Moody's sieht Ramschstatus

"Ungarn hat ein Glaubwürdigkeitsproblem"

Interview | Regina Bruckner, 25. November 2011, 11:43
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    Ökonom Sandor Richter: Die  Regierung Viktor Orbán ist quasi eine Einmann-Show

Das Land werde nicht "angegriffen", laut Ökonom Sandor Richter mangelt es einfach an strukturellen Reformen

Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit Ungarns auf Ramschstatus heruntergestuft und droht mit weiterem Downgrading. Ökonom Sandor Richter vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche sieht den Schritt als logische Folge auf die strukturellen Schwächen in der Wirtschaftspolitik - die er auch auf die Regierungsmannschaft zurückführt.

***

derStandard.at: Die Ratingagentur Moody's hat nun ihre Drohung wahrgemacht und die Kreditwürdigkeit Ungarns auf Ramschstatus heruntergestuft. Ungarn selbst findet das furchtbar ungerecht.

Sandor Richter: Ungarn steckt in einer Glaubwürdigkeitskrise. Die Fundamentaldaten der Wirtschaft sind eigentlich nicht so schlecht. Das Budgetdefizit wird im Jahr 2012 unter drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts bleiben. Ungarn hat einen Leistungsbilanzüberschuss, die Staatsverschuldung liegt mit 81 Prozent des BIP etwa im europäischen Durchschnitt.

derStandard.at: Ist die Herabstufung dann Teil der allgemeinen Vertrauenskrise vielen Euroländern gegenüber?

Richter: Das würde ich nicht sagen. Wir haben ein paar ganz ungarnspezifische Ursachen. Auch die Europäische Kommission hat in ihrem letzten Bericht klar gemacht, dass das Budgetdefizit zwar im Jahr 2012 wahrscheinlich unter drei Prozent bleibt, aber mittelfristig hat Ungarn keine überzeugende Strategie, die Defizitprobleme unter Kontrolle zu halten.

derStandard.at: Sie sprechen von den diversen Maßnahmen, die in den kommenden Jahren auslaufen?

Richter: Dass das Budgetdefizit 2012 unter drei Prozent des BIP bleibt, verdankt Ungarn zum Teil einmaligen Maßnahmen, die nicht wiederholbar sind. 2011 wird Ungarn noch einen Überschuss von ein bis zwei Prozent des BIP im Staatshaushalt haben. Das hat mit der Verstaatlichung jener Gelder zu tun, die von rund drei Millionen Ungarn in den Privatpensionskassen gehortet worden waren. Diese hat einmalig eine Riesensumme in die Staatskassen gespült. Ungarn hat außerdem für die drei Wirtschaftssektoren Telekom, Energie und große Handelsketten Sondersteuern eingeführt. Die laufen ebenfalls aus. Und Ungarn hat auch eine in Europa beispiellos hohe Sondersteuer für den Bankensektor eingeführt.

derStandard.at: Für diese Sonderabgaben ist das Land - unter anderem aus Österreich - auch heftig kritisiert worden.

Richter: Ja, allerdings. Jedenfalls sollte auch diese Bankensteuer entweder reduziert werden oder auslaufen, denn diese Sondersteuern sind auch mittelfristig nicht haltbar. Diese Abgaben waren von der Regierung auch nicht für die Ewigkeit geplant. Der ungarischen Wirtschaft fehlt also das strukturelle Gleichgewicht.

derStandard.at: Die Regierung Orbán weigerte sich, IWF-Auflagen zu befolgen. Jüngst wurde in dieser Sache eine absolute Kehrtwende vollzogen. Warum?

Richter: Darüber wird gerätselt, denn Orbán hat gewissermaßen den großen nationalen Befreiungsschlag für Ungarn angekündigt, vom Kommunismus aber auch von internationalen Institutionen wie dem IWF. Also wie gesagt: Ungarn hat ein Glaubwürdigkeitsproblem.

derStandard.at: Trauen Sie der Regierung zu, das Problem zu lösen?

Richter: Orbán hat in einigen Behörden Leute sitzen, die hinter ihm stehen. Die Regierung Viktor Orbán ist quasi eine Einmann-Show. Ob unter Wirtschaftsminister György Matolcsy eine andere Wirtschaftspolitik möglich ist, wage ich zu bezweifeln. (Regina Bruckner, derStandard.at, 25.11.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 185
1 2 3 4 5
Oddo Wolf
02
27.11.2011, 08:05

Orban hat den Mut der Bankenmafia zu trotzen. Die wehrt sich natürlich inklusive Medienpropaganda welche ihn bald als sein Volk unterdrückenden Diktator dastehen lassen wird, um sich die "demokratische" Legitimation des braven "Europäers" zu sichern, daß gegen diesen Mann etwas unternommen werden muß.

DirtyHarry
02
26.11.2011, 14:05
Glaubwürdigkeitsproblem - kein Wunder...

Der Staat hat willkürlich in Verträge eingegriffen, kein Wunder, dass jetzt diesem Staat keiner mehr traut.

Wer Schweizerfranken leiht und verspricht Schweizerfranken zurückzuzahlen, darf nur in Ungarn auf Hilfe durch Rechtsbruch durch die Regierung hoffen.

Janosch bacsi
00
26.11.2011, 18:47

Das Lustige bei der Fremdwährungskredit-Geschichte ist, dass weder die Banken, noch die Kreditnehmer keine einzige sFr., € Banknote gesehen haben, von japanischen Yen ganz zu schweigen. Also diese "Schulden" existieren nur auf dem Papier bzw. im Computer.
Die Banken hätten gar nicht soviel sFr. in ihren Safes gehabt, soviel Papiergeld gibt es nicht einmal in der Schweiz im Umlauf.

Augen auf !1
 
01
26.11.2011, 11:42
Die Banken und das Gold der Inkas

Die Ungarn! 20 Jahre Zinsniveau doppelt so hoh wie bei den Nachbarn ist eine politische Bankrotterklärung und trieb Kreditnehmer selbstverständlich in Fremdwährungskredite.
Aber wer erinnert sich nicht an die Sprüche der
Banken : " Nur im Osten verdienen wir Geld, die österreichischen Zweige schließt oder verkauft man am besten".
Für die aus dem Kommunismus entlassenen ahnungslosen Bürger waren die Banken das gleiche wie die Spanier für die Indianer ,Götter die Geschenke bringen. Das Motiv der Banken war dem der Spanier ähnlich. Und da es für die Bürger des Ostens dank Eu zu Recht nicht so ergehen darf wie den Indianern zahlen wir Steuerzahler nun den bereits verteilteten Gewinn von damals nach.

QUMI
10
26.11.2011, 10:48

Ungarn war und ist ein Katastrophenstaat. In Summe ein Wahnsinn. Seit der Öffnung auf Untergang programmiert, war ein Wunder, das es so lange gedauert hat....

Roter Baron
01
26.11.2011, 09:03
das hat bes seit orbans neofaschistischer regierung, und weiter ?

wn7539
00
26.11.2011, 07:37
Vertrauenskrise?

Was hat sich denn der "Ungarn-Wickerl" eigentlich gedacht?

Das "Rating" zeigt an, wie gross die Wahrscheinlichkeit ist, dass vergebene Kredite auch wirklich vertragsgemaess zurueckbezahlt werden.

Orban hat von Staatsseite in bestehende Vertraege eingegriffen (Fixkurs unter gewissen Voraussetzungen zur Begleichung von Fremdwaehrungskrediten).

Dieser finanzpolitische Irrsinn hat einigen wenigen Ungarn geholfen - den Grossteil der Bevoelkerung massiv geschadet.

Oder wuerde jemand von Euch Geld an wem in einem land borgen wo die Moeglichkeit (Wahrscheinlichkeit) besteht, dass bei der naechsten negativen Aenderung der Paritaet der Staat beschliesst, dass der Schuldner nur einen Teil zurueckzahlen braucht?

Ja, mit gewaltigen Risikoaufschlag

Kein U Ausschuß Geldretour Burscherln
01
26.11.2011, 07:28
Das braune Problem mit schwarzer Unterstützung

ist dass.
Ungarn, England, Spanien, Holland, die deutschen sind schon gescheiter geworden, Kärnten usw...!
Sarah Palin in Amerika und überall fehlt Geld!
Weil so intelligente Leute Stimmen hergeben.
Es sind aber alle nach 2006 geboren weil es war niemand dabei!
Vorbestrafte im Parlament, mehr als 30 Milliarden in Kärnten inklusive EUROfighter ja wer war denn das?
In England können sich die leute die Miete bei Gemeindewohnungen nicht mehr leisten seit dem Neoliberalen System und sitzen auf der Strasse.
Fürchterliche Unruhen noch dazu.
Wir aben ja so intelligente Leute, die dass noch mit ihrer Stimme guttieren und alles glauben auch wenn nicht ein Wort wahr ist! Alles steht laut Hetzer auf unzensuriert dass seinem Nachbar Graf gehört!

Seadelaere
11
26.11.2011, 02:43
da sieht man was die rechte aus einem land macht

binnen kürzester zeit wurde jedes Vertrauen in den Staat zerstört.

Der Kluge
03
25.11.2011, 23:56

Orban wurde erst vor 1,5 Jahren gewählt, der Regierung jetzt alle Schuld zuzuschreiben ist töricht.
Wer glaubt aus reiner Antipathie gegenüber Orban der ungarischen Krise Spott und Häme entgegensetzen zu müssen, der ist Narr.

Verglichen mit Unternehmensanleihen, sind diese Ratings sind auch absolut unverständlich und Ausdruck einer eher irrationalen Panik. Nicht vergessen: Ein Staat kann die Bevölkerung enteignen, Geld drucken, usw. usf.

Wäre an der Zeit, dass europäische Politiker endlich für europäische Interessen aufstehen und sich nicht von OPEC/USA/Finanzmärkten/China-Exporten verhöhnen lassen, wärend der Fokus auf themen wie Klimaschutz gelegt wird?

birka
00
26.11.2011, 14:11

Ein Staat kann auch die Anleihengläubiger enteignen! Wennst meinst dass ungarische Anleihen voll sicher sind dann solltest fleißig darin investieren. Gibt sicher bessere Rendite als das Sparbuch!

Der Kluge
01
26.11.2011, 14:39

Nur würde eine "Enteignung der Anleihengläubiger" bekanntlich das Standing und die Glaubwürdigkeit des Staates massiv beeinträchtigen.

Für mich persönlich sind Staatsanleihen nicht interessant, aber mE sind diese nur deswegen unsicher, weil so ein Medientheater veranstaltet wird. Gäbe es bei Unternehmensanleihen solch eine Propaganda, so wären die allesamt im Ramsch-Status.

Schaut euch etwa das Schulden/BIP Verhältnis Ungarns an. Ist das wirklich so schlimm? Vor 10 Jahren haben alle von der super Ostphantasie geträumt, jetzt träumen alle vom totalen Euro-armaggedon. Ich wette, in 5 Jahren schaut die Lage ganz anders und viel besser aus.

budowitz
00
25.11.2011, 22:54
wer ist herr Richter?

egal, mit dem 'interview' hat er sich seinen höchst persönlichen laternenmasten verdient.

omar chamra
23
25.11.2011, 21:20
Eine ausgezeichnete weil genaue Analyse

Es ist ganz erstaunlich wer alles Orban und seine katastrophale Politik verteidigt.
Da ist einmal der notorische Antisemit Zsolt Bayer, der von den sich "provisorisch in unserer Heimat sich aufhaltenden Mainstream Linken" schwadroniert, Orbáns und Kövérs "guter Freund", dann der ehemalige kommunistische Agitator László Bogár, Staatssekretär a.D. in der 1. Orbánregierung, der die Banken als Vorhut einer internationalen Verschwörung gg Ungarn sieht, wozu auch der IWF gehört und die "globalen Medien".
Dass Orbán Wirtschaftspolitik im Interesse von ungarischen Oligarchen macht gg die Konsumenten, das merken die Ungarn in ihrer Brieftasche. Nun aber ist dank Orban & Co 1 € = 314 Ft.

Janosch bacsi
00
26.11.2011, 13:13

Tja Omar, es wird langsam Zeit die Koffer zu packen. Orban hat die Vorarbeit geleistet, bald kommt Jobbik an die Macht. Sie kennen sicher den Spruch; "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen."

Kein U Ausschuß Geldretour Burscherln
00
26.11.2011, 07:30
Olegarchen nennt man jetzt die Braunen?

tunde0
33
25.11.2011, 20:47
ungarn

aber von diese ramschland schon viele reich geworden das vergißt jeder und wenn einmal eine die kleine leute schützt ist am allem schuldig.

babel
00
26.11.2011, 15:14
ungarn

ja, das wäre gut, wenn jemand mal die kleinen leute schütz; von mir aus kann er dann auch schuldig sein.
Aber bis jetzt tut das niemand in Ungarn, und schuld sind immer die anderen.

Kein U Ausschuß Geldretour Burscherln
11
26.11.2011, 07:33
Ausbeuten und Meinungsverbot ist schützen!

von solchen Leuten leben die Selbstbereicherer Hahahahahahahahahahahaha.......

Adam Markus
13
26.11.2011, 00:30

Jene "kleinen Leute" deren jahrzehntelang angsparte Pensionen dazu verwendet wurden um für ein Jahr das Budgetloch zu stopfen?

Ja auf die achtet der Orbán besonders.

contact
11
26.11.2011, 00:07
herr O. schützt

die kleinen Leute indem er sie in die Massenarmut führt?
Interessante Meinung!

Janosch bacsi
00
26.11.2011, 14:12

Ist etwa Orban schuld, weil die Leute die sFr. Kredite nicht tilgen können? Das Ungarn 132 Mrd. US $ Schulden hat? Er geht halt einen anderen Weg, der etwas steinig ist und das passt dem IWF nicht. Gegen den Wind sollte man nicht p.....

babel
10
26.11.2011, 15:23
Schuld

seine Schulden schuldet jeder persönlich. So wie wir schulden unseren Schuldigern, hat die ganze Welt Schulden, weil wir alle über unseren Verhältnissen leben.
Den Namen Orbán wird man in wenigen Jahren schon aus der Geschichte des Landes radieren.
Die Schuld(en) bleibt.

Dr. Fu Man Chu
23
25.11.2011, 20:21
'glaubwürdigkeit der banken steckt in einer ungarnkrise' meint er wahrscheinlich

der orban soll also weg, damit es die banken in ungarn leichter haben. interessant...

Kein U Ausschuß Geldretour Burscherln
11
26.11.2011, 07:36
Der Orban zahlt ja auch nur zurück was er will!

Und wir zahlen den Rest für unsere Freundlichkeit Geld hergeborgt zu haben, oder wie?
Bitte Gehirn einschalten!
Braun ist verbrecherisch, verlogen und bereichert sich überall, die stehlen mit den Augenbrauen wenn sie gut geübt haben!

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