Wien: Mehr Geld für Heim-Opfer

24. November 2011, 19:45
5 Postings

Bisher 142 Fälle bei Vorarlberger Opferschutzstelle

Wien/Bregenz - Die Stadt Wien wird die Mittel für Opfer von Gewalt und Missbrauch in städtischen Heimen oder Privateinrichtungen unter städtischer Aufsicht erneut erhöhen. So soll der Fonds von 5,8 Millionen Euro um drei Millionen Euro aufgestockt werden, teilte Jugendstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) am Donnerstag mit. Für die Abwicklung der Hilfeleistungen ist der weiße Ring zuständig.

Bis 18. November haben sich laut dem Stadtrat 771 Betroffene bei der Opferschutzorganisation gemeldet, für 223 Betroffene wurden Entschädigungsleistungen beschlossen. 180 Geschädigte nehmen psychotherapeutische Angebote in Anspruch.

Hohe Warte und Eggenburg

Die meisten Vorfälle, die großteils Jahrzehnte zurückliegen, betreffen die ehemaligen Einrichtungen Hohe Warte und Eggenburg mit je 46 Nennungen. Das medial zuletzt besonders in den Brennpunkt geratene Schloss Wilhelminenberg wurde 33 Mal genannt. Im Fall dieser Einrichtung soll eine externe Sachverständigenkommission unter der Leitung von Barbara Helige Aufklärung rund um die bekanntgewordenen, teils schweren, Vorwürfe bringen.

Die Zusammensetzung des Expertengremiums wird am kommenden Mittwoch der Öffentlichkeit präsentiert. Die finanziellen Mittel für die Tätigkeit der Kommission - rund 500.000 Euro - werden genauso wie die Fondsaufstockung in der Ausschusssitzung des Gemeinderates am 30. November beschlossen.

Vorarlberg entschuldigt sich

Es sei beschämend, was Kinder und Jugendliche bis in die 90er-Jahre hinein erleiden mussten, nahm Vorarlbergs Landesrätin Greti Schmid (VP) am Donnerstag zum Bericht der Opferschutzstelle über Gewalt in ehemaligen Betreuungseinrichtungen ihres Landes Stellung. Sie bitte die Opfer im Namen der Landesregierung um Verzeihung.

Seit Einrichtung der Opferschutzstelle vor einem Jahr wurden Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch als Ansprechperson und die Opferschutzkommission mit 142 Fällen körperlicher, seelischer oder sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen konfrontiert. Allein 83 Fälle betreffen das frühere Landesjugendheim Jagdberg in Schlins.

In der gefürchteten "Erziehungsanstalt" für Buben wurde systematisch und präventiv Gewalt angewendet, berichtete die Kommissionsvorsitzende Ruth Rüdisser. "In diesem Ausmaß, in dieser strukturellen Form wurde ich noch nie mit Gewalt konfrontiert", so die erfahrene Psychologin. Bisher wurden 847.000 Euro an Opfer ausbezahlt. (jub, red, DER STANDARD-Printausgabe, 25.11.2011)

Share if you care.