Geschlagen, festgenommen, sexuell missbraucht

25. November 2011, 10:57
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Eine US-Journalistin wurde Opfer eines schweren Übergriffs durch die Polizei und steht damit nicht allein da: Alltägliche sexuelle Gewalt in Kairo

Kairo - Die ägyptisch-amerikanische Journalistin Mona al-Tahawy ist nach eigenen Angaben während der Proteste in Kairo von der Polizei geschlagen, festgenommen und sexuell misshandelt worden. Die bekannte Publizistin berichtete nach ihrer Freilassung am Freitag über den Kurzmitteilungsdienst Twitter und in Interviews mit verschiedenen TV-Sendern von ihren Erlebnissen im Gebäude des Innenministeriums.

Ihren Angaben zufolge wurde sie von Angehörigen der Ordnungspolizei festgenommen, als sie Mittwochnacht Straßenschlachten zwischen der Polizei und DemonstrantInnen in der Nähe des Tahrir-Platzes fotografierte. Anschließend habe man ihr die Augen verbunden und sie begrapscht. "Ich konnte irgendwann nicht mehr mitzählen, wie viele Hände versuchten, in meine Hose zu gelangen", schrieb Tahawy.

Alltägliche sexuelle Übergriffe

Eine Röntgenaufnahme zeige, dass ihr linker Arm und ihre rechte Hand als Folge der Schläge gebrochen seien, schrieb sie weiter. Auf Bildern waren sie mit verbundenen Armen zu sehen. "Gott weiß, was passiert wäre, wenn ich keine doppelte Staatsbürgerschaft gehabt hätte." Ein Angehöriger der Militärpolizei habe sich später, nachdem er ihre Identität festgestellt habe, für das Verhalten der Polizei entschuldigt.

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Frau während der Demonstrationen gegen das in Ägypten seit dem erzwungenen Abtritt von Langezeit-Staatschef Hosni Mubarak übergangsweise herrschende Militär Opfer sexueller Übergriffe von Polizeibeamten wurde. Journalistinnen berichteten in den vergangenen Tagen zudem von sexueller Belästigung durch Zivilisten auf dem Tahrir-Platz.

"Revolutionärin"

Arabische Nachrichtenwebsites veröffentlichten am Freitag ein Video, auf dem zu sehen ist, wie eine junge Frau in Jeans und Sweatshirt von jungen Männern auf dem Tahrir-Platz betatscht und geschlagen wird. Ein etwas älterer Mann mit Bart bringt sie schließlich in Sicherheit. Angeblich soll es sich bei der Frau um die von vielen Ägyptern angefeindete Studentin Alia al-Mahdi handeln. Dies ließ sich jedoch nicht überprüfen.

Die 20 Jahre alte Ägypterin, die sich selbst als "Revolutionärin" bezeichnet, hatte Mitte dieses Monats den Zorn vieler Jungrevolutionäre auf sich gezogen, nachdem sie in ihrem Blog Fotos veröffentlicht hatte, auf denen sie nackt zu sehen ist. Die Studentin bezeichnete die Veröffentlichung der Bilder als Kunstaktion. Die Bewegungen der Revolutionsjugend erklärten unisono, Mahdi gehöre nicht zu ihnen. (APA)

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