Eilige Verhandlungen um Einsperrtage für Sauen

24. November 2011, 18:40
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Bewegung im Kastenstand-Konflikt: Minister Berlakovich und Stöger "so weit wie nie"

Wien - Nach monatelangem Verhandlungsstillstand haben es die Schweinebauern jetzt eilig. "Je früher, desto besser" solle der Streit um den Kastenstand von Sauen beigelegt werden: Das sagten am Donnerstag Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP), Landwirtschaftskammerpräsident Gerhard Wlodkowski und der designierte Bauernbundpräsident Jakob Auer wie aus einem Mund vor der Presse.

Davor hatten sie zwei Stunden mit Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) verhandelt, der im März den Entwurf für eine neue Tierhaltungsverordnung eingebracht hat. Um sie in Kraft zu setzen, brauchte er die Zustimmung Berlakovichs. "Wir stehen kurz vor der Einigung", verkündete Berlakovich. "Wir sind so weit wie noch nie", ergänzte später ein Stöger-Sprecher. Nächste Woche wird weiterverhandelt.

Tierquälerei laut Experten

Der Sauen-Kastenstand ist ein schweinekörpergroßer Käfig, in dem die Tiere bewegungsunfähig zwei Drittel ihres Lebens verbringen - laut Experten eine Tierquälerei. Bauernvertreter halten sie für unverzichtbar: Selbst Tierärzte könnten es nicht mit einer im Stall freien Sau aufnehmen, die ihr Ferkel verteidigt, sagte Auer, im Beruf Schweinezüchter. Daher: "In Abferkelställen, wo Säue die Ferkel gebären und säugen, sind 95 Tage Kastenstand pro Sau und Jahr das Minimum."

Für die Abferkelställe hatte Stöger im Sommer eine Einsperrobergrenze von 20 Tagen vorgeschlagen. Die EU verbietet den Kastenstand ab 2013 in den Deckställen, wo die Sauen davor, bis nach der Befruchtung, stehen.

Übergangsfristen im Zentrum

Ein Insider sagte am Donnerstag, die Bauern seien zu Abstrichen von den 95 Tagen um den Preis extrem langer Übergangfristen bereit. Stöger hatte Übergangsfristen bis 2020 vorgeschlagen.

Das dahinterliegende Problem ist der Stallumbau bei der Abkehr vom Kastenstand. "Derzeit sind keine funktionierenden Stallsysteme ohne Kastenstand am Markt", meinte Auer. Johannes Baumgartner, Schweinehaltungsexperte an der Vet-Med-Uni, widerspricht: "Es gibt sie, aber in Österreich fehlen Wissen und Anbieter. Die Einführung erfordert auch Anpassungen". Zudem: "Aus der Schweiz, wo es keinen Kastenstand gibt, hört man über Verletzungen von Tierärzten durch Sauen nichts." (Irene Brickner, DER STANDARD-Printausgabe, 25.11.2011)

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    Schweine im Stall: Sperrt man sie nicht mehr in Käfige, machen sie mehr Arbeit und Stress, fürchten die Bauern.

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