AKP-Regierung rüttelt an Atatürk-Verehrung

Markus Bernath aus Istanbul, 24. November 2011, 18:03
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    foto: archiv

    Atatürks Adoptivtochter Sabiha Gökçen posiert mit Bombe. Die Kampfpilotin flog beim Dersim-Massaker 1937/38 Einsätze.

Erdogans Entschuldigung für Dersim-Massaker wirkt in der Türkei als Befreiungsakt

Das Bekenntnis zum Republikgründer Kemal Atatürk, das türkische Grundschüler seit Jahrzehnten Tag für Tag im Chor aufsagen, klingt vielen Ohren nun hohler als je zuvor: "Ich bin Türke, ich stehe auf der richtigen Seite, ich liebe mein Land und meine Nation mehr als mich selbst." Der Damm, der die Atatürk-Kritiker zurückhielt, scheint gebrochen, seit Regierungschef Tayyip Erdogan diese Woche eines der dunklen Kapitel der jüngeren türkischen Geschichte aufschlug und sich - wenn auch verklausuliert - für organisierte Massaker an kurdischen Aleviten in den Jahren 1937 und 1938 entschuldigte.

Ahmet Altan, Herausgeber der Tageszeitung Taraf und ein liberaler Wortführer im Land, lobte Erdogans "historische Entschuldigung" und verglich den Premier mit Willy Brandt, der 1970 in Warschau vor dem Denkmal für die Helden des Ghettos kniete. "Wir werden in der Lage sein, Atatürks wahre Persönlichkeit und das, was er als Diktator getan hat, zu beurteilen", schrieb Altan am Donnerstag in seiner Kolumne.

Atatürk einen Diktator zu nennen, dürfte dem Publizisten Altan ein Strafverfahren einbringen. Seit 60 Jahren verbietet ein Gesetz, das Andenken Kemal Atatürks zu verunglimpfen, und sieht bis zu fünf Jahre Haft vor. Doch dies kümmert Politiker und Intellektuelle nicht mehr. In schnellen Schritten bewegt sich die Türkei in diesen Wochen auf eine neue Republik zu. Nach der Teilentmachtung der Armee, so sagen politische Beobachter, nimmt sich Erdogans konservativ-muslimische AKP-Regierung den Republikgründer Atatürk selbst vor.

Gewaltsame Assimilierung

In Dersim, einer Stadt und Provinz in Ostanatolien, in der alevitische Kurden - eine doppelte Minderheit - leben, setzte der türkische Staat in den 1930er-Jahren mit Gewalt seine Assimilierungspolitik durch. Bis zu 70.000 Einwohner sollen Historikern zufolge von der Armee aus ihren Häusern getrieben und umgebracht worden sein, der überwiegende Teil erst, nachdem der Führer der Dersim-Kurden, der 75-jährige Seyid Riza, 1937 gehenkt worden war.

Die offizielle Geschichtsschreibung spricht von einem "Aufstand" der Kurden gegen die neue Zentralregierung. Atatürk, bereits gesundheitlich angeschlagen - er starb 1938 -, sei über das Vorgehen der Armee nicht unterrichtet gewesen, heißt es auch entschuldigend. Dersim wurde 1936 in das heutige Tunçeli unbenannt ("tunç" bedeutet "Bronze"), um die Behauptung zu stärken, das Gebiet sei schon seit der Bronzezeit von Turkstämmigen bewohnt.

Erdogan nannte in einer Rede vor Parteimitgliedern am Mittwoch die Zahl von 13.806 Toten. "Wenn es notwendig ist, dass der Staat sich entschuldigt, und wenn es eine solche Gelegenheit gibt, würde ich mich entschuldigen", sagte Erdogan und setzte nach: "Und ich entschuldige mich." Seine Rede hielt Erdogan hinter einem enormen Atatürk-Porträt. Den Republikgründer nannte er nicht. Dafür forderte er den Chef der früheren Staatspartei CHP auf, sich für das Massaker zu entschuldigen. Der ist in einer schwierigen Position: Kemal Kiliçdaroglu ist Alevit und stammt aus Tunçeli. (DER STANDARD Printausgabe, 25.11.2011)

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sc1
 
01
4.12.2011, 17:36
@Kardox: Wieder Kurden und wieder Ehrenmord!!

http://www.welt.de/vermischt... ellen.html

Die kurdischen Agas (auch Seyid Riza war solcher) glauben noch immer dass sie ihre Töchter töten dürfen und das im 21 Jahrhundert.

Wieso ich Seyid Riza gennat habe?? Weil Seyid Riza war auch so ein Frauenmörder, jedoch war ATATÜRK gegen solche Personen in seiner Republik, die gedacht haben die sind mächtig und dürfen machen was sie wollen. Seyid Riza war auch ein kurdischer Aga, der die Mädchen und Frauen als NICHTS ansah! Als die junge Repuplik diesen kurdischen Agas aufforderte ihre Strukturen aufzugeben wurde der Aga aus Tunceli ganz böse und begann mit einer Reihe von Terroranschlägen!

Kubilay Aslan
00
28.11.2011, 20:05
Und wann wird erdogan sich für die ganzen...

vergewaltigungen an Kindern entschuldigen. Fast alle Kinderzwangsehen wurden und werden immer noch mit einer Pedofilen Einstellung eines gewissen Profeten aus dem Koran begründet....ob Taraf dass dann als gloreiche bereicherung und befreiungsschlag feiern würde? Es geht nicht gegen Mustafa Kemal, es geht gegen seine laizistische Grundhaltung. Zuerst die Person dann seine Ideen.

...nicht umsonst nennt man es schleichende Islamisierung....und einige wollen immer noch erzählen, dass sie ja noch keinen Gottesstaat gesehen hätten...super, wenn man wegen hinterfragung der Religion im Gefängis landet machts auch nichts mehr aus, dass man den Staat dann nicht Gottesstaat nennt.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
10
28.11.2011, 11:01
Erdogan verfolgt eine klare Linie: die laizistische Verfassung der Türkei zu unterminieren.

Dazu zählt, daß er das Militär entmachtete, das bislang ein Garant gegen einen islamistischen Staat war.
Daß Atatürk als der, der den Laizismus in der Türkei (bis zu einem gewissen Grade gewaltsam, freilich) durchsetzte, auch eins abbekommt, war zu erwarten.
Natürlich vermeidet Erdogan weiterhin, dabei an die GANZ GROSSE Schweinerei der jüngeren türkischen Geschichte zu rühren, die nämlich sicherlich nicht religiös, sondern politisch und rassistisch begründeten Massaker gegen die Armenier, an denen Atatürk auch, wenn auch nicht als Hauptakteur, beteiligt war.

sc1
 
42
26.11.2011, 21:13
Ich finde der tükische Premierminister Erdogan muss den Firdensnobelpreis bekommen. Obama hat es für KEINE Leistung bekommen, stattdessen tötet die USA grundlos in Pakistan unschuldige Menschen und Soldaten. Erdogan ist ein Antreiber des Friedens!

Kunz Johannes
01
26.11.2011, 14:34
Interessante Wortwahl...

... für eine freie Presse:

"... Assimilierungspolitik ... Bis zu 70.000 Einwohner sollen Historikern zufolge von der Armee aus ihren Häusern getrieben und umgebracht worden sein..."

Sowas nennt derStandard also "Assimilierungspolitik" - interessant.

antifb
 
00
25.11.2011, 20:52
dersim

alles bla bla morgen wird alles vergessen sein..... gut so

Onüür Kxy
42
25.11.2011, 17:52

Seit Erdogan 2002 Ministerpräsident ist, wird in Europa, vor allem in Österreich propagiert, er sei ein Islamist und er will einen Gottesstaat. Aber in der Türkei ist keine Spur von einem Gottesstaat, wie z. B. der Iran. Mir gefällt seine Politik auch nicht, aber es nicht wirklich realistisch, dass die Türkei in den nächsten Jahren zum Gottesstaat wird.

LA XX
12
26.11.2011, 07:20

Das geht auch nicht von heute auf morgen.
Alles geschieht Schritt für Schritt.
Das Militär (die für solche Sicherheiten zuständig war)wurde schon entmachtet.
Auch die Verfassung wollte er ja ändern, hat es aber zum Glück nicht geschafft, weil er nicht die 70% erreicht hat.

MichèleZ
11
25.11.2011, 16:29
Erdogan, das Chamäleon, der Wolf im Schafspelz...

Der Sozialdemokrat Ecevit, der neoliberale Turgut Özal und auch islamische Politiker Erdogan, jeder skandierte bei öffentlichen Auftritten "Eine Fahne, eine Nation, eine Sprache, ein Staat" - das Credo des integralen Nationalismus, den Atatürk zur Basis seines Staates gemacht hatte.

Andre Resestoiserl
20
25.11.2011, 14:49

Und jetzt noch den Armenengenozid aufarbeiten und dann sind sie der zivilen Welt ein wenig näher.....

Johannes Benn
12
25.11.2011, 13:11
.

gibt es eigentlich in der tuerkei noch nennenswerte nationalistische kraefte die den panislamischen bestrebungen erdogans unterstuetzt von guelen etwas entgegenzusetzen haben?

Flobi7
410
25.11.2011, 12:48
ohne atatürk

wäre die heutige türkei ein schrumpf staat an der schwarzmeerküste, wie es die triple entente vor hatte. erdogan und seine familie und ein grossteil der türken kurden usw. unter armenischer, französischer, englischer, italienischer, russischer heerschaft. ist es das was ihr an atatürk kritisiert. lol. in dieser zeit war er der richtige mann am richtigen ort. ohne ihn wehren alle eure familien sklaven oder flüchtlinge geworden.

jesus mohammed
32
28.11.2011, 01:08
Dieser Schrumpfstaat soll wohl da liegen, wo die Türkei 600.000 Pontosgriechen vertrieben hat

Wovon mindestens 350.000 direkt ermordet wurden und über deren Gedenkfeiern die Türkei rum meckert, seitdem die Überlebenden die Frechheit haben sie auch in Griechenland zu begehen.

Flobi7
02
28.11.2011, 10:57
was hat das mit rum zu tun

ja es starben sehr viele griechen, armenier. ich leugne nichts. aber hier wird nur über die getöten, vertriebenen griechen usw. gesprochen. das türken getötet und vertrieben wurden wird nicht erwähnt. manchmal glaube o. besser gesagt möchte ich nicht glauben, dass für viele in europa ein muslimisches leben weniger wert ist als ein christliches leben. ich bin objektiv und sage, dass nicht alles rhümlich war was damals passiert ist aber von solchen postern wie sie höre ich nur einbahnstraße. wir sind gut und unschuldig, also subjektiv. atatürk hat die türken von der steinzeit in die moderne katapultiert auch wenn der weg bis heute nicht beendet ist und die türkei noch keine 100% demokratie ist, ist sie für viele arabische staaten ein vorbild

DerAndere34
43
25.11.2011, 15:16

und?
was wäre denn so schlecht unter armenischer, englischer usw herrschaft?
heute leben doch auch millionen türken offiziell unter "fremder herrschaftt" .
aber sie dürfen die türken in österreich oder deutschland ruhig befragen - die leben ganz gut unter fremder herrschaft - und wollen das gar nicht ändern
;-)

Flobi7
13
26.11.2011, 13:48
Was ist das denn

Für ein Vergleich, die Türken die damals freiwillig durch anwerben in die europ. Staaten gekommen sind mit dem kriegszustand damals zu vergleichen ist schon ein wenig naiv. Um es freundlich auszudrücken. Wir haben ja gesehen wie die türkischen bzw muslimischen Bevölkerungsgruppen in Bulgarien, Jugoslawin, Griechenland, Spanien vertrieben wurden.

Muro
11
25.11.2011, 15:02
niemand ist fehlerlos

Mag stimmen was Sie hier uns mitteilen aber Atatürk war auch nur ein Mensch und Menschen machen gelegentlich auch mal Fehler für die man dann auch Rechnen tragen können muss. Tunceli ist nicht die einzige Region welche unter Atatürk zu leiden hatte. Atatürk hat auch Türkische Aufmüpfige verfolgen lassen, traurig aber wahr...

Der Waehlerwille
 
11
25.11.2011, 14:42
"unter armenischer herrschaft"

daher weht also der Wind. Genozidrelativierung ... kennen wir schon von den deutschnationalen. Klingt bei denen genau gleich.

sc1
 
37
25.11.2011, 12:12
Ich tue mir schwer hier einige zuverstehen.... wenn die Türkei sich entschuldigt ist man schuldig und wenn man sich nicht entschuldigt ist man auch schuldig!

was ist euer problem?

hart_aber_fair
22
25.11.2011, 13:43

irgendwie verstehst du den sinn und zweck einer entschuldigung nicht! das ist auch das einzige was du nicht verstehst. ich erklärs dir mal in dönerworten: du verbrechen machen, dann andere immer wütend auf disch, du disch aba entschuldigen und einsehen dass du mist gemacht hast, dann andere bereit disch zu verzeihen. verstehen?

sc1
 
12
25.11.2011, 16:13
Dönerworten... hast du das aus dem Repetuar von Adolf Hitler übernommen?

Also laut deiner Logik ist auch die Entschuldigung Österreichs an die Juden nur Augenwischerei!
DU bereust also gar nichts an dem was dein Onkel Adi angerichtet hat!

Bibabutzemann
13
25.11.2011, 18:35

Es heißt Repertoire...

sc1
 
22
25.11.2011, 20:39
danke... aber der Braune wird es ehe nicht merken!! :)

Dr.Winter - Institut für angewandte Psychatrie
23
25.11.2011, 13:13
So ist es auch.

Entschuldigt er sich nicht, dann deshalb, weil er unverbesserlich ist.
Entschuldigt er sich, dann nur deshalb, weil er noch viel viel Schlimmeres mit seiner Entschuldigung vorhat.

Unter Erdogan wurden in der Türkei erstmals seit vielen Jahren neue christliche Kirchen und Klöster geöffnet. Etwas, was vor Erdogan in der Türkei undenkbar war.
Unter Erdogan wurde das Putschmilitär an die Leine gelegt und jetzt sind diese Putschisten auf einmal so etwas wie der Garant der Stabilität?!?!

Der Erdogan wird es den meisten Österreichern nie recht machen können. Das muß etwas mit den Ängsten zu tun haben, die aus der zweimaligen Belagerung von Wien herrühren.

Muro
22
25.11.2011, 15:09
Eigenheit der Österreicher

Das hat eher was mit der Selbstverliebtheit der Österreicher zu tun. Bis vor einigen Jahren hat man ja sogar die Burgenländer aufs Korn genommen und für minderwertig gehalten, weil Sie das letzt angeschlossene Bundesland sind und von den Deutschen Nachbarn spricht man auch meistens nicht als Deutsche sondern von "eh schon wissen" obwohl ohne Deutschland wäre Österreich wie ein Penner ohne Brücke...

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