EZB will Banken längerfristig aufpäppeln

24. November 2011, 16:10
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Die Europäische Zentralbank (EZB) packt die Werkzeugkiste aus: der Bankenmarkt braucht den Euro-Handwerker, das Vertrauen ist dahin. Deswegen überlegen die Währungshüter nun nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters, ob sie den Banken länger laufende Refinanzierungsgeschäfte anbieten können, wollen oder sollen.

Laut Reuters soll es nun auch Überlegungen seitens der EZB geben, die Refinanzierungsgeschäfte auch über zwei, drei Jahre laufen zu lassen. Entscheidungen gebe es aber bisher noch keine, eine Bestätigung über derartige Gespräche gibt es aus der EZB ebenfalls nicht. Die Idee dahinter: Den Banken soll mehr Planungssicherheit gegeben werden. Mit dem Geld könnten die Banken auch wieder mehr in Staatsanleihen investieren.

Der Interbankenmarkt ist nämlich ausgetrocknet. In Nicht-Krisen-Zeiten agieren Finanzinstitute bei der Liquiditätsbeschaffung, aber auch beim Zwischenparken von überschüssiger Liquidität, über genau diesen Interbankenmarkt. Man leiht sich beim Branchenkollegen über Nacht ein paar Millionen, oder verleiht die eigenen für einen gewissen Zeitraum an die Nachbarbank. Im Zuge der Krise und der Unsicherheiten, die damit einhergingen, kam dieses Bankengeschäft aber mehr oder minder zum Erliegen. Keiner traut keinem mehr, weil auch keine Bank mehr weiß, wie es weitergeht oder wie das Gegenüber aufgestellt ist.

Zinssätze

Leiht eine Bank Geld bei der EZB aus, kommt der Leitzins zum Tragen, dieser beläuft sich derzeit auf 1,25 Prozent und wird jedes Monat neu berechnet. Am Interbankenmarkt gibt es zwei relevante Zinssätze: der Eonia (Euro Overnight Index Average) ist der Zinssatz für unbesicherte Übernachteinlagen, bzw. für Einlagen für einen Tag und liegt am Donnerstag bei 0,72 Prozent. Der Euribor (European Interbank Offered Rate) gilt für Einlagen von einer Woche, einem, drei, sechs oder zwölf Monate. Am Donnerstag lag der Ein-Monats-Euribor bei 1,196 Prozent, jener für ein Jahr bei 2,038 Prozent.

Der EZB kommt schon seit jeher ebenfalls die Rolle zu, Liquidität zu steuern. Die Zentralbank stellt den Geschäftsbanken bislang bei ihren wöchentlichen, monatlichen und vierteljährlichen Refinanzierungs-Geschäften Liquidität ohne Mengenbegrenzung zur Verfügung. Wegen der sich zuspitzenden Lage und der Anspannungen am Interbankenmarkt hatte der EZB-Rat zudem kürzlich beschlossen, auch das vor zwei Jahren bereits eingesetzte Instrument des so genannten Jahrestenders wiederzubeleben. Dabei können sich Geschäftsbanken bei der Notenbank für ein Jahr Geld besorgen. Das hat schon 2009 funktioniert, 1.000 Banken haben sich fast eine Billion Euro bei der EZB geliehen. Einen weiteren Jahrestender soll es kurz vor Weihnachten geben. (Reuters, rom, derStandard.at, 24.11.2011)

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