Castor-Zug erreicht Deutschland

25. November 2011, 09:59
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    foto: epa/julian stratenschulte

    Ein Polizeisprecher in Lüneburg bestätigte am Freitagmorgen den Einsatz von Pfefferspray gegen Demonstranten in Lüneburg.

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    Die Behörden entschieden sich für den Grenzübertritt bei Forbach, die nördlichste der drei Varianten.

Ziel ist Gorleben in Niedersachsen - Kritik an Gewalteinsatz der Polizei bei Demo am Donnerstag - Greenpeace: "44-mal so viel Radioaktivität wie in Fukushima"

Saarbrücken - Der Castor-Transport mit hoch radioaktivem Atommüll ist in Deutschland. Der Zug passierte nach Angaben der Polizei am Freitag zwischen Forbach und Saarbrücken die französisch-deutsche Grenze. Der Castor-Transport war nach einem Zwischenstopp in Ostfrankreich nach Deutschland gestartet. Am Mittwoch war er in Valognes in Frankreich losgerollt und hatte am Donnerstag in der lothringischen Gemeinde Rémilly rund 65 Kilometer südwestlich von Saarbrücken zunächst eine Pause eingelegt. Er bringt deutschen Atommüll aus La Hague nach Gorleben in Niedersachsen. Am Donnerstagabend kam es unweit von Gorleben zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Atomgegnern, die eine Straßenkreuzung blockierten.

Kritik an Gewalt bei Demo

Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) hat das gewaltsame Vorgehen der deutschen Polizei bei einer Demonstration gegen den Castor-Nukleartransport in Lüneburg scharf kritisiert. "Polizeigewalt ist kein legitimes Mittel, um Bürgerproteste gegen die illegale Strahlenfracht ins Wendland zu unterdrücken", beklagte die BI-Vorsitzende Kerstin Rudek in einer Erklärung. Auf Einladung der BI hatten am Donnerstagabend 600 Menschen an einer Kundgebung an der B216 im Dorf Metzingen teilgenommen. Laut den Organisatoren griff die Polizei "hart durch", als die Menge auf über 1.500 Teilnehmer anwuchs und der Verkehr auf der vielbefahrenen Straße zum Erliegen kam. Polizisten hätten Pfefferspray direkt ins Gesicht von Demonstranten gesprüht.

Wasserwerfer eingesetzt

Ein Polizeisprecher in Lüneburg bestätigte am Freitagmorgen den Einsatz von Pfefferspray gegen die Demonstranten. Zudem sei ein Wasserwerfer eingesetzt worden. Der Bürgerinitiative zufolge berichteten Teilnehmer der Kundgebung, der Wasserwerfer habe eine "ätzende Wirkung" gehabt. Dies lege den Verdacht nahe, "dass Reizmittel beigemischt waren". Nach Polizeiangaben gingen Demonstranten mit "Pyrotechnik und Farbbeuteln" sowie mit Steinen und Reizgas gegen Polizisten vor. Zehn Beamte wurden demnach verletzt.

Im Wendland bereiten sich die Menschen auf den 13. Castor-Transport nach Gorleben vor, es gab bereits am Donnerstag zahlreiche Demonstrationen, Mahnwachen und Laternenumzüge. In Lüchow waren Donnerstagfrüh bis zu 2.000 Schüler auf die Straße gegangen, etwa doppelt so viele wie im vergangenen Jahr.

Auf dem Weg

Der Atommüll-Transport war am Mittwoch in Frankreich gestartet. Der Transport ist der zwölfte und letzte mit hoch radioaktiven Abfällen, die in der französischen Anlage La Hague aufbereitet wurden. Ab 2014 sind noch Transporte aus der britischen Aufbereitungsanlage Sellafield geplant. Seit 1996 wurden aus La Hague fast hundert Behälter mit Atommüll nach Deutschland zurückgeschickt.

Greenpeace wird entlang der Transport-Strecke an verschiedenen Orten mit Strahlungsmessungen, Thermografie-Bildern und Expertise zur Verfügung stehen. Auch ein österreichisches Greenpeace-Team wird ab Samstagfrüh vor Ort sein. Mit einer wärmeempfindlichen Infrarot-Videokamera dokumentieren Greenpeace-Aktivisten die Hitzeentwicklung an den elf Castor-Behältern mit hochradioaktivem Atommüll. Die Kamera stellt unterschiedliche Temperaturen durch verschiedene Farben dar. Die Radioaktivität der Behälter ist nach Angaben der zuständigen Gesellschaft für Reaktorsicherheit im Vergleich zum Jahr 2010 noch einmal leicht angestiegen. Die erhöhte Strahlung erklärt sich aus der zunehmenden Anreicherung der in Atomanlagen verwendeten Brennelemente mit Uran-235 und den damit verbundenen stärker strahlenden Abbränden. 

Radioaktiver als Fukushima

"44-mal so viel Radioaktivität wie bislang durch die Reaktorkatastrophe in Fukushima freigesetzt wurde, rollt nun durch Deutschland. Ein unkalkulierbares Risiko", sagt Tobias Riedl, Atomexperte von Greenpeace. "Die Castoren dürfen nicht ins Zwischenlager Gorleben rollen. Dort wird der Strahlengrenzwert bis Ende des Jahres überschritten. Dieser Castor-Transport ist illegal." Greenpeace hatte laut eigenen Angaben nachgewiesen, dass die radioaktive Strahlung am Zwischenlager Gorleben auch ohne die weitere Einlagerung von Castoren den genehmigten Grenzwert bis Jahresende überschreiten wird. Die zusätzliche Einlagerung von Atommüll wäre damit rechtswidrig.

Auch der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags komme nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zu dem Schluss, eine Einlagerung von weiteren Castoren sei möglicherweise unzulässig. Die der Genehmigung zugrundeliegende Bewertung des niedersächsischen Umweltministeriums seien "wenig überzeugend" und "unwissenschaftlich". Der Gorlebener Salzstock unter dem Zwischenlager sei geologisch nicht als atomares Endlager geeignet. Unter dem Salzstock liegt das größte Erdgasvorkommen Deutschlands, darin gibt es bereits Laugenvorkommen. "Mit jedem weiteren Castorbehälter werden Fakten geschaffen und der ungeeignete Salzstock Gorleben als Endlagerstandort zementiert. Das dürfen wir nicht zulassen", so Riedl. Greenpeace fordert, den hochradioaktiven Atommüll künftig gemäß des Verursacherprinzips ins Zwischenlager am Atomkraftwerk Philippsburg in Baden-Württemberg zu transportieren. Die riskante Transportstrecke könne so erheblich verkürzt werden. (APA/red)

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24 Postings
Martin Müller10
 
35
25.11.2011, 15:09
Der "Atomexperte" von Greenpeace was soll man noch sagen?

"44-mal so viel Radioaktivität wie bislang durch die Reaktorkatastrophe in Fukushima freigesetzt wurde, rollt nun durch Deutschland. Ein unkalkulierbares Risiko" Wie viele Badewannen sind das? Oder waren es doch Fußballfelder?

CrocodileHunter
11
25.11.2011, 17:28

Die Einheit ist Bacquerel (Bq), ein Becquerel entspricht einem Zerfall pro Sekunde. Damit misst man die Radioaktivität eines Stoffes. Des Material im Castor-Transport wird dann wohl 44x mehr Bacquerel aufweisen als das strahlende Material in Fukushima.

Martin Müller10
 
12
25.11.2011, 17:43
Die Einheit die Sie meinen ist Becquerel und hat die Dimension

s^-1. Mit dieser Einheit misst man nicht die Radioaktivität eines Stoffes sondern die Aktivität einer Stoffmenge. Das sagt aber nichts über die Art der Strahlung (Alpha, Beta, Gamma) aus und nicht wie lange die Strahlung anhält. Das ist die Aussage des "Atomexperten"? Solche Experten sind verzichtbar.

CrocodileHunter
01
25.11.2011, 17:56

wenns alpha oder betastrahlen wären, müssten sie den müll wohl ned in einem 100 tonnen stahlcontainer mit 50 cm wandbreite verpacken ;-)

Manuel Eder, hinter mir die Sinnflut
12
25.11.2011, 15:08

Die Polizei und die Politiker dahinter werden langsam echt größenwahnsinnig und machtbesessen. Es wird wieder mal Zeit für einen größeren Aufstand. Exekutive, Judikative und Legislative haben der Verfassung zu dienen und nicht umgekehrt. Wenn sie friedliche Proteste niederknüppeln, dann brauchen sie sich nicht wundern wenn das Volk zurückknüppelt.

W.E.
00
26.11.2011, 10:59

Bitte nicht "das Volk" mit denen gleichsetzen, die Sabotageakte verüben oder Einsatzfahrzeuge in Brand setzt. Eine dünne Mehrheit des "Volkes" mag zwar mit den friedlichen Demonstranten sympathisieren, nicht aber mit einem fanatisierten Aktivisten-Mob.

Manuel Eder, hinter mir die Sinnflut
11
26.11.2011, 12:07

Ein Großteil der Demonstranten ist friedlich. Sie sitzen friedlich rum und blockieren den Transport. Hier wird das Recht auf Demonstration und freie Meinungsäußerung mit Polizeigewalt niedergeschlagen und selbst wenn man mit dem Anliegen der Demonstranten nicht übereinstimmt, so muss es einen doch schockieren wie die Grundrechte mit Füßen getreten werden. Der dem sowas egal ist, diese Gewaltakte verteidigt oder sogar auch noch unterstützt, der sollte sich in Grund und Boden schämen.

W.E.
00
26.11.2011, 12:26

Ich glaube nicht, dass die Polizei mit unangemessener Härte gegen friedliche Demonstranten vorgeht, von wenigen Einzelfällen, die man sich selbstverständlich ganz genau anschauen muss, abgesehen.

Das Recht zu demonstrieren beinhaltet aber nicht das Recht, Gleisanlagen zu beschädigen oder Einsatzfahrzeuge in Brand zu setzen. Gegen solche Einzelpersonen oder Gruppen muss seitens der Exekutive konsequent vorgegangen werden und das schließt ausdrücklich auch die Anwendung von Gewalt mit ein, wenn es keine andere Möglichkeit gibt.

Manuel Eder, hinter mir die Sinnflut
00
27.11.2011, 04:29

Es ist mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vorgegangen worden die eine friedliche Sitzblockade der Gleise veranstaltet haben. Wenn das keine unangemessene Härte ist, dann weiß ich nicht.

Oder zB als damals die Polizei gegen die S21 Parkbesetzer vorgerückt ist.

Ein weiteres Beispiel wäre das Verhalten unserer Polizei während der Demo gegen die nationalsozialistischen Burschenschaften.

Die Bevölkerung wird unter dem Vorwand von Recht, Ordnung, Terrorismusbekämpfung und Co sukzessive nach und nach ihrer Rechte beraubt.

M.H.
27
25.11.2011, 14:05
ATOMGEGNER SIND IDIOTEN

Wie kann man gegen Atome sein?

Analyser
00
25.11.2011, 17:23

nur gut, dass diese bösen Atome zerfallen! <ironie>

W.E.
02
25.11.2011, 15:07

<ironie>Weißt Du denn noch gar nicht, dass Du ganz sicher langsam und qualvoll sterben wirst, wenn Du jemals in die Nähe eines Atoms kommst?</ironie>

konichiwa
 
03
25.11.2011, 13:16

Mein Gott, dann fliegts den Scheiss doch einfach rüber.

##########
00
25.11.2011, 17:23
selten dämlich...aber ja bitte: machts das! das blockieren wird nur leichter, danke.

SK26
00
25.11.2011, 15:10

ein flughafen/rollbahn blockiert sich aber leichter...

chelene chirsch
31
25.11.2011, 19:45
aspirinstaberl regen das denken an.

offensichtlich wäre es an der zeit, auch greenpeace durch wiederholte schläge auf den hinterkopf ein wenig zum denken zu animieren.

es ist ganz einfach: wenn "aktivisten" gleise blockieren, sabotieren und polizei angreifen sowie autos anzünden und sonstigen sachschaden da verursachen, ist das schlicht terrorismus - denn das ach so gefährliche atom wird sicher nicht angenehmer, wenn der zug entgleist.

ein paar wochen kerker vor einer etwaigen aufnahme der personalien wäre für die gefährdung unser aller sicherheit entsprechend recht brauchbar. greenpeace kann ruhig dokumentieren, wie staatseigentum zerstört und teilweise die transporter selbst attackiert werden - mit den erlösen könnten die strafen dann gezahlt werden.

W.E.
00
26.11.2011, 10:39
Inflationärer Gebrauch des Begriffs Terrorismus

Der Begriff "Terrorismus" ist an sich umstritten und wird in diesem Zusammenhang eher als Kampfbegriff verwendet (Ökoterrorismus). Was hier eher greifen dürfte ist § 315 des Deutschen Strafgesetzbuches. Auf "Gefährliche Eingriffe in den Bahn-, Schiffs- und Luftverkehr" stehen nämlich sechs Monate bis zehn Jahre Haft. Es bleibt zu hoffen, dass dies in den wenigen Einzelfällen (denn die meisten Demonstranten sind ohnehin friedlich) auch konsequent durchgesetzt wird.

chelene chirsch
00
28.11.2011, 10:18

kennen sie einen fall, wo einer dieser volkshelden die gerechte strafe für das sabotieren des schotterbetts bekommen hätte ?

FAIL
00
25.11.2011, 14:57

ahaha

tri tra trallala
06
25.11.2011, 12:40
Österreich ist anders

mangels Atomkraft wird bei uns schon mal gegen Wasser- und Windkraft demonstriert.

maggo22
10
25.11.2011, 16:38
Falsch! - Es wird gegen die immer weiter ausufernde Energieverschwendung protestiert,

die bislang nur durch immer weitere Kraftwerke ausgeglichen wird.

Michail Bakunin
14
25.11.2011, 10:46

Das Beimischen von Tränengas in den Wasserwerfer ist leider nicht unüblich, kann allerdings gravierendste Folgen haben. In dem Wasser-Tränengasgemisch kann es zu unterschiedlichsten Konzentrationen kommen, was schwerste großflächige Hautreizungen und Verbrennungen verursachen kann. Folgende Bilder stammen von so einem Einsatz in Zürich: http://tinyurl.com/6ty4b2b

Damit gegen eine Sitzblockade vorzugehen, wird wohl das Wochenende nicht ruhiger machen.

chelene chirsch
10
25.11.2011, 19:48

was ist falsch daran, die ganze truppe beim ersten anzeichen von "schottern" oder sonstig spielereien einzukarzern ?

wenns nicht anders geht, muss eben in zelten der bundeswehr kampiert werden - ohne feuer natürlich. bis dann ein paar wochen später mal zeit ist, die personalien festzuhalten und einen richter zu suchen...

um es mal auf den punkt zu bringen: wenn die castor so gefährlich sind, müssen die unbehelligt am ziel ankommen - alles andere gefährdet uns alle. somit sind die "aktivisten", "schotterer", "autonomen" und sonstige schlicht... terroristen und/oder versuchte mörder.

dajonny
00
25.11.2011, 14:48

der Typ rechts unten war aber in D... Verstehe auch, dass sie den Link unter tynurl verstecken...

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