Altes Gesicht für den neuen Jemen

24. November 2011, 17:26
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Abd Rabbo Mansur Hadi hatte Saleh bereits über den Sommer vertreten, als dieser zur Reha in Saudi-Arabien weilte

Fremd ist ihm der Job ja nicht mehr: Abd Rabbo Mansur Hadi, jemenitischer Vizepräsident seit 1994, übernahm die Amtsgeschäfte Ali Abdullah Salehs erstmals, als dieser Anfang Juni nach einem Attentat schwerverletzt nach Saudi-Arabien ausreiste. Entgegen allen Erwartungen kehrte der Präsident aber Ende September zurück. Noch einmal zwei Monate später ist Saleh wieder weg und Hadi wieder amtierender Präsident.

Dies wird er, geht alles nach Plan - das ist im Jemen mehr als unsicher -, mindestens drei Monate bleiben: In dreißig Tagen soll eine Regierung stehen, die weitere sechzig für die Vorbereitung von Präsidentschaftswahlen hat. Erst danach kommen das Schreiben einer neuen Verfassung, ein Referendum darüber und die Parlamentswahlen.

Besonders die alte Garde hält den unauffälligen Mann hinter Saleh für einen Kompromisskandidaten auch für die Zukunft, aber Teile der Opposition sehen das anders. Von einem neuem Gesicht kann man bei Hadi, der wie Saleh einen militärischen Hintergrund hat, wirklich nicht sprechen. Er war nicht nur in der Regierung, sondern auch Vizepräsident und Generalsekretär der von Saleh gegründeten regierenden Partei GPC (General People's Congress).

Hadi ist im Südjemen, in der Provinz Abyan, geboren. Aus einer Militärfamilie stammend absolvierte er die "Aden Protectorate Army School". Mit einem Stipendium setzte er seine Ausbildung beim "Protektor" Großbritannien fort, nach der Unabhängigkeit 1967 hängte er ein Panzertraining in Kairo und - Südjemen war im sowjetischen Orbit gelandet - die Stabsschule in Moskau dran.

Danach führte ihn die Armeekarriere auf verschiedenste Posten - unter anderem verhandelte er mit den Sowjets die Waffenkäufe des Südjemens. 1986 begleitete er Präsident Ali Nasser Mohammed bei dessen Flucht in den Norden. 1990, bei der Vereinigung des Nord- und des Südjemen, arbeitete er an der Zusammenführung der beiden Armeen mit.

Seinen Aufstieg in Sanaa hat der heute 66-Jährige dem Bürgerkrieg zwischen Norden und Süden 1994 zu verdanken. Er stand, obwohl ja Südjemenit, auf der Seite des Nordens gegen die Separatisten und wurde mit dem Posten des Verteidigungsministers und Vizepräsidenten belohnt. Für die südjemenitischen Sezessionisten, die beim jetzigen Zustand Jemens wieder eine Chance auf ein eigenes "Südarabien" wittern, ist er deshalb nicht weniger als ein Verräter. (Gudrun Harrer, DER STANDARD-Printausgabe, 25.11.2011)

  • Abd Rabbo Mansur Hadi (vorne in der Mitte) löst Saleh als Staatschef ab.
    foto: epa/yahya arhab

    Abd Rabbo Mansur Hadi (vorne in der Mitte) löst Saleh als Staatschef ab.

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