Schuldenkrise

Riskanter Motorwechsel

Kommentar | Stefan Brände, 24. November 2011, 18:58

Monatelang schraubten die Chefmechaniker Merkel und Sarkozy am EU-Motor herum - jetzt haben sie eingesehen, dass sie ihn ganz ersetzen müssen. Bei ihrem Dreiergipfel in Straßburg mit Mario Monti sprachen sie hinter den Kulissen vor allem über die Neufassung der europäischen Verträge. Das Problem ist, dass die Stoßrichtung noch unklar ist. Die Deutschen wollen harte Budgetregeln, die Italiener EZB-Einsätze für überschuldete Staaten, die Franzosen plädieren für einheitliche Fiskalpolitik.

Diese Ziele schließen einander zum Teil aus: Angela Merkel befürchtet etwa ein Nachlassen der Budgetdisziplin einzelner Staaten, wenn die Europäische Zentralbank in letzter Instanz für ihre Schulden einsteht. Bisher hatte die EU durchaus das Talent, solche inneren Widersprüche in elegant klingende Kompromisse zu verwandeln. Heute lassen sie sich aber nicht länger unter den Teppich kehren. Denn die Finanzfrage rund um die Rolle der EZB paart sich, wenn die EU-Verträge neu verhandelt werden, mit der hochpolitischen Kernfrage: mehr oder weniger Europa?

Nicolas Sarkozy, dem das Nein der Franzosen zur EU-Reform von 2005 noch in den Knochen steckt, erkannte die Gefahr: Wenn die Finanzmärkte und die Anti-EU-Populisten gemeinsam Druck machen, kann dieser schnell einmal zu groß werden. Die Neuverhandlung der EU-Verträge ist in der aktuellen Krisenstimmung ein gewagtes Unterfangen. Nicht jedes Auto übersteht das Auswechseln des Motors. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 25.11.2011)

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15 Postings
www.banken-volksbegehren.at
01
25.11.2011, 14:54
Stellen Sie sich vor, ...

... es ist Finanzkrise und niemanden interessiert es - weil die Menschen erkannt haben, dass sie jederzeit ein freies, demokratisches und ihren Bedürfnissen angepasstes Geldsystem schaffen können.
http://www.banken-volksbegehren.at/geldsyste... ldillusion

Poldi Fesch
00
25.11.2011, 16:59
ja, ja

das liebe Vollgeld, ist zwar um nix besser, aber bitte

Jan Sommer
03
25.11.2011, 13:03
Man braucht sich keine Sorgen machen - läuft alles nach Plan:

Der neue Präsident der EZB, Mario Draghi, wird schon alles "passend" machen.

Schliesslich war er doch leitender Angestellter bei GOLDMAN-SACHS, jener Investmentbank, die den Griechen beim EURO-Einstieg geholfen hat, ihr schon damals bestehendes Budget-Desaster zu verschleiern.

Da wird er doch die Schuldenkrise der EU locker auch noch (zu Gunsten oder auf Kosten von wem wohl?) hindeichseln.
js

Poldi Fesch
00
25.11.2011, 14:15
natuerlich ist das

ein Supertyp, aber allein kann er auch nichts machen

Das scheue Reh
00
25.11.2011, 13:02
Drei Möglichkeiten gibt es

1.) Konkurs: Die Leut die in Griechenland, ... investiert haben verlieren ihr Geld.

2.) Geld drucken (Inflation): Man druckt einfach Geld und gibt es den Griechen,...

3.) Alle zahlen: Steuern rauf und Sozialleitungen runter.
---
Wenn die Kapitalisten ihr Geld in Gefahr sehen, dann bringen sie die Kohle schnell in ein anderes Land. Somit bleibt also nur die übliche Umverteilung von unten nach oben. Das geht so lange bis es wirklich kracht und irgendwann kracht es sowieso.

derFalkner
00
25.11.2011, 09:15
Europa kommt aus dem Mustopf

Dieses scheinheilige Entsetzen der Politik über Anti-EU-Stimmung! Jahrzehntelang haben sie die EU als Müllhalde für unbrauchbare Politiker benutzt, und noch heute dient die Gemeinschaft anscheinend hauptsächlich zur Emission von Verfügungen über Rolltreppen und Tabakwerbung.

Jepedaia Springfield
00
25.11.2011, 07:32
dem das Nein der Franzosen zur EU-Reform von 2005 noch in den Knochen steckt

gekommen ist die "Reform" trotz des Nein der Bürger, jetzt haben wir die Probleme. Die Österreicher wurden sicherheitshalber gar nicht gefragt.

O5
30
24.11.2011, 21:17

"Nicht jedes Auto übersteht das Auswechseln des Motors."

Oh doch. Aber eben nur wenn fachkundige Mechaniker am Werk sind. Bei Merkel merkt man wenigstens dass sie eine Ahnung von Ökonomik und Anreizsystemen hat. Aber bei den meisten anderen EU-Politikern siehts in dieser Hinsicht düster aus.

Poldi Fesch
00
25.11.2011, 14:18
nur mit Monti hat sie

ploetzlich einen vis a vis, der wirklich etwas von der Sache versteht u. nicht erst seine Staebe fragen musz

chaucer
00
25.11.2011, 09:30
Merkel mag Ahnung

von Physik haben, das hat sie studiert. Von Ökonomie hat sie keine. Und was Ökonomik sein soll, weiß ich beim besten Willen nicht.

Andreas Prucha
00
25.11.2011, 05:15

Merkel erinnert mich eher an Brüning.

der burli
00
24.11.2011, 23:11
dochdoch. die anderen wissen auch. nur könnens in ihren ländern mit "weichem" kurs politisch kaum überleben....

Bergdolm
21
24.11.2011, 20:27
USA zwingt Europa zu "USE" - "United States of Europe"

.
Und das ist gut so - das einzig Gute, das "Amerika" seit Jahrzehnten getan hat.

"Wir" (Europa) werden noch dankbar dafür sein. Es ist die einzige Chance, gegen China, Indien, Brasilien und selbst gegen die USA in den nächsten Jahren wirtschaftlich zu bestehen.

Das wird auch schmerzhaft sein, und wir werden von vielem Abschied nehmen müssen, das wir in Österreich als "elementar" betrachten - die Neutralität, das Bankgeheimnis und vieles mehr.

Oder glauben "wir" (Europa), dass wir alle "Schweiz spielen" können?

Apropos Schweiz, Liechtenstein und andere "Paradiese":
Dann wird auch der Umgang mit diesen Ländern anders geregelt werden (müssen).
Ob UK zu "USE" gehören wird, ist offen, da sich GB ohnehin als "eigenes System" versteht.

De Mut
 
00
25.11.2011, 19:00
USE ...

...dürfen wir BÜRGER aber BITTE darüber auch abstimmen!?!

Intelligenzplebejer
01
25.11.2011, 10:06
Europäische Staaten im 21. Jahrhundert

Unser Wohlstand hängt nicht davon ab, ob die EU sich zum Bundesstaat entwickelt. Das Maximum an sinnvollen wirtschaftlichen Integrationsschritten wurde in meinen Augen in der EU bereits erreicht - jede weitere Vertiefung wird nahezu zwangsläufig zu Spannungen unter den EU-Staaten führen. Auch in der heutigen Welt ist ein zwingender Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und demographischer und geographischer Größe nicht wirklich klar ersichtlich. Wäre Größe wirklich entscheidend, müssten dann nicht z. B. Staaten wie die Niederlande oder Schweden automatisch ärmer sein als Deutschland oder Frankreich? Haben Mittelmächte, die nicht supranational eingebunden sind (CAN, JAP, Südkorea, AUS, RUS etc.) keine Zukunft im 21. Jahrhundert?

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