Mutmaßlicher Videomacher der Neonazis verhaftet

24. November 2011, 17:57
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Am Donnerstag wurde André E. verhaftet - Sein Zwillingsbruder soll Funktionär der NPD-Jugend gewesen sein.

Berlin/Wien - Paulchen Panther, der auf Schautafeln die neun Mordopfer zeigt, unter dem Titel "Deutschlandtour" samt Logo des Nationalsozialistischen Untergrunds: Mit erstaunlichem Geschick vermischten die Neonazis die Filme der Comicfigur für ihr Bekennervideo mit Fotos ihrer Opfer und Symbolen ihrer Bewegung. Seit Donnerstag ist nun jener Mann in Haft, der das Video 2007 hergestellt haben soll: der rechtsextreme André E. (32).

E. wohnt derzeit in Zwickau, wo auch die mutmaßlichen Terroristen des NSU, Uwe B., Uwe M. und Beate Z., zuletzt untergetaucht waren, und soll bis zuletzt Kontakt zu dem Trio gehabt haben. E. betreibt in Zwickau einen Versandhandel und die Firma Aemedig, die auf die digitale Bearbeitung von Filmen und Videos spezialisiert ist.

Flugblatt in der Wohnung von Beate Z.

Über diese Firma sollen die Ermittler ihm auf die Spur gekommen sein: Sie fanden ein Flugblatt des Unternehmens in den Trümmern der Wohnung von Beate Z. Sie hatte sie kurz nach dem Selbstmord von Uwe B. und Uwe M. angezündet.

Die drei sollen als NSU seit Ende der 1990er-Jahre mindestens zehn Menschen ermordet haben, neun Kleinunternehmer mit Migrationshintergrund und eine deutsche Polizistin. Zudem sollen sie mehrere Sprengstoffattentate verübt und zahlreiche Banken und Postfilialen überfallen haben. Nach einem Banküberfall am 4. November wurden B. und M. von der Polizei eingekreist und begingen Selbstmord. Z. zündete daraufhin ihre Wohnung an, flüchtete und stellte sich kurz darauf der Polizei.

Verdächtige in Dresden und Jena

Der nun verhaftete E. soll den NSU in zwei Fällen unterstützt haben, zudem besteht gegen ihn der Verdacht der "Volksverhetzung und der Beihilfe zur Billigung von Straftaten". Er soll nicht nur das Video erstellt, sondern dem Trio auch ermäßigte Fahrkarten für die Deutsche Bahn besorgt haben.

Eine Gruppe der deutschen Anti-Terror-Einheit GSG 9 nahm E. am Donnerstag in den frühen Morgenstunden fest - auf dem Gehöft seines Zwillingsbruders, des ebenfalls rechtsextremen Maik E. in Brandenburg. Zudem durchsuchte die Polizei drei weitere Wohnungen von Verdächtigen in Dresden und Jena. Insgesamt soll der NSU nach derzeitigen Erkenntnissen bis zu 20 Unterstützer gehabt haben.

Maik E. ist dem deutschen Verfassungsschutz ebenfalls bekannt: Laut Bild war er "Stützpunktleiter" der Jungen Nationaldemokraten (JN) in Potsdam. Die JN sind die Jugendorganisation der rechtsextremen NPD und gelten als eine der wichtigsten Brücken der Partei zu den Freien Kameradschaften, in denen zahlreiche Neonazis organisiert sind. Über sie sollen viele Aktivisten in Positionen innerhalb der NPD gelangt sein.

Kontakte nach Österreich

Auch nach Österreich haben die JN Kontakte: Mitglieder der Gruppe besuchten immer wieder die "Politische Akademie" der österreichischen AFP, das wichtigste Treffen der rechtsextremen Szene in Österreich. Bei der AFP wiederum gibt es Überschneidungen mit Jugendorganisationen der FPÖ.

Mehrmals waren bei der "Politischen Akademie" auch Politiker der FPÖ anwesend: 2008 bzw. 2009 kamen Hans-Jörg Jenewein, FPÖ-Abgeordneter zum Nationalrat und Landesparteisekretär der FPÖ Wien, und Johann Gudenus, Klubobmann der Wiener FPÖ und bis 2009 Chef des Rings Freiheitlicher Jugend. (tob/DER STANDARD Printausgabe, 25.11.2011)

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    André E. bei seiner Festnahme auf dem Hof seines Zwillingsbruders am Donnerstag.

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