Die Umstellung ist Sache der Einstellung

24. November 2011, 17:56
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Eine Lustreise war das Nordic Opening der Kombinierer und Skispringer nie. Heuer könnten sie sich gar vergebens nach Finnland aufgemacht haben. Die Beding­ungen in Kuusamo sprachen zunächst gegen den Absprung

Kuusamo/Wien - Wegen einer Absage hob am Donnerstag das Weltcup-Eröffnungswochenende der Skispringer und nordischen Kombinierer in Finnland eben nicht an. Unberechenbare Windbedingungen ließen weder ein Training, noch den sogenannten provisorischer Wettkampfsprung der Kombinierer auf dem diesbezüglich traditionell anfälligen Rukatunturi-Bakken im Skizentrum Ruka bei Kuusamo zu.

Selbst 60 Kilometer südlich des Polarkreises kann von winterlichen Bedingungen derzeit keine Rede sein. "In diesem Jahr spielen die Temperaturen verrückt, dann kommt der Wind noch aus der falschen Richtung. Damit ist das Springen auf dieser Schanze einfach zu gefährlich", sagt Mario Stecher, nach Felix Gottwalds Rückzug mit seinen 34 Jahren der Doyen der ÖSV-Kombinierer. Ob heute, Freitag, in Kuusamo gesprungen werden kann, ist fraglich. Der erste Kombi-Bewerb der Saison, dem am Samstag der zweite folgen soll, ist damit gefährdet - wie auch das Programm der Skispringer (Samstag Mannschaft, Sonntag Einzel).

Mag sein, den Sportlern kämen Absagen in Kuusamo gar nicht ungelegen. Schließlich waren weder den Skispringern noch den Kombinieren vorsaisonale Schneesprünge vergönnt. Die normalerweise in der Woche vor dem Weltcup abzuschließende Umstellung vom Mattenspringen müsste quasi im Wettkampf auf der - zum Teil mit über den Sommer gebunkertem Schnee - mühsam präparierten Schanze in Kuusamo erfolgen. Weder in Österreich noch in Lillehammer, Norwegen, wo am nächsten Wochenende der Weltcup fortgesetzt werden soll, war in den vergangenen Tagen Schneetraining möglich.

Die Anzahl der zur Umstellung benötigten Schneesprünge ist von Athlet zu Athlet verschieden. Thomas Morgenstern setzt etwa für die Gewöhnung ans Gerät und an den Schnee fünf Trainingseinheiten an - 15 bis 20 Sprünge also. Prinzipiell sei das keine große Herausforderung und mit dem Wechsel vom Hallen- ins Freibad vergleichbar. Selbstvertrauen, über das der Titelverteidiger im Weltcup und dreifache Weltmeister von Oslo nach einer perfekten Sommervorbereitung in reichem Maß verfügt, hilft. Der Schweizer Simon Ammann, nach den Rücktritten von Adam Malysz und Janne Ahonen die letzte Konstante unter den Herausforderern der österreichischen Skispringerei, reiste mangels vorhergehender Trainingsmöglichkeiten gar nicht erst nach Kuusamo. Das Mannschaftsspringen am Samstag war für den 30-Jährigen ohne konkurrenzfähige Kollegenschaft zudem leicht verzichtbar.

Die Trainingsprobleme schmerzen Ammann aber besonders, weil er in dieser Saison ganz auf den Gewinn der in einem Monat beginnenden Vierschanzentournee konzentriert ist und also so früh wie möglich in Form sein will.

Dieser Wunsch eint ihn mit Gregor Schlierenzauer, der ebenfalls seinen ersten Tournee-Triumph anstrebt, bei neuerlichem Misslingen aber wohl noch weitere Anläufe hätte, während Ammann von der letzten Chance ausgeht, nach zwei zweiten Plätzen den noch fehlenden Titel zu holen. (Sigi Lützow, DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 25. November 2011)

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    Der Rukatunturi-Bakken ob Kuusamo ist windanfällig, der Absprung in die Weltcupsaison ist gefährdet.

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