Eine Pflanze mit allergenem Potenzial

  • Die wärmebedürftige Ambrosia verfügt über eine ausgezeichnete Anpassungsfähigkeit.
    foto: apa/eddy risch

    Die wärmebedürftige Ambrosia verfügt über eine ausgezeichnete Anpassungsfähigkeit.

Ragweed-Pollen können heftige allergische Reaktionen auslösen - Ausrottung ist nicht möglich - Bekämpfungsmaßnahmen werden angestrebt

Wien - "Ragweed löst schwere Allergien aus, bedroht die Gesundheit der österreichischen Bevölkerung und führt zu massiven Ertragsverlusten in der Landwirtschaft. Dieses Übel müssen wir nachhaltig bei der Wurzel packen. Daher habe ich gemeinsam mit den Bundesländern ein dreijähriges Forschungsprojekt durchführen lassen, um abzuschätzen und zu analysieren, wie man die Ausbreitung von Ragweed eindämmen und verhindern kann. Die Experten dieser Studie zeigen nun wichtige Wege dazu auf", so Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich.

Die aus Nordamerika eingeschleppte Pflanze Ambrosia artemisiifolia (Ragweed, Beifußblättriges Traubenkraut) hat sich im vergangenen Jahrzehnt in Österreich rasch ausgebreitet. Es verursacht starke allergische Reaktionen des menschlichen Immunsystems mit hohen Folgekosten für das Gesundheitswesen, aber auch für die Landwirtschaft und die kommunalen Verantwortlichkeiten. Im Zusammenhang mit Bekämpfungsmaßnahmen erfordert dies in der Landwirtschaft inzwischen spezifischen Herbizideinsatz und damit nicht nur zusätzliche Kosten, sondern es werden auch ökologisch nachteilige Wirkungen ausgelöst. In einem dreijährigen Projekt, das vom Lebensministerium mit 242.000 Euro und acht Bundesländern mit 225.000 Euro gefördert wurde, haben die Projektpartner AGES, BOKU, NÖLAK, Universität Salzburg und Umweltbundesamt unter der Koordination der Universität für Bodenkultur die biologischen Grundlagen der raschen Ausbreitung entlang des Straßen- und Gewässernetzes, sowie auf landwirtschaftlichen und nichtlandwirtschaftlichen Flächen untersucht. Darauf aufbauend sollen konkrete Bekämpfungsmaßnahmen entwickelt werden.

Biologie und Ökologie

Ragweed-Samen können jahrelang im Boden überdauern, bei günstigen Bedingungen keimen jedoch bis zu 95 Prozent der Samen. Die rasche Verbreitung der Samen erfolgt praktisch nur durch den Menschen. Untersuchungen zur Populationsgenetik zeigten eine enorme genetische Variabilität innerhalb der Populationen, kaum jedoch zwischen den Populationen. Durch den starken Genfluss sind sie sehr anpassungsfähig und forcieren bei Erschließung neuer Lebensräume immer neue Rekombinanten mit der Chance auf noch bessere Durchsetzungskraft.

Die Zunahme der Ausbreitung von Ragweed im Laufe des vergangenen Jahrzehnts konnte deutlich nachgewiesen werden. Allein in den letzten 5 Jahren gingen rund 2500 bestätigte Meldungen ein - ein Mehrfaches aller bisherigen Fundmeldungen. Besonders auffällig nahm die Art an den wichtigsten Transitrouten (A1, A2 A4, A8, A9 im steirischen Abschnitt und A11) zu.

Habitat-spezifisch bekämpfen

Die Bekämpfungs- und Eindämmungsmaßnahmen müssen Habitat-spezifisch erfolgen. Entlang der Straßen kommt in erster Linie der Optimierung der Mahd-Termine Bedeutung zu: Die erste Mahd so spät wie möglich (Mitte Juli), danach aber Mahd alle drei Wochen, vor Beginn der Blühphase. Die gründliche Reinigung der Mähmaschinen ist ebenfalls zielführend.

Die Behandlung von Schnittgut in professionellen Kompostierungsanlagen sowie in Biogasanlagen vernichtet Ragweed-Samen zu 100 Prozent. Bei Neubaumaßnahmen und Banketterneuerungen in Befallsgebieten ist die Bepflanzung mit starken Bodendeckern empfehlenswert, da sie die Keimung von Ragweed verhindern können.

Verbreitung über Erntemaschinen

Ragweed findet sich auch auf landwirtschaftlichen Flächen, die Ausbreitung über die Landwirtschaft erfolgt jedoch nur im kleineren geographischen Rahmen. Vor allem in Ostösterreich kann es aber aufgrund für das Ragweed günstiger Klimaverhältnisse zu größerem Befallsdruck kommen. Über Erntemaschinen können Ragweed-Samen verbreitet werden. Konsequente mechanische und/oder chemische Unkrautbekämpfung und gründliche Reinigung von Erntemaschinen können die Weiterverbreitung von Ragweed zu reduzieren.

Ambrosia-Samen in Futtermitteln können, der Ausbreitung von Ragweed Vorschub leisten. Reinigung durch mechanische Siebung, einschlägige Lieferantenverträge, achten auf geografische Herkunft der Saaten und fachgerechte Entsorgung von Siebrückständen und andere botanische Abfälle können wirksame Maßnahmen zur Eindämmung von Ragweed darstellen.

Einzelpflanzen sollten immer zur Gänze ausgerissen werden. Ab der Blütezeit sollte dieses Material nachhaltig vernichtet werden (Verbrennung, professionelle Biomasse-Verwertung).

Problembewusstsein schafffen

Die Wahrnehmung des Problems und der Bekämpfungsmöglichkeiten sind sowohl in der breiten Bevölkerung wie auch bei involvierten Personen noch nicht ausreichend, allerdings konnten Informationskampagnen in Österreich das Problembewusstsein erhöhen.

Schulungen von Multiplikatoren und tatsächlichen Flächenbetreuern sind allerdings unerlässlich, um Ragweed einzudämmen. Das Projekt hat gezeigt, dass Ragweed zwar nicht mehr ausgerottet werden kann, aber die dargestellten Bekämpfungsmaßnahmen zumindest die negativen Effekte auf die Bevölkerung deutlich verringert werden können.

 

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