Der wirtschaftlichen Missstimmung zum Trotz schlüpften internationale Käufer diese Woche im Dorotheum in ihre Spendierhosen
Als liebe, gute Freundin Franz Josephs war Katharina Schratt ebenso legendär wie für ihren überzogenen Lebensstil und eine unbändige Roulettesucht. Mehrmals musste der Kaiser ihre Schulden in Millionenhöhe begleichen. Zwischendurch verpfändete sie auch Schmuckstücke, darunter nachweislich eine beim Hofjuwelier Köchert um 1890/95 aus Altschliffdiamanten und fuchsiafarbenen Rubinen gefertigte Brosche.
Und ebendiese sorgte Montagabend im Dorotheum für einen funkelnden Auftakt zur vierten und letzten Auktionswoche des Jahres. Stolze 202.800 Euro ließ ein anonymer Telefonbieter für das historische Juwel springen und drehte damit an der Rekordmaschine: Mit einem Umsatz von 1,22 Millionen Euro durfte das Dorotheum einen historischen Spartenhöchstwert notieren.
Insgesamt fiel der inoffizielle Saisonabschluss mehr als zufriedenstellend aus, auch, weil internationale Käufer, unabhängig von der wirtschaftlichen Missstimmung, in ihre Spendierhosen geschlüpft waren. In der Sektion Silber flatterte etwa eine 21-karätige Moskauer Taube (110.790 Euro) in ihre Heimat zurück und sicherte sich ein Schweizer ein gotisches Weihrauchgefäß (36.900). Nach Frankreich reichte die Designexpertin wiederum den Prototypen eines italienischen Sitzobjekts (67.400) und nach Belgien die Loos'sche Dodekaeder-Hängelampe (55.200) weiter.
Defilee der Spendierhosen
In der Sparte Jugendstil machte sich zwischendurch ein heimischer Käufer für eine Sitzgarnitur Josef Hoffmanns stark (29.580) und setzte sich ein Amerikaner bei dem von Hans Bolek 1914 gefertigten Anhänger mit Kette (26.580) durch. Beim Defilee der Klassischen Moderne konnte ein Italiener wiederum dem Hang zu Sackleinen aus dem Atelier Joan Mirós ( Sobreteixim sac2, 237.300) nicht widerstehen und pochte ein Deutscher auf die Rückkehr Paula Modersohn-Beckers Mädchen mit Ziege (202.800). Auch Ilya Kabakovs Bei der Universität 1972 ergänzt mit 754.800 Euro zum Spitzenwert der Woche nun eine deutsche Privatsammlung, während sich ein heimischer Käufer Emilio Vedovas Collage Ciclo 61N.8 für 444.300 Euro aus der Zeitgenossen-Offerte fischte.
Insgesamt summierte sich das aus genannten Sparten eingespielte Salär auf 10,77 Millionen Euro, der höchste in dieser Formation seit 2008. (kron, DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 26./27. November 2011)