Gegen Feinstaub und Ozon

Vassilakou: "An der Citymaut führt kein Weg vorbei"

Interview | 24. November 2011, 18:09
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    foto: standard/newald

    Wiens grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou erwartet einen "Politikwechsel" von Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP): "Seine Spezialität ist leider, sich für unzuständig zu erklären".

Autobahnen statt Öffis: Wenn Niederösterreich so weitermache, dann brauche Wien drastische Verkehrsmaßnahmen, so die Vizebürgermeisterin

Standard: Alle Winter wieder gibt es eine Feinstaubdebatte, was Ihnen politisch ja entgegenkommen müsste. Dennoch war Ihre Reaktion eher verhalten - warum haben Sie keine Fahrverbote gefordert?

Maria Vassilakou: Fahrverbote sind Akutmaßnahmen, die es auch braucht, weil sie im Moment Linderung schaffen. Aber grundlegend ändert sich dadurch nichts. Wir brauchen dauerhafte Maßnahmen, die bewirken, dass das Pkw-Aufkommen um ein Viertel bis ein Drittel zurückgeht. Die Citymaut findet sich zwar nicht im Regierungsübereinkommen, aber sie ist mit Abstand die wirksamste Maßnahme, um Feinstaub, Ozon und den Klimawandel zu bekämpfen. In den nächsten Jahren ist das Thema leider vom Tisch, weil wir uns mit der SPÖ nicht einigen konnten, aber mittelfristig führt kein Weg an der Citymaut vorbei.

Standard: Die SPÖ noch in dieser Legislaturperiode zu überzeugen halten Sie für ausgeschlossen?

Vassilakou: Ich sehe keine Signale. Das Verhalten Niederösterreichs spielt allerdings eine entscheidende Rolle. Wien ist täglich mit 230.000 Pendlerautos konfrontiert, Tendenz steigend. Wir kommen nicht weiter, wenn Niederösterreich Autobahnen bis an die Stadtgrenze baut, aber für die Öffis kein Geld findet. Das ist für die Region à la longue katastrophal.

Standard: Wie hoch muss die Citymaut sein, um etwas zu bewirken?

Vassilakou: Das müsste man erheben. Nach dem alten grünen Modell hätte die Querung der Stadtgrenze einen Euro gekostet. Aber so ein Schritt lässt sich nicht übers Knie brechen.

Standard: Berlin behauptet, gute Erfahrungen mit der Umweltvignette gemacht zu haben. Ist das eine Möglichkeit für Wien?

Vassilakou: Wenn die Parkgebühren im März 2012 erhöht werden, werden wir rasch wissen, ob sie eine wirksame Feinstaubbekämpfungsmaßnahme sind, so wie erhofft. Wir geben 2012 zudem eine Machbarkeitsstudie zur Einführung von Umweltzonen in Auftrag. Sollten die Parkgebühren nicht den gewünschten Erfolg bringen, können wir innerhalb eines kurzen Zeitraums Umweltzonen einführen, falls erforderlich schon 2013. Da ist aber auch Umweltminister Berlakovich unmittelbar gefordert, der bundesweit die Kriterien für die Differenzierung der KfZ erlassen muss. Seine Spezialität ist aber leider, sich für unzuständig zu erklären. Hier ist ein Politikwechsel nötig.

Standard: Gibt es Fortschritte bei der Ausweitung des Parkpickerls?

Vassilakou: Ja, und ich kann mich nur bedanken bei den Bezirksvorstehern für die Bereitschaft, sich zu bewegen. Das Auto ist ja immer noch die "heilige Kuh" der Österreicher. Maßnahmen die darauf abzielen, dass unnötige Autofahrten unattraktiv werden, erzeugen sehr viel Widerstand. Natürlich haben Politiker wenig Lust, geprügelt zu werden. Aber: Diese Angst vor der Kontroverse hat das Land dorthin geführt, wo wir jetzt stehen: Feinstaub, Ozon, Schlusslicht beim Klimaschutz.

Standard: Welche Bezirke könnten sich fürs Parkpickerl entscheiden?

Vassilakou: Ich möchte nicht spekulieren, die Bezirke entscheiden sich in den nächsten Wochen. Aber auch der Bund, vor allem die ÖVP, muss sich bewegen. Wenn man sich jetzt auf Kosmetik beschränkt, wird sich das im nächsten Jahrzehnt bitterböse rächen.

Standard: Was soll man tun?

Vassilakou: In neue Umwelttechnologien und Sanierung investieren - nicht Sparpakete schnüren, bei denen vor allem die Investitionsbremse übrigbleibt. Und jeder von uns ist gefordert, sich nicht gedankenlos hinters Steuer zu setzen oder das Licht abzudrehen, wenn man einen Raum verlässt.

Standard: Die Opposition kritisiert, dass die rot-grüne Handschrift teuer sei: Welche Gebührenerhöhungen kommen noch?

Vassilakou: Wenn man über viele Jahre hinweg notwendige Preisanpassungen hinausschiebt, verpasst man wohl den goldenen Zeitpunkt. Politik darf sich nicht davor scheuen, vor den Bürgern in aller Transparenz zu argumentieren, warum Gebührenerhöhungen notwendig sind. Wir müssen das Leistungsniveau sicherstellen. Und wir haben enorme Kostensteigerungen im Sozialbereich.

Standard: Die Devise in Wien lautet also: Abgabenerhöhungen statt Schuldenbremse?

Vassilakou: Nein, wie kommen Sie darauf? Wir sparen hart, unter anderem durch die Gesundheitsreform oder Kosteneffizienz im Straßenbau. Ich warne aber entschieden vor einer Schuldenbremse, wie sie im Bund diskutiert wird. Das ist Sparen mit dem Rasenmäher, das würde die Länder ungeheuer unter Druck bringen.

Standard: Inwiefern?

Vassilakou: Einerseits würden alle Schulden der Bundesländer in einen Topf geworfen. Wien würde für die katastrophale Budgetpolitik Kärntens oder Niederösterreichs zur Kasse gebeten. Das sehe ich nicht ein. Zudem würde auch das Vermögen zur Schuldenbremse herangezogen, da würde ein enormer Privatisierungsdruck entstehen. Ich werde sicher nicht zulassen, dass die Müllverbrennungsanlagen, die Wiener Linien, die Energieversorgung oder sonstige Vermögenswerte der Stadt herangezogen werden. Es ist ein wesentlicher Lebensqualitätsvorteil, dass all das in kommunaler Hand ist. Der Bürgermeister und ich werden alles tun, damit das so bleibt. Wien wird Sturm laufen gegen Schuldenbremse-Pläne. (Andrea Heigl, Petra Stuiber, DER STANDARD-Printausgabe, 25.11.2011)

Maria Vassilakou (42) ist grüne Stadträtin für Verkehr und Planung.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1372
Elisa B
00
11.1.2012, 21:03
geh bitte!

aha jetzt auf einmal doch Citymautideen. Na warum will die dann die Parkpickerlzonen ausdehnen. Bestrafungsaktion für WienerInnen!? Wir WienerInnen wollen gratis parken - ist eh alles sauteuer in Wien

QUANTUM
00

aber politiker scheuen sich doch in voller transparenz eine fta und höhere und einbringbare st für den geldadel einzuführen. also net nur rummotzen und den kleinen immer auf die zehen steigen.

oranje
20
6.12.2011, 16:35

City-Maut jetzt!!
Was in London oder Stockholm funktioniert, funktioniert auch in Wien!
Pendeln ist ein verzichtbarer Luxus!

Oh my God !
01
29.11.2011, 15:56
so daneben die Grünen - Folgewirkungen mitdenken!

Verkehrsexperte warnt vor City-Maut

Kein Freund der City-Maut ist Verkehrsplaner Hermann Knoflacher. Er schließt unter anderem wirtschaftliche Nachteile nicht aus, weil Kunden auf Shopping-Center im Umland ausweichen könnten.

http://wiev1.orf.at/stories/415149

hubi huber
01
29.11.2011, 12:29
absoluter volltram..., denkt absolut nicht an die Pendler und kommt bitte nicht mit Öffis, die sind zu wenig und unflexibel

tassen im schrank
12
29.11.2011, 13:42
Irgendwie scheren sich die Pendler...

...(also jene, die mit ihren PKWs einpendeln) einen Dreck um die Anrainer ihrer Routen. Und die Belastung ist gerade im innerstädtischen Bereich um ein vielfaches Grösser!

ND1
12
29.11.2011, 11:02
na wie fein - eine neue Gebühr :-)

Vassilakou muss: "ich nehm dir auch noch das Weisse aus den Augen" auf griechisch heissen ...

Jan Sommer
00
30.11.2011, 23:46
Linkslinke "alle müssen gleich wenig haben" Ideologerinnen

dürfen für den guten Zweck der totalitären Zwangsbeglückung das Blaue vom Himmel herunterlügen!
js

der Kran
00

Linke kämpfen seit Jahrzehnten für die Mehrheit eines Staates während konservativ-liberale, neoliberale, liberale, etc... dafür kämpfen, dass das Staatsvermögen nur einigen wenigen zu Gute kommt. Warum Sie die Grünen als links bezeichnen ist mir allerdings schleierhaft. Vertreten die nicht genauso konservative Werte? So zeigen es zumindest die Koalitionen.

. Diogenes
01
28.11.2011, 15:00
Und wir haben enorme Kostensteigerungen im Sozialbereich

Soviel zur Zweckgebundenheit der Gelder die durch
die Abgabenerhöhungen kassiert werden.......

biolam
23
27.11.2011, 14:11
Citymaut ?!

Da merk man wie die Wiener noch immer am Blei (als Antiklopfmittel) der 60-80er Jahre leiden.
Faxit: Die mit dem Auto nach Wien kommen und dort
nicht wohnen und somit die Umwelt der WIENER versauen, sollen zur Kasse gebeten werden.
Faxit: Die es sich leisten können flüchten aufs Land und
pendeln mit dem Auto nach Wien - und verschlechtern
vor was sie selbst geflüchtet sind!
UND WAS SAGEN DIE WIENER DAZU: KEINE MAUT!
Ich denke die sollten nicht soviel HEUTE lesen und mehr im Morgen stehen!

me phisto
22
27.11.2011, 16:29

die eigentümer und macher von krone, österreich & heute wohnen im grünen und fahren allesamt SUV von der haustüre zur firmentüre und zurück. sie werden ihrer geschätzten urbanen leserschaft noch zwanzig jahre lang schreiben, dass es absolut cool ist, im dreck der abgase langsam aber sicher zu ersticken. und die geschätzte leserschaft, die gerade in der lage ist den hochgeistigen ergüssen in diesen hochqualitativen medien mit ach und weh zu folgen, wird es auch genauso lange glauben. solange bis halt das gegenteil drinnensteht. und die verantwortlichen politiker werden sich auch genauso lange vor diesem tandem boulevard / leserschaft fürchten. ;-)

Der Manner
73
27.11.2011, 09:41

(...)"Wien würde für die katastrophale Budgetpolitik Kärntens oder Niederösterreichs zur Kasse gebeten."(...)

...das regt eine Griechin auf!!!???

Früher war mehr Lametta.
21
27.11.2011, 09:13
citymaut für alle!

alle autofahrer sollen zahlen. punkt aus basta! ob nieösterreicher, wiener oder kärntner. wozu man ein auto braucht wenn man sowieso in den inneren bezirken wohnt ist mir schleierhaft.

heute gibt's mehr sterndlspritzer
00

jeder hat nicht soviel tagesfreizeit wie sie.

dolphin72
00
26.11.2011, 22:54

Die Citymaut würde den Verkehr gewiss ein wenig einschränken, ist jedoch insofern ungerecht da ungeachtet der Emissionswerte der Fahrzeuge dieselben Gebühren eingehoben würden.
Weitreichende, generelle Verkehrseinschränkungen (z.B. innerhalb des Gürtels) oder auch generelle Fahrverbote (z.B. Innenstadt) wären da zielführender und auch sozial gerechter.
Die Lebensqualität in der Stadt würde deutlich steigen.

atomkraft neindanke
00
27.11.2011, 20:45

in München brauchen sie soviel ich weiß einen grünen Punkt, dieselfahrzeuge und SUV können keinen grünen Punkt haben und dürfen trotz Maut nicht in die Innenstadt- rot-grüne Stadtregierung seit mehr als 10 Jahren macht es möglich!

heute gibt's mehr sterndlspritzer
00

sowas nennt man aufkommensbezogene lenkung und ist in A indiskutabel weil der hr direktor sich schon vom gemeinen fußvolk abheben muß, irgendwie.

Andreas N
01
26.11.2011, 21:27
die vielen ökologisch denkenden Autofahrer....

.... die sich einen sauteuren Hybrid aus Umweltgründen gekauft haben, werden sich herzlich bei der Vasline-Kuh bedanken, daß sie nun volle Länge 2 Euro/Std blechen.....
Und die Besitzer eines Elektro-Smart und sonstigen Elektro oder Öko-Fahreugs.
Ich freu mich, wenn im 17.Parkpickerl kommt, dann kann ich mein Schlaglochsuchgerät Fiesta gegen einen SUV eintauschen-tut meinen Bandscheiben bei den schlechten Straßen sicher gut !

me phisto
10
27.11.2011, 10:48
Man muß bei den urbanen Benutzungsgebühren differenzieren!

Parkgebühren bezahlt man ausschließlich für die zeitliche Benutzung knappen öffentlichen Raums zum Abstellen des Fahrzeuges. Leider in Wien nicht nach Fahrzeuggrößen (groß/klein) und geografischer Wertigkeit gestaffelt, aber immerhin.

Eine Citymaut bezahlt man üblicherweise nicht nach Zeit (Ausnahme sind Tageshöchstwerte), sondern nach Anzahl der Einfahrten in Zonen, also unmittelbar für das Befahren des urbanen Raums, meistens gestaffelt nach Wertigkeit (je weiter zentraler, desto teurer). Tarife kann man nach Schadstoffklassen (kombiniert mit Umweltzonen) und nach Fahrzeugklassen staffeln. Die Kontrolle erfolgt meist mit Kennzeichen-Videoauswertung. Sprich je mehr gefahren wird, desto teurer mit Tageshöchstwert.

Der Tod
00
27.11.2011, 19:57
aber wer will den

nach Fahrzeugleistung oder Grösse Parkgebühren oder gar eine Citymaut einnehmen.
Dann müssten doch jene, die eh vom Höchstbemessungssteuersatz profitieren mehr für Ihre Autos zahlen als die Masse.

Das geht doch nicht ! Nix viel Kleinvieh macht den Mist in Österreich. Bloss nicht genau hinschauen.

heute gibt's mehr sterndlspritzer
00

gleichbehandlung ist menschenrecht würde die ovp jetzt poltern, obwohl http://derstandard.at/plink/131... id23850468
;)
es auch anders geht. verursacher wollen immer das ander zahlen.

Jan Sommer
11
26.11.2011, 21:15
Wie unbarmherzig die Realität für die Ideologie verdreht wird sieht man an folgenden Fakten:

Da der Ozonschmäh durch die nutzlosen Fahrverbote in Deutschland schon sehr lange als Ablenkung entlarvt wurde, kaprizieren sich die Gesinnungsgenossen nun seit einiger Zeit aufs Stickstoffdioxid:

Dumm ist nur, dass seit gestern Westwind weht und am Hermannskogel - wieder einmal - höhere Werte gemessen werden als am Stephansplatz, Laaerberg und Lobau.

http://www.umweltbundesamt.at/umweltsit... L_9NO2_HMW

Wo die doch alle bei Westwind in der Abgasfahne des bösen Individualverkehrs liegen, aber sich weder Wind noch Messwerte ums verrecken nicht nach den Hetzereien der Märchenerzähler richten wollen.

Wahrscheinlich robben die Stickoxide, flach am Bauch, die Berge durch den Wald hinauf.
js

junjunjun
11
27.11.2011, 13:23
ozon hin oder her

es geht ja nicht nur um die ozonschicht!

weniger verkehr macht die luft besser und weniger lärm. oder fragen sie mal die anrainer, die am gürtel, an der wienzeile am kanal oder an allen andere durchzugsstraßen wohnen!

Jan Sommer
11
27.11.2011, 19:46
Es geht nicht um die Ozonschicht,

sondern darum, dass mit dem Umweltschutzvorwand
linkslinke Gleichmacherideologie durchgesetzt werden soll.

Umweltschutz sollte dort ansetzen wo es effektiv möglich ist.
Beim Indivdualverkehr geht's höchtens um minimale Verbesserungen im Vergleich zu den Möglichkeiten bei den schon peinlichst geschonten Gossverursachern.
js

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