Abd Rabbo Mansur Hadi hatte Saleh bereits über den Sommer vertreten, als dieser zur Reha in Saudi-Arabien weilte
Fremd ist ihm der Job ja nicht mehr: Abd Rabbo Mansur Hadi,
jemenitischer Vizepräsident seit 1994, übernahm die Amtsgeschäfte Ali
Abdullah Salehs erstmals, als dieser Anfang Juni nach einem Attentat
schwerverletzt nach Saudi-Arabien ausreiste. Entgegen allen Erwartungen
kehrte der Präsident aber Ende September zurück. Noch einmal zwei Monate
später ist Saleh wieder weg und Hadi wieder amtierender Präsident.
Dies wird er, geht alles nach Plan - das ist im Jemen mehr als unsicher
-, mindestens drei Monate bleiben: In dreißig Tagen soll eine Regierung
stehen, die weitere sechzig für die Vorbereitung von
Präsidentschaftswahlen hat. Erst danach kommen das Schreiben einer neuen
Verfassung, ein Referendum darüber und die Parlamentswahlen.
Besonders die alte Garde hält den unauffälligen Mann hinter Saleh für
einen Kompromisskandidaten auch für die Zukunft, aber Teile der
Opposition sehen das anders. Von einem neuem Gesicht kann man bei Hadi,
der wie Saleh einen militärischen Hintergrund hat, wirklich nicht
sprechen. Er war nicht nur in der Regierung, sondern auch Vizepräsident
und Generalsekretär der von Saleh gegründeten regierenden Partei GPC
(General People's Congress).
Hadi ist im Südjemen, in der Provinz Abyan, geboren. Aus einer
Militärfamilie stammend absolvierte er die "Aden Protectorate Army
School". Mit einem Stipendium setzte er seine Ausbildung beim
"Protektor" Großbritannien fort, nach der Unabhängigkeit 1967 hängte er
ein Panzertraining in Kairo und - Südjemen war im sowjetischen Orbit
gelandet - die Stabsschule in Moskau dran.
Danach führte ihn die Armeekarriere auf verschiedenste Posten - unter
anderem verhandelte er mit den Sowjets die Waffenkäufe des Südjemens.
1986 begleitete er Präsident Ali Nasser Mohammed bei dessen Flucht in
den Norden. 1990, bei der Vereinigung des Nord- und des Südjemen,
arbeitete er an der Zusammenführung der beiden Armeen mit.
Seinen Aufstieg in Sanaa hat der heute 66-Jährige dem Bürgerkrieg
zwischen Norden und Süden 1994 zu verdanken. Er stand, obwohl ja
Südjemenit, auf der Seite des Nordens gegen die Separatisten und wurde
mit dem Posten des Verteidigungsministers und Vizepräsidenten belohnt.
Für die südjemenitischen Sezessionisten, die beim jetzigen Zustand
Jemens wieder eine Chance auf ein eigenes "Südarabien" wittern, ist er
deshalb nicht weniger als ein Verräter. (Gudrun Harrer, DER STANDARD-Printausgabe, 25.11.2011)