"Interne Absprachen"

Sonderschulen sollen beibehalten werden

25. November 2011, 12:01
  • Strategie des Ministeriums zur Umsetzung der UN-Konvention

Lebenshilfe und Integration Tirol kritisieren Vereinbarung zwischen Unterrichtsministerium und Landesschulratspräsidenten

Innsbruck/Wien - Ausbau inklusiver Pädagogik: ja, Abschaffung der Sonderschulen: nein. Zu dieser Übereinkunft sind die Landesschulratspräsidenten mit dem Unterrichtsministerium gekommen. Das geht zumindest aus einem Brief des Tiroler Landesschulratspräsidenten Hans Lintner (ÖVP) an Integration Tirol hervor, wonach "die Sonderschulen in allen Bezirken Österreichs sichergestellt bleiben müssen". Lintner bestätigte den Beschluss, künftig zumindest eine Sonderschule pro Bezirk erhalten zu wollen. Wolfgang Begus, Obmann von Integration Tirol, kritisiert diese Vorgangsweise "aufs Schärfste".

Die Vereinbarung sei "hinter verschlossenen Türen" und "unter massivem Druck der Landesschulratspräsidenten" getroffen worden, ignoriere Fachleute sowie die UN-Behindertenrechtskonvention und sei "demokratiepolitisch bedenklich", so Begus. Mit der Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung hat sich Österreich 2008 dazu verpflichtet, Kinder "nicht aufgrund von Behinderung" vom Schulbesuch auszuschließen. Interessensvertretungen von Caritas bis Lebenshilfe, aber auch Politiker von den Grünen sowie VP-Behindertensprecher Franz-Joseph Huainigg fordern seitdem noch vehementer als früher die Abschaffung der Sonderschulen. Im Schuljahr 2009/10 besuchte fast die Hälfte der rund 27.800 Schüler mit "sonderpädagogischem Förderbedarf" eine Sonderschule (Daten der Statistik Austria).

Lebenshilfe: "Fataler Rückschritt"

Lebenshilfe-Präsident Germain Weber ermahnte, die seit Beginn des Jahres laufenden Arbeitstreffen im Unterrichtsministerium zur Umsetzung der UN-Konvention im Schulbereich als "ernstzunehmendes Gremium" aufzufassen. "Die Diskussionen sollen an den Runden Tischen stattfinden und nicht abseits unter vorgehaltener Hand", so Weber in einer Aussendung. Sollten "interne Absprache diese guten Arbeitsfortschritte blockiert" haben, "dann wäre das ein fataler Rückschritt". Er habe bisher einen "erfreulichen Prozess" beobachtet, "der in Richtung Systemveränderung zur inklusiven Schule hinsteuert".

Auf Anfrage meinte Lintner, bei der vergangenen Landesschulratspräsidentenkonferenz in Klagenfurt sei vereinbart worden, "dass Integration und Inklusion so weit wie möglich ausgebaut werden soll, dass es aber unverzichtbar ist und bleibt, dass Sonderschulen weiterhin bestehen bleiben". Konkret könnten langfristig kleinere Sonderschulen aufgelöst werden, pro Bezirk solle aber zumindest eine erhalten bleiben. Lintner wehrte sich gegen "dogmatische Positionen", die "besagen, es darf nichts anderes geben" und betonte das "Recht der Eltern, zu wählen", wo ihr Kind betreut wird. Es gäbe sowohl vom Bundesministerium als auch von den Landesschulpräsidenten ein "Bekenntnis zu dieser Wahlfreiheit".

Für Weber ist der Ausbau inklusiver Pädagogik bei Beibehaltung des Sonderschulsystems "unvereinbar". "Die UN-Behindertentrechtskonvention spricht sich eindeutig gegen ein zweigleisiges Unterrichtsmodell aus, das obendrein mit höheren Kosten und niedriger Effizienz verbunden ist", so Weber in einer Aussendung. Stattdessen sollen Ressourcen und Erfahrungsschatz der Sonderschulen in inklusiven Schulen eingesetzt werden.

Schmied: "Spezialeinrichtungen wird es auch weiterhin geben"

Im Büro von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) kennt man einen derartigen Beschluss zur Beibehaltung der Sonderschulen nicht. Auf die Frage, ob die Abschaffung der Sonderschulen überhaupt geplant sei, heißt es, das langfristige Ziel sei "optimale Inklusion". In der Strategie des Ministeriums zur Umsetzung der UN-Konvention, die der APA vorliegt, heißt es, es wurden "auch schon Szenarien zur stufenweisen Realisierung der inklusiven Schule angesprochen".

Konkret sind neben der in den nächsten Wochen im Parlament beschlossenen Ausweitung der Integrationsklassen von der achten auf die neunte Schulstufe an Polytechnischen Schulen und einjährigen Haushaltungsschulen auch verstärkt Schulversuche zur Integration in der Sekundarstufe II (AHS-Oberstufe, BMHS) vorgesehen. "Spezialeinrichtungen" brauche es trotzdem, "und die wird es auch weiterhin geben", so ein Sprecher Schmieds. Geplant sind "Kompetenzzentren" an Sonderschulstandorten, "die das leisten, was 'normale Schulen' nicht leisten können". Man versuche derzeit, "ohne große bürokratische und sonstige Hindernisse eine optimale Betreuung aufzubauen", über Organisationsformen zu streiten, "tut der Sache nichts Gutes". (APA)

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Posting 1 bis 25 von 56
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RegR Borromäus Maschitz
03
27.11.2011, 19:52
positiv!

denn sonderschulen sind einrichtungen, die ausgestattet sind für kinder mit besonderen bedürfnissen.

andere schulen haben oftmals keine passende infrastruktur oder zusätzliche räumlichkeiten für kinder mit besonderen bedürfnissen.

integration ja, aber sie hat auch grenzen!

Seria
11
27.11.2011, 14:34

warum? Soll nicht jeder die Matura machen?
Klar diese Aussage ist Blödsinn. Jedes Kind sollte ein Maximum an Förderung bekommen, damit es in die Lage gebracht wird das potential voll auszuschöpfen. Es gibt auch Spätstarter, die erst ab 20+ richtig los legen!

stall
00
27.11.2011, 06:37
gesamtschule ist out

die all inclusive, kompetenzorientierte innovationsschule ist bald standard.

asinus
01
29.11.2011, 05:39

na ja....Innovationsschule ist ein Name, und Namen sind Schall und Rauch...

Kondratjew -Zyklus
 
32
27.11.2011, 05:44
Hauptsache ein neues Junk-Wort : inklusiv statt integrativ.

Schickt das Fischauge in die Wüste !

yotix
 
20
27.11.2011, 12:17

Hm. Es kann nicht schwer sein, ein Skript zu basteln, das einfach ALLE Postings bestimmter User rot stricht. Du wärst ein Kandidat für sowas :)

Kondratjew -Zyklus
 
00
27.11.2011, 13:19
Was meinen Sie mit "sowas" ?

yotix
 
00
27.11.2011, 14:19

Ich hatte dich erstens anscheinend verwechselt, und zweitens meinen Trollversuch unglücklich formuliert. Bitte ignorieren :/

Kondratjew -Zyklus
 
00
28.11.2011, 03:22
Ich halte "Troll" übrigens für eine sehr zweifelhafte Klassifizierung.

http://de.wikipedia.org/wiki/Trol... zkultur%29

Was für eine Überheblichkeit und Herabwürdigung - auch wenn manche der Kriterien gegeben scheinen.

Eric der coole
01
26.11.2011, 18:53
das beste

ist, dass die Lebenshilfe plötzlich Inklusion fordert, die kein einziges Modell der Integration schon gar nicht der Inklusion hat, sondern beinhart segregiert! Seit Jahren spart man in diesem Bereich (sowohl Sonderschule als auch Integration) alles nieder, Im Prinzip ist den Verantwortlichen das alles völlig egal, sie können ja auf "Licht ins Dunkel" pochen, wo sie ein paar Brosamen für diese Kinder hergeben und dafür toll gelobt werden.
Die Überbringer der Botschaft, dass das alles zusammengekracht ist, werden auch noch geprügelt...

Heinz Anderle
 
12
26.11.2011, 17:07
Bei der inklusiven Gesamtschule als "Ideal" realitätsfremder Phantasten...

... erhält die exklusive Privatschule eine ganz andere Bedeutung ;-)

Sonderschulen für Schwer- und Schwerstbegabte ergäben jedenfalls durchaus Sinn.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

Erwin Wolfram
40
26.11.2011, 12:35
ps

fette pfruende gehen nicht unter in nazistaaten, nazistaaten ist ja nur ein wort, dass erklaeren soll warum es an den systemgrenzen zu uebergriffen kommt, es werden ja nur leute abgeschoben (zynismus als moeglichkeit zur selbstheilung)

LL MM
02
26.11.2011, 15:16

Hat lange gedauert, bis jemand bei diesem Thema den guten alten Onkel Goodwin ins Spiel gebracht hat.

Aber jetzt ist die Katze aus dem Sack. Wer für Sonderschulen ist, ist auch Adolf-affin. Gell?

Der Chronist
00
26.11.2011, 08:30

Ich wußte gar nicht, dass es Sonderschulen überhaupt noch gibt. Heute gibt es doch "Sonderpädagogische Zentren".

Eric der coole
00
26.11.2011, 18:55
doch

es gibt beides, die Sonderschulen sind das segregative Modell, die SPZ sind für die Integration zuständig - kaputtgespart wurden bereits beide, sodass sie kam mehr auffallen

Perdo
03
25.11.2011, 22:11
Mit dem Feuerwehrauto in der Bleistiftrille hat er gespielt und die Sirene dazu toniert.

Nach zwei Wochen wurde er in die Sonderschule geschickt.
Das restliche Schuljahr ging die Mutter mit ihm durch das Volksschultor, aber sofort hinten wieder hinaus, er musste ja noch rechtzeitig in die Sonderschule kommen.
Alle sollten glauben, dass er noch die Volksschule besuchen darf.
In den Ferien vor dem zweiten Schuljahr sind sie weggezogen.

Das Integrationstheater findet nicht für die geistig Behinderten, sondern für deren Eltern statt.

Der Chronist
03
26.11.2011, 08:29

Das ist doch ein Gschichtl. Tatsächlich ändert sich durch den Wegzug ja nichts bezüglich der Scham der Eltern, die Sie uns vorführen wollen. Die haben anderswo genau dasselbe Problem.

Aber Sie haben natürlich recht: Eltern wie auch KInder werden stigmatisiert und ausgegenzt. Wir leben schließlich in einer Leistungsgesellschaft mit der Tendenz, den Sozialstaat hinter uns zu lassen.

der kandidat palantine
011
25.11.2011, 16:13

ich arbeite seit jahren in der sonderschule und habe auch in der integration gearbeitet. integration funktioniert nur wenn ausreichend personalressourcen vorhanden sind. da dies aber in der regel nicht der fall ist, sind schwächere schüler oft überfordert und landen als belastung in der ecke. schüler die aus der integration in unsere schule kommen sind oft viel schwächer was die grundkenntnisse und die sozialen fähigkeiten betrifft als unsere schüler. das ist nun einmal eine tatsache. aber man muss ja unbedingt dann unsere schulen abschaffen ohne zu bedenken, was das für die schüler auch noch bedeutet. es ist ja naiv zu glauben, das schüler mit einem spf in den regelschulen nicht ausgeschlossen und benachteiligt werden.

saunaecho
00
26.11.2011, 18:53
Grau ist die Teorie - Sie sind ein Lichtblick

In meiner Landvolksschule wurde der Klassen-Trottel vom Lehrer aus Zeitmangel ignoriert. Und wir haben Mitschüler verprügelt, die ihn quälen wollten. Weil unsere Eltern uns das befahlen, um seinen Eltern zu helfen. "Gelernt" hat er später bei der Arbeit am Bau, weil ihn nette Kollegen mitlaufen liessen. Die Normalschule war für ihn eine Qual - weil er nie mitkam.

Guderian
43
25.11.2011, 15:11
Sonderschule abschaffen?

Ja, es soll ja eh die gesamtschule kommen. Da macht es dann auch keinen unterschied mehr.

WernaeI Spindelmann
19
25.11.2011, 14:13
Absolut richtig!

Was bringt es Schwerbehinderten, jahrelang ihr 10-teiliges Holzpuzzle auf der "Eselsbank" in einer Klasse mit normalen Schülern zu legen, und nichts zu begreifen außer die Tatsache, Anders zu sein?

Auch in den Nervenkliniken werden die Patienten ja nicht aus "Integrationsgründen" mit Lungenkranken, gebrochenen Haxen und Gallensteinoperierten gemischt.

Um den kategorischen Imperativ abzuwandeln: die Gutmenschlichkeit sollte dort enden, wo sie den vitalsten Regeln des Hausverstandes Schaden zufügt.

Der Chronist
22
26.11.2011, 08:33

Sie scheinen so sehr in Ihren ersten Absatz verliebt zu sein, dass Sie es uns zweimal posten mussten :-)

Aber offenbar haben Sie die hier angesprochene SchülerInnengruppe niemals aus der Nähe gesehen.

insigma
74
25.11.2011, 15:59
in unseren Sonderschulen

sitzen ja nicht nur Schwerbehinderte Kinder. In spanien schaffens es Maneschen mit "Down-Syndrom", ein Universitätsstudium abzuschliessen und be uns landen sie wenns hoch kommt an der Kasse eines Lebenshilfe-Ladens. Und so Kasperln wie Sie unterstützen das auch noch; es ist zum Schämen!

bm.koger
 
08
26.11.2011, 00:44
ein einziger hat es geschafft

das studium - und jetzt glauben alle menschen, alle down.syndrom kinder können studieren.
kann man bitte endlich damit aufhören, menschen mit gewalt in die normalsierung zu zwingen. und wenn ein geistig behinderter mensch in einem gymnasium sitzt, wird er trotzdem nicht die matura machen, nur weil er drin sitzt. und das ist nix schlimmes, jeder mensch hat seine eigenen werte und behinderte lehren uns das, weil sie eben nicht so schön formbar-normbar sind.
die integration funktioniert in wien schlecht, die sonderschulen sind voll (weil die eltern aus der integration flüchten, weil das kind nichts lernt)- aber das ist ein gut gehütetes geheimnis

Eric der coole
00
26.11.2011, 18:57

die flüchten deswegen, weil in der integration die stunden bereist um 33% gekürzt wurden und die kinder immer schlechter betreut werden. zeigt doch von der klugheit der eltern, dass sie sich das bessere system aussuchen

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