Das zypriotische Fußball-Wunder

24. November 2011, 15:40
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Serbischer APOEL-Trainer Jovanovic nach Aufstieg ins Achtelfinale: "Sind ein kleiner Club, haben aber ein großes Herz"

Nikosia - Die Billig-Fußballer von APOEL Nikosia trauten ihren kleinen Augen kaum: Bei ihrer Rückkehr nach dem historischen Einzug ins Achtelfinale der Champions League wurden sie trotz der Landung im Morgengrauen schon auf dem Rollfeld von begeisterten und überglücklichen Fans bejubelt. Die Nullnummer in Russland gegen Zenit St. Petersburg sicherte dem Außenseiter als erstem zypriotischen Verein das Erreichen der K.o.-Runde.

"Bester zypriotischer Club der Geschichte"

Im lokalen Fernsehen wurde der in Europas Meisterklasse weiter ungeschlagene David, der in der nationalen Liga mit sechs Punkten Rückstand auf den Stadtrivalen Omonia nur Tabellendritter ist, sogar als "bester zypriotischer Club der Geschichte" gefeiert. In den Schulen wimmelte es am Donnerstag nur so von APOEL-Schals. Unmittelbar nach dem Ende der Live-Übertragung Mittwochabend war der Verkehr vor dem Vereinsgelände zum Stillstand gekommen und hatten Hupkonzerte ohrenbetäubenden Lärm erzeugt. Am Tag danach wählte die seriöse Zeitung "politis" nur: "Danke!"

Dabei ist APOEL erst zum zweiten Mal in der "Königsklasse" dabei. Bei der Premiere in der Saison 2009/10 war die Mannschaft als Gruppenletzter sieglos ausgeschieden. "Wir sind ein kleiner Club, aber wir haben ein großes Herz und stehen verdient im Achtelfinale", erklärte der serbische Trainer Ivan Jovanovic und freute sich gleich auf die nächsten großen Fußball-Abende: "Wir wollen mehr großartige Nächte feiern, nicht nur mit unseren eigenen Fans, sondern mit allen zypriotischen Fans in der Heimat."

Spiel vor dem Abbruch

Nur die unschönen Begleitumstände in St. Petersburg sorgten für einen bitteren Beigeschmack des Triumphs. Die Partie im Petrowski-Stadion stand wegen des Abbrennens von Pyrotechnik knapp vor dem Abbruch. Der deutsche Schiedsrichter Felix Brych musste das Spiel für mehrere Minuten unterbrechen, bis sich die Rauchschwaden verzogen hatten.

Jovanovic wollte sich damit nicht aufhalten. Nikosias Coach scheint den unerwarteten Ruhm, das hohe Lob von allen Seiten und die Aufmerksamkeit für seine "Nobodies" sichtlich zu genießen. Das Team, eine Mischung aus unbekannten Profis aus Brasilien, Portugal, Griechenland und Zypern, bringt es zusammen nur auf einen Marktwert von 17 Millionen Euro. Der brasilianische Verteidiger Kaká zum Beispiel kam einst von Hertha BSC auf die Insel.

Letztes Spiel gegen Schachtjor Donezk

Wie so vieles auf Zypern hat auch APOEL Nikosia eine komplizierte Geschichte. Der 1926 gegründete Verein gilt als eng verbunden mit griechischen Nationalisten und spaltete sich nach dem Krieg sogar. Als sich der Club im griechischen Bürgerkrieg mit rechten Kräften solidarisierte, gründeten eher linke Vereinsmitglieder 1948 einen eigenen Verein.

Dem letzten Gruppen-Spiel zu Hause gegen Schachtjor Donezk kann Nikosia ganz entspannt entgegensehen. Dank der neun Punkte aus den bisherigen fünf Partien ist sogar der Gruppensieg möglich. So oder so winkt in der Runde der letzten 16 das nächste rauschende Fest. (APA)

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    Die APOEL-Fans haben die Zeit ihres Lebens.

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