Rechnungshof streitet mit Heer über Tschad-Einsatz

24. November 2011, 17:32
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    foto: öbh/hein

    Die Kampftruppe ist heil aus dem Tschad zurück - jetzt rechnet der Rechnungshof nach und findet, dass das alles billiger funktioniert haben könnte.

Der Rechnungshof legte einen Bericht über Probleme beim Einsatz im Tschad vor - Das Ministerium wittert Geheimnisverrat

Wien - Militärische Geheimnisse sind nicht Sache des Rechnungshofs (RH). Schon bei seinen Berichten über die Eurofighter-Stationierung hat er heikle Daten über die Lage von Munitionsbunkern veröffentlicht - und auch beim jüngsten Bericht über den Einsatz des Bundesheers im Tschad (29. Jänner 2008 bis 15. März 2010) haben Informationen den Weg auf die Website des RH gefunden, die als militärisch sensibel eingestuft wurden.

Das Verteidigungsministerium ist darüber höchst verärgert.

Der Bericht zeigt unter anderem auf, dass bei den offiziell als ziemlich harmlos geschilderten Bewachungseinsätzen der Eufor offenbar viel mehr geschossen wurde, als allgemein berichtet wurde: "Der Munitionsverbrauch im Einsatzraum war nur teilweise dokumentiert und daher nicht nachvollziehbar; der Wert der Fehlbestände betrug rund 250.000 Euro." Und jene Munition, die nicht verschossen wurde, musste teilweise entsorgt werden, weil sie in Afrika nicht korrekt gelagert worden war.

Aber diese Verluste von 30.000 Euro stellen nur einen Bruchteil der von den RH-Prüfern vorgefundenen Kostenüberschreitungen dar. Dem Ministerrat und dem Parlament hatte Verteidigungsminister Norbert Darabos Kosten von 45,96 Millionen Euro vorgerechnet, die Prüfer kamen aber auf einen um 8, 1 Millionen höheren Betrag.

Unbestritten ist, dass der Einsatz mit relativ kurzer Vorlaufzeit erfolgt ist - und dass man im Bundesheer improvisieren musste, weil lange Zeit nicht klar war, welche Elemente man tatsächlich einsetzen würde. So mussten zwölf Millionen an einsatzrelevanten Investitionen getätigt werden, von denen manche dann gar nicht gebraucht, andere zu spät geliefert und wieder andere ohne Prüfung der preislichen Angemessenheit bezahlt wurden.

Als Beispiele nennt der RH das Bemühen, Fluggerät mit einem Aufwand von einer Million Euro wüstentauglich zu machen - es wurde letztlich daheim gelassen. Eine neue Funkausstattung kam mit monatelanger Verzögerung, und das erfolgreiche Vehikel des österreichischen Jagdkommandos, die auf Basis des Puch G selbstentwickelte "Sandviper", verschlang 676.000 Euro durch externe Vergabe. Der RH dazu: "Es erfolgte keine Überprüfung der Preisangemessenheit, etwa in Form von Vergleichsangeboten. Damit nahm das BMLVS allenfalls höhere Preise in Kauf."

"Buchhalterkriterien"

Generalleutnant Christian Segur-Cabanac, der selbst mehrfach im Tschad war, antwortete am Donnerstag ungewöhnlich harsch: "Eine spätere Beurteilung eines militärischen Einsatzes ausschließlich nach Buchhalterkriterien übersieht den Aspekt der Sicherheit unserer Soldatinnen und Soldaten, der für uns absolut im Vordergrund steht." Gewisse Erfahrungen müsse man überdies im Einsatz machen - es komme eben darauf an, als Militär aus Einsatzerfahrungen zu lernen.

Der RH-Bericht enthält eine Reihe weiterer Prüfergebnisse: Kritisiert wird unter anderem die mangelnde Effizienz der Kärntner Gebietskrankenkasse, dafür wurden die Universitätslehrgänge im Wesentlichen gelobt. Kuriosa deckten die Prüfer bei der Burghauptmannschaft auf. Diese überlässt seit 1956 dem Land Tirol ein Gebäude für das Landesmuseum. Seit dieses teilrechtsfähig ist, muss es Miete zahlen - die 35.000 kassiert aber das Land, nicht die Burghauptmannschaft. (Conrad Seidl, DER STANDARD; Printausgabe, 25.11.2011)

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Posting 1 bis 25 von 221
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favonius
00
13.12.2011, 13:46
Munitionsverbrauch und Neutralität

Wie kann es eigentlich sein, dass ein neutrales, europäisches Land in Afrika 250.000 Euro verballert?
Kommt nach Hause, wir brauchen das Geld hier dringender! Sparstift!!!

eichenlaub
00
28.12.2011, 17:10

Zwecks der Aufrechterhaltung der Schießfähigkeit! Ausserdem bedeutet neutral nicht dass ein Soldat nicht schießen darf (auch im Einsatz)

Jan Sommer
10
2.12.2011, 23:54
Da eine Patrone ganz deutlich weniger als € 1.- kostet,

hat man entweder riesige Feuergefechte geliefert oder
kräftigst den Schwarzmarkt und die eigenen Taschen gefüttert.
js

positiv gesehen
01
27.11.2011, 05:55
einen von der regierung befohlenen einsatz in afrika

Mit mehreren unberechenbaren faktoren im nachhinein kritisieren weil ausschreibungen fehlen ist schlichtweg dumm.

Nach der buwoggeschichte und dieser hier halte ich auch den rechnungshof für überprüfenswert.

ceiberweiber.at
20
27.11.2011, 15:07
Wenn man etwas erstmals in dieser form durchführt

es ist natürlich jeder einsatz anders, doch vom klimatischen her war das heer seit 1960 nicht mehr in afrika - auch das muss man berücksichtigen. damals standen auslandseinsätze noch in den kinderschuhen, es wird also nicht vergleichbar sein mit einem einsatz 47 jahre später. der bereich auslandseinsätze gilt generell als etwas, wo man immer mit unvorhergesehenem rechnen muss.nicht nur beim bundesheer, es ist allgemein so - in der zeit nach ende des kalten krieges hat such auch sehr viel verändert.

Mostbluzza
00
28.11.2011, 16:47
tja, sowas wie best practices

gibts ja sicher auch nicht im militärischen bereich.

da kommt jeder selber drauf, was so los ist.
gibt auch keine standards (nato) und bekannte unwägbarkeiten (sand, klima, hitze). alles neu und unbekannt.

tja, muss man schon alles selber mal erlebt (und bezahlt) haben. und vor lauter frust, hat man gleich mal hunderttausende schuss munition versawelt.

persönliche animositäten sind mir ja egal, aber frauen (wie sie) sollten nicht über themen schreiben, über die sie nicht mal theoretisieren können ....

ceiberweiber.at
00
28.11.2011, 17:51
tja....

sie lesen, wenn eine frau postet, offenbar maximal ein ganzes posting - schade, denn dann wüssten sie, dass ich auf das lessons learned-konzept verweise und wie viele andere einfach nachvollziehen kann, warum segur-cabanac die rh-kritik zurückweist.

King of Cowards
11
27.11.2011, 11:00
Aufpassen!

Es wird nicht die Unberechenbarkeit des Einsatzes, sondern die fehlende Dokumentation dieser Unberechenbarkeiten kritisiert.

Wenn die Soldaten mehr Munition brauchen und auch verschießen, dann geht das für den RH in Ordnung, aber dokumentieren muss man das.
Wenn hingegen Material aufgerüstet und dann nicht eingesetzt wird (also gar nicht mitgenommen), dann soll der RH gewissen Leuten auf den Zahn fühlen.

eichenlaub
00
28.12.2011, 17:14

Aber auch nur in Österreich! Kein anderes Land der Welt will über jede im EINSATZ verschossene Patrone so genau bescheid wissen wie Österreich!

ceiberweiber.at
20
27.11.2011, 12:52
Das kommt aber anders rüber

nämlich als kritik an den gesamtkosten, dem unvorhergesehenen....alles scheint sich darauf zu stürzen...

moulin rouge
20
26.11.2011, 16:07
WUESTENTAUGLICHKEIT DES OESTERREICHISCHE MILITAERS

das ist eigentlich ein Witz: die haben doch ohnehin sofort soviel Sand in den Augen, dass sie nichts mehr sehen!
Der Ernst ist: was hat dieses Alpenregiment im Tschad ueberhaupt verloren? Wohl auch wieder ein amerikanisches Abzockgame ausgeheckt im Pentagon und abgezeichnet in einer dunklen Wiener Parlamentsecke. Geld? Nein, das fliesst bei so einer Aktion nicht. Kann auch nicht mehr, unsere Minister reisen ja ohne Koffer!
Fakt ist, ein als "harmlos deklarierter Bewachungseinsatz" entpuppte sich als Treffen bedenkenlos Schiesswuetiger! Ab in die Wueste mit so einem Militaer aber ohne Waffen und Wasserflaschen! Aber bitte den Minister auch gleich mitnehmen! Wann's so weit sein wird?: http://www.youtube.com/user/00DERPENDLER

Mostbluzza
00
28.11.2011, 16:48
najo, sagen wir so, es war ein freundschaftsakt

den franzmännern gegenüber.

nochmal passiert das eh nicht. ups, im libanon ...

Magic Washroom
01
26.11.2011, 23:41

jaja, wieder die pösen, pösen usa.

die usa haben mit dem tschad überhaupt nix zu tun, richten sie ihre worte an frankreich, die haben dort unten ihre interessen.

richten sie ihre worte an deutschland, dessen armee hat für die nächsten zwei jahrzehnte jetzt schon einsatzpläne in den taschen, wonach es zu militärischen konflikten mit beteiligung deutscher truppen in nordafrika kommt. grund: schutz der ressouren.

richten sie ihre worte an die eu, die plant in halb nordafrika ein netzt aus solarkraftwerken, dass militärisch in zukunft gesichert werden will.

fakt ist sie haben keine ahnung und sind einer der berüchtigten vertreter eines dumpfen antiamerkanismus.

ceiberweiber.at
00
27.11.2011, 16:12
Die usa reinwaschen?

wenn, dann muss man interventionen generell ablehnen - aber es ist eine andere sache, alles als intervention zu bezeichnen. in papieren zur sicherheitspolitik sind immer auch eventualitäten und möglichkeiten beschrieben, die nicht unbedingt kommen müssen (dazu etwa: "verteidigungspolitische richtlinien",deutschland 1992 - es sind vielleicht absichtserklärungen)

ceiberweiber.at
00
26.11.2011, 19:52
Ein nettes video...

hat das aber was mit dem thema zu tun? ein pendler mit einem pendelnden minister?

ceiberweiber.at
00
26.11.2011, 19:35
sie posten

spiegelbildlich mit zynami - dessen oder deren postings besagen, dass alles ganz harmlos, ergo sinnlos war...

bully bullson
12
25.11.2011, 13:19
"Dem Ministerrat und dem Parlament hatte Verteidigungsminister Norbert Darabos Kosten von 45,96 Millionen Euro vorgerechnet, die Prüfer kamen aber auf einen um 8, 1 Millionen höheren Betrag. .."

..wann konnte der Berti schon jemals rechnen!?!?

flohimpelz
41
25.11.2011, 12:51
250.000,- Euros

ein schöner Zuverdienst für die Kommandanten.
Haben die das Zeug an örtliche war-lords weiterverkauft??

Erwin Wolfram
22
25.11.2011, 10:42
uebersetzung

der rechnungshof als pazifist, so soll es sein!

podsches
01
25.11.2011, 10:39
Einsatzkosten

Die Summe über die da gestritten wird ist ja schon fast so hoch wie die Provisionen bei den BUWOG verkäufen. Da muss man schon hinterfragen weil bei Militäreinsätzen muss man sparen, damit für Werbekampagnen der Politiker genug Mittel überbleiben. Die Rechnungshöfe sind überall zahnlose Tiger, oder hat es schon Konsequenzen aus Rechnungshofberichten gegeben?

ceiberweiber.at
00
26.11.2011, 10:38
apropos

da erhebt ein ehemaliger prüfer vorwürfe gegen fiedler und moser, weil eben mit scheuklappen vorgegangen wurde - also nicht der sinn des ganzen hinterfragt wurde. es geht um dieselbe haltung - dass nicht die kriterien eines nutzens für den staat im mittelpunkt stehen, sondern rein buchhalterische korrektheit - buwog-verkauf oder tschad-einsatz, egal:
http://kurier.at/nachricht... 318428.php

Zynami
10
26.11.2011, 17:22
Wo in diesem Bericht kommt Tschad vor?

Roter Baron
81
25.11.2011, 10:07
kolonialpolitik kostet eben was

Prof. Alois
 
01
26.11.2011, 13:05
Oje oje

Sind Ihnen die Amerikaner oder die Chinesen in Afrika lieber?
Beide rittern um Einfluss in Afrika, während die Verantwortung Europas buchstäblich naheliegender wäre. Es ist schon ein gewaltiger Fortschritt, dass die Franzosen ihre postkolonialen Begehrlichkeiten internationalisieren.

Zynami
10
26.11.2011, 16:22
Mit einer EU-TaskForce wär es sicher anders,

Europa hätte internationales GEWICHT!
So dilettieren einige Postkolonialmächte in ihren Ex-Kolonien herum. Die Franzosen bräuchten keine postkolonialen Begehrlichkeiten internationalisieren!

Und wir sind überhaupt die Unwichtigsten dabei. Mit 40 Kämpfern - das ich nicht lache! Der Rest war Tross.

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