ÖVAG-Verlust wird noch höher als erwartet

25. November 2011, 13:12
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"Mindestens zehn Prozent" mehr Minus droht der ÖVAG, eine Sonder-HV soll Maßnahmen bringen

Wien - Bei der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG) wird der Verlust immer größer. Nach einem Defizit von 689 Mio. Euro nach neun Monaten hat die Bank am Freitag mitgeteilt, dass der Jahresverlust 2011 in der Bank AG (Einzelabschluss) über der Milliarde zu liegen kommen wird.

Mitte Oktober hatte der Vorstand auf AG-Ebene den erwarteten Verlust mit 900 Millionen (mit einer Bandbreite von plus/minus 150 Mio. Euro) beziffert. Auf Konzernebene wurden damals 500 bis 750 Mio. Euro Verlust erwartet.

Weil Sonderabschreibungen auf Risiken und Beteiligungen anfallen und die Lage in einigen Ländern im Osten schwierig ist, wurde die Verlust-Prognose heute Freitag nochmals revidiert: Laut ÖVAG-Mitteilung wird sich "die am 13. Oktober bekanntgegebene Bandbreite für den Verlust im Konzernabschluss gemäß IFRS aus heutiger Sicht um zumindest 10 Prozent erhöhen. Im Einzelabschluss wird die angegebene Verlustbandbreite in einem ähnlichen Ausmaß ebenfalls überschritten werden."

Das heißt: In der Bank-AG (Einzelabschluss) droht nun ein Verlust von rund 1,2 Mrd. Euro, im Konzern von etwas mehr als 800 Mio. Euro.

Grund für die riesigen Verluste sind Abschreibungen auf die Tochter in Rumänien, Abwertungen auf Griechenland und Credit Default Swaps und andere Länderrisiken. Auch das einst eingeschossene Kommunalkredit-Partizipationskapital muss abgewertet werden. Der Vorstand spricht von "Einmaleffekten". 

Der ÖVAG fehlt viel auf EU-Eigenkapitalvorgaben 

Analog zum Verlust wird bei der geschwächten Großbank das Kapitalloch immer größer. Nach eigenen Bankberechnungen per Ende September hatte die ÖVAG nach heutigen Angaben 5,5 Prozent Kapitalquote "nach EBA-Systematik". Von der europäischen Aufsicht EBA sind neun Prozent bis Mitte Juni 2012 gefordert. Das wären 3,5 Prozentpunkte Differenz oder fast zwei Drittel, nämlich rund 64 Prozent.

Und es ist um einiges mehr als die vorerst auf Halbjahresbasis von der EBA ermittelten 972 Millionen Euro Kapitalbedarf. Die finalen EBA-Berechnungen sind noch nicht öffentlich. Klar ist, dass der Bedarf bei der ÖVAG mittlerweile jenseits der Milliardenschwelle liegt. Die Bank gab heute noch keinen Wert bekannt.

Die Volksbanker hoffen indes immer noch, dass sie von der hohen Zielquote nächstes Jahr verschont bleiben.

Die EBA habe nämlich zum Kapitalbedarfsbetrag der ÖVAG bereits festgehalten, er sei als "pro Forma"-Berechnung zu verstehen, da sich die ÖVAG mitten in einem Umstrukturierungsprogramm befinde. Die Bank soll stark schrumpfen. Damit, so wird in Wien argumentiert, würde sie nicht mehr unter das strenge EBA-Reglement für grenzüberschreitende Großbanken fallen.

Sonder-HV am Mittwoch

"Sollte die ÖVAG dennoch verpflichtet sein, per Juni 2012 den vorübergehenden Kapitalpuffer von neun Prozent zu erreichen, wird das eine Herausforderung darstellen", schrieb der Vorstand am Freitag in einer Mitteilung. "Um den zusätzlichen Eigenkapitalbedarf möglichst gering zu halten, arbeiten wir daran, die mit Eigenkapital zu unterlegenden Forderungen möglichst rasch zu reduzieren."

In einer Sonder-Hauptversammlung kommenden Mittwoch informiert der Vorstand gesetzesgemäß die Eigner über den aufgelaufenen Verlust. Da muss dargelegt werden, wie der Verlust abgebaut und das Kapital gestärkt wird. Es gibt Spekulationen über eine Kapitalherabsetzung. Das hat die Bank am Freitag zurückgewiesen. Vor der HV tritt der Aufsichtsrat zusammen. ÖVAG-Chef Gerald Wenzel bewertete die hohen Sonderabschreibungen auf Länderrisiken und Beteiligungen heute "fast ausnahmslos" als "Einmaleffekte, durch die unsere aufsichtsrechtlichen Kapitalquoten zwar zurückgegangen sind, aber dennoch weiterhin klar über den gesetzlichen Anforderungen liegen". (APA)

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