der Revolution nicht, die Armee hielt sich in der Türkei nicht, und sie wird auch in Ägypten abtreten müssen. Ich rechne mit einem baldigen Besuch von Achmadinejad am Nil

Carlito336
43
26.11.2011, 13:31
Wahlen oder Veränderung?

Im heimischen oberflächlichen Journalismus erleben wir häufig die Gleichstellung: Wahlen = Demokratie.

Doch wenn Wahlen an der Macht und der Akkumulation von Ressourcen was ändern könnten, gäbe es keine Wahlen.
Carl Schmitts These bewahrheitet sich immer wieder: Die Macht hat, wer den Notstand verfügen kann.

nichtkaefer
35
26.11.2011, 12:20
Überall im islamischen Raum Islamisten an der Macht

... unterstützt und und zum Teil an die Macht gebombt von 'westlichen' Regierungen, bejubelt von der 'westlichen' Presse! Jeder Islamist muss glauben, dass für ihn jetzt ein goldenes Zeitalter beginnt.

77 88
42
26.11.2011, 11:53
Konservativ, religiöse Gesellschaft ...

..., der Mangel an Bildung und die daraus resultierende wirtschaftliche Miesere bilden den Nährboden für den Erfolg der Moslembrüder. Das eine ist so wichtig wie das andere. Da die Moslembrüder das Problem in keinster Weise verbessern werden, sondern es verschlechtern werden (weil ebenso konservativ, ultrareligiös, Bildungsmangel...), wird Ägypten in den nächsten Jahren unruhig werden, die Wirtschaft weiter schrumpfen. Was für ein Dilemma, an dem letztlich nicht die Moslembrüder alleine schuld sind, sondern die ganze ägyptische Gesellschaft. Die müsste sich grundlegend reformieren (Stichwort weltliche Aufklärung, religiöse Reformation).

GiordanoB
00
27.11.2011, 03:40

Der Mangel an Bildung - eine häufige Fehlannahme!
Der Aufstieg des heutigen Islamismus begann ua. mit der Einführung eines modernen Schulsystem und der Alphabetisierung.
Dadurch wurden viele befähigt sich selbst mit Originaltexten zu befassen, und die alten isl. Autoritäten, die vor allem staatstragend waren, verloren an Macht und Einfluss.
Und natürlich wurden so auch eine Menge frustrierter Menschen herangezogen, die zwar jetzt eine Form von Ausbildung hatten, aber dennoch geringe Aussicht auf Arbeit oder Karriere.
Was bei dem Bevökerungswachstum nicht verwundert.

Und mit Armut hat Islamismus auch wenig zu tun, denn sonst gäbe es in den reichen Golfstaaten und in Saudistan keine Islamisten.

Herzerzog Johann
32
26.11.2011, 09:55
Daran hab ich auch nicht den geringsten Zweifel.

Dort gab es seit mindestens 5000 Jahren keine Demokratie - warum sollte sie ausgerechnet jetzt plötzlich ausbrechen?

F. T.
43
26.11.2011, 09:46
Angefangen hat es sowieso schon.

Es gibt ja schon Berichte, wonach das liebe, gute Militär doch für solide Verhältnisse im Land sorgen würde. Mubarak-Leute können auch bei der Wahl wieder kandidieren.

Übel könnte einem bei der Scheinheiligkeit des Westens, insbesondere der NATO-Länder, werden!

F. T.
65
26.11.2011, 09:45
Obwohl eigentlich leicht erklärt werden kann, wieso das so ist:

In Ägypten haben sich westlichen Finanz- und Wirtschaftsbosse schon die Pfründe gesichert. In Libyen müssen sie sich erst alles "unter den Nagel reißen". Wie übrigens auch in Syrien!

Daher wird in Ägypten eher folgendes stattfinden: Kriminalisieren der Aufständischen, Einschleusen von gewalttätigen Gruppen, Geheimdienstleuten, ständiges Niederschlagen der Versammlungen mit unzähligen Toten, ohne dass der unglaublich scheinheilige Westen eingreift.

Weiters werden sowohl die Medien in Ägypten als auch in den westlichen Ländern immer mehr Stimmungsmache gegen das ägyptische Volks betreiben.

GiordanoB
01
27.11.2011, 03:45

Blödsinn³
Ägypten ist im Ggt ein gutes Bspl für eine Volkswirtschaft in der große Teile der Wirtschaft verstaatlicht und ineffizient sind.
Dieser arabische Sozialsimus seit Nasser ist ja gerade auch für die heutige Situation mitverantwortlich.
Ohne westliche Finanzhilfen wäre Ägypten schon lange bankrott gegangen.

F. T.
63
26.11.2011, 09:43
Und? Wo bleiben die scheinheiligen Demokratie- und Rechtsstaatverbreiter...

...aus den USA, Großbritannien, Frankreich, auch Deutschland u.a. Ländern zur Unterstützung des ägyptischen Volksaufstandes gegen das Mubarak- und Militärregime?

Wieso kann man in Libyen ausgemachten Islamisten, die tagtäglich die Einführung der Scharia fordern, ehemaligen hochrangigen Gaddafi-Leuten, die bei allen kriminellen Handlungen des Gaddafi-Regimes mit dabei waren, und Al-Kaida Leuten, von denen ein Mitglied sogar von den USA als militärischer Führer für Libyen beigesteuert wurde, den Hof machen und eine staatliche Anerkennung aussprechen oder zusichern, aber in Ägypten Mäuschen spielen und sich verstecken?

GiordanoB
00
27.11.2011, 03:47

Damit du auch noch in Zukunft ausreichend Strom hast um ins Internet zu kommen, und deine Suada zu verbreiten!

Killer Bunny
13
26.11.2011, 06:37

In Alexandria sollen die schon altbekannten Thugs von der Regierung eingesetzt worden sein.: “The same procedure as last time, Mister Field Marshal?”.

Mex Paua
66
26.11.2011, 01:42
Ägyptisches Militär setzt Nervengas gegen Demonstranten ein

"Das ägyptische Militär hat gemäß mehreren Nachrichtenquellen einen verbotenen Kampfstoff verwendet, um mit den Hunderttausenden von Protestierenden fertig zu werden. Mindestens 23 Ägypter sind gestorben und mehr als 1700 waren den tödlichen Giftgas-Attacken ausgesetzt, derer sich die Militärs während der letzten drei Tage in Zusammenstössen in und um Kairos Tahrir-Platz bedienten ... " http://www.politaia.org/terror/ag... anten-ein/

Auch Briefträger brauchen Liebe..
12
26.11.2011, 08:31

sowas, schützt Du auch Demonstranten?..

Killer Bunny
14
26.11.2011, 06:42

Das wurde natürlich von den AJE und ähnlichen Medien komplett verschwiegen. Seit letzten Freitag wird dieses Thema behandelt.

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